Til Bettenstaedt schoss die deutsche U16-Nationalmannschaft 1992 zum Titel. Der Durchbruch als Profi von Schalke 04 blieb aus.

FC Schalke 04

Als Europameister zu den Königsblauen

Christoph Winkel
10. Juni 2016, 08:27 Uhr
Foto: Eberhard Jung

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Til Bettenstaedt schoss die deutsche U16-Nationalmannschaft 1992 zum Titel. Der Durchbruch als Profi von Schalke 04 blieb aus.

Til Bettenstaedt meldet sich am Telefon mit „Moin, moin!“ Der ehemalige Profi, der für Schalke in der Saison 1994/95 20 Minuten Bundesligaluft geschnappt hat, ist am Donnerstagmorgen auf dem Weg zur Arbeit. Der 40-Jährige ist Sportredakteur. Als er merkte, dass die ganz großen Verträge nicht mehr auf den Tisch flattern werden, hat er seine Leidenschaft zum Beruf gemacht – statt dass er selbst Fußball spielt, schreibt er jetzt darüber. Was die wenigsten der Leser der Ostfriesenzeitung in Leer wissen: da schreibt ein Europameister.

Vier Tore bei der U16-EM

1992 gehörte Bettenstaedt zur Auswahl von U16-Bundestrainer Bernd Stöber, die bei der EM in Zypern im Endspiel gegen Spanien mit 2:1 gewann. Stürmer Bettenstaedt erzielte während des Turniers vier Tore, sogar das wichtige 1:1 gegen Spanien. Bekanntester Spieler des Europameisters war der Dortmunder Lars Ricken.

Schalkes damaliger Jugendleiter Bodo Menze rieb sich die Hände, denn die Tinte unter Bettenstaedts Vertrag war schon vor dem Turnier trocken. Der Mittelstürmer kickte bis zu seinem 16. Lebensjahr noch in seinem Heimatverein VfB Marburg und hatte sich über starke Auftritte in der Hessenauswahl für höhere Aufgaben empfohlen – auf Schalke.
Mit gerade mal 16 Jahren stand er kurze Zeit später also als frischgebackener Europameister in Gelsenkirchen. Mit Miguel Pereira und Sergej Dikhtiar wohnte Bettenstaedt in einer Wohngemeinschaft in Gladbeck. Die Familie, die sich um die jungen Schalker kümmern sollte, zog allerdings schon nach kurzer Zeit in eine andere Stadt, sodass die jungen Schalker auf sich alleine gestellt waren. „Es hat ein halbes Jahr gedauert, bis ich mich richtig eingelebt hatte“, sagt Bettenstaedt.

Die Schalker Profis waren seit 1991 wieder erstklassig und als es im zweiten Jahr nicht so gut lief, informierte U19-Trainer Klaus Fichtel ihn, dass er oben mittrainieren soll. Trainer war Helmut Schulte. Mehr als Trainingstore gegen Jens Lehmann und gewonnene Zweikämpfe gegen Ingo Anderbrügge waren aber nicht drin. Nach seiner Zeit in der A-Jugend kam Bettenstaedt fast ausschließlich in der Regionalliga-Mannschaft von Klaus Fischer zum Einsatz.

Ich freue mich darüber, für Schalke in der Bundesliga gespielt zu haben, kann das aber gut einordnen
Til Bettenstaedt

Jörg Berger, der die Schalker Profis im Oktober 1993 übernahm, schenkte ihm ein einziges Mal in der Bundesliga das Vertrauen: am letzten Spieltag, am 17. Juni 1995, gegen den SC Freiburg für 20 Minuten. Schalke verlor mit 1:2. „Ich freue mich darüber, für Schalke in der Bundesliga gespielt zu haben, kann das aber gut einordnen“, sagt Bettenstaedt. Über die Stationen Erkenschwick, Verl, Siegen und Cloppenburg klang die Karriere vor fünf Jahren aus.

An die U16-Europameisterschaft in Zypern hat der ehemalige Schalker aber noch die besten Erinnerungen. An das Elfmeterschießen im Halbfinale gegen Italien zum Beispiel, in dem auch er einen Elfmeter schoss und traf. „Ich hatte die Hose voll“, sagt er und lacht. Und natürlich an den Endspielsieg gegen Spanien, als Deutschland einen 0:1-Rückstand drehte. Nach der Siegerehrung stieg die Kabinen-Party mit dem Queen-Hit „We are the Champions“ in Endlosschleife. Angestoßen wurde abends mit Cola und Mineralwasser, schließlich feierte da die U16-Nationalmannschaft.

Im alten Trikot vor dem Fernseher

Ein Trikot aus dieser Zeit, das grüne, besitzt und trägt Til Bettenstaedt noch heute bei Spielen der deutschen Mannschaft, die er am liebsten vor dem Fernseher verfolgt. „Ich nehme an, dass das Trikot mitgewachsen ist. Es passt mir auf jeden Fall noch.“

Der deutschen Mannschaft traut er in Frankreich den Titel zu. Aber er hat auch andere Teams auf dem Zettel. Ein Halbfinalsieg gegen Italien im Elfmeterschießen und ein packendes Endspiel gegen Spanien wären ganz nach seinem Geschmack. So wie bei der EM 1992 in Zypern. Damals feierte allerdings die U16-Nationalmannschaft.

Autor: Christoph Winkel

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