Wenn die andern feiern... Thorsten Nehrbauer, der Trainer ohne Bart, gönnte sich ein paar Stunden mit seiner Mannschaft nach dem im Sprockhöveler Nachsitzen geschafften Oberliga-Aufstieg - dann ging es ab nach Hause.

Kaan-Marienborn

Die Mannschaft feiert - Nehrbauer büffelt

Hans-Georg Moeller
12. Juni 2016, 10:24 Uhr
Foto: Neumann

Foto: Neumann

Wenn die andern feiern... Thorsten Nehrbauer, der Trainer ohne Bart, gönnte sich ein paar Stunden mit seiner Mannschaft nach dem im Sprockhöveler Nachsitzen geschafften Oberliga-Aufstieg - dann ging es ab nach Hause.

Während die Kicker ein Fass auf Mallorca aufmachten, drückte der Coach die Schulbank.

Ohne Bart, denn der war Am Baumhof nach dem 3:1 im Entscheidungsspiel gegen Delbrück nach zweieinhalbjährigem Wildwuchs Geschichte. Grob gestutzt zunächst von Kapitän Toni Gänge, im „Feinwaschgang“ legte FCK-Vorsitzender Manfred Leipold dann höchstpersönlich Hand an.

Auch der Sohnemann muss sich an den "Papa ohne Bart" gewöhnen

Aufstieg realisiert, Wette eingelöst. Was jetzt jeder, der mit Thorsten Nehrbauer in letzter Zeit Bekanntschaft schloss, benötigt, ist ein aktuelles Foto. „Ach, du bist’s“, soll ihn zu Hause selbst sein Sohn angesprochen haben, nachdem er zwei Mal hinsehen musste.

Gestern kehrte der Coach aus Edenkoben zurück. Dort absolvierte er den für den im kommenden Jahr geplanten A-Lizenz-Lehrgang benötigten „Elite-Schein“ der B-Lizenz ab. Das hieß: Eine Woche Büffeln im Süden von Rheinland-Pfalz. Als frisch gebackener Oberliga-Trainer mit einem ganz guten Gefühl.

Da mus man auch dem FC Brünninghausen ein ganz dickes Lob aussprechen
Thorsten Nehrbauer

„Da war schon einiges von mir abgefallen“, spricht der gebürtige Bonner, der für Hannover 96 schon in der 1. Liga spielte, nicht nur von verlorener Gesichts-Behaarung, sondern von „dicken Brocken, die mir vom Herzen geplumpst sind“. Dass es der 1. FC in der Rückrunde so spannend machen musste, ist natürlich nicht im roten Trainer-Shirt hängen geblieben. „Das ging schon ein wenig ans Gemüt“, plaudert Nehrbauer aus dem Nähkästchen einer Saison, in der nach der Vorrunde der Weg klar vorgezeichnet schien.

Der Kaan-Coach: „Aber da mus man auch dem FC Brünninghausen ein ganz dickes Lob aussprechen. So eine Rückrunde zu spielen, das ist schon grandios.“

Was in den Köpfen seiner Kicker vorgegangen ist, kann der Trainer durchaus nachvollziehen. Der plötzliche Tod der Käner Integrationsfigur Rolf Werner Viting war gewiss ein Grund für eine gewisse Depressions-Phase. Hinzu kam die fehlende Lockerheit, nachdem selbst gegen Abstiegskandidaten nicht mehr gewonnn wurde.

So kam eins zum andern - und am vorletzten Spieltag war die Tabellenführung passé, der 15-Punkte-Vorsprung gegenüber der Mannschaft der Stunde aus Dortmund-Brünninghausen aufgebraucht.

„Und dann muss ich vor meiner Mannschaft den Hut ziehen“, so Nehrbauer, „dass sie sich auf dieses Entscheidungsspiel zu fokussieren wusste und dort noch unser Ziel realisierte. Das war schon stark.“

Doch der Blick des Coachs wendet sich spätestens seit dem gestrigen Tag, als es zurück ging ins Bergische Land, nach vorn. Die Oberliga ruft. „Ein ganz anderer Fußball“, weiß Thorsten Nehrbauer, „auf den müssen wir uns intensiv vorbereiten.“

Wenn die neue Saison am 14. August startet, werden die Käner eine gut sechswöchige Testphase absolviert haben. Mit neuen Spielern, die neben Daniel Waldrich noch kommen werden, aber auch dem verbliebenen Stamm. Dem Trainer schwebt eine Kaderstärke von 20 bis 22 Spielern vor, die sich in der Fünftklassigkeit akklimatisieren sollen. „Wir werden auch hier unsere Punkte holen“, ist der 38-Jährige überzeugt. „Aber unser Ziel muss es zunächst sein, in der Klasse anzukommen und am Ende am gesicherten Ufer zu landen.“

Thorsten Nehrbauer hat seinen Vorbereitungs-Plan auf dem Schreibtisch liegen. Detailliert und ausgearbeitet. Verraten will er aus dem Inhalt nichts: „Erst müssen meine Spieler ihn haben, das geht vor.“

Und wir stellen uns das Lächeln Thorsten Nehrbauers bei diesen Worten vor. So ganz ohne Bart.

Autor: Hans-Georg Moeller

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