„Forza Italia“ – diesen Jubelschrei gab es beim Aufstieg des FC Italia in die Kreisliga B diesmal nicht zu hören, denn am Ümminger See ist nur noch der Vorsitzende, Cosimo Salis, Italiener.

FC Italia Bochum

Mit Multikulti zum Erfolg

Felix Kannengießer
08. Juni 2016, 05:07 Uhr
Foto: FC Italia Bochum

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„Forza Italia“ – diesen Jubelschrei gab es beim Aufstieg des FC Italia in die Kreisliga B diesmal nicht zu hören, denn am Ümminger See ist nur noch der Vorsitzende, Cosimo Salis, Italiener.

Der erst dritte Aufstieg der Vereinsgeschichte ist ein ganz besonderer: In den vergangenen zwei Jahren stellte der FC Italia im Verband gar keine Mannschaft, erst eine Initiative von ehemaligen Steinkuhlern und Flüchtlingen rettete den Verein.

Salis gründete den Club 1978, nachdem er zehn Jahre zuvor seine Heimat an der Westküste Sardiniens für einen Gastarbeiterjob in Deutschland hinter sich gelassen hatte. Damit brachte er ein Stück „Bella Italia“ an den Ümminger See, 1988 war sogar die italienische Nationalmannschaft auf Stippvisite. Die Spieler der ersten Stunde waren zu großen Teilen Südländer – Pizzabäcker, Schlosser oder Mechaniker. Schon im ersten Jahr kam der FC auf mehr als 200 Mitglieder, später mit eigener Jugendabteilung und Frauenmannschaft.
Doch über die Jahre wurde es ruhiger. Vor der Saison 2013/14 musste die letzte verbliebene Mannschaft vom Spielbetrieb in der Kreisliga C abgemeldet werden, kickte seitdem als Freizeitmannschaft, die sich im Sommer 2015 ebenfalls auflöste.

Gerade rechtzeitig klopfte ein Team aus ehemaligen Funktionären, Trainern und zehn Spielern des SV Steinkuhl an die Tür. Sie hatten sich im Streit von ihrem Club getrennt und waren auf der Suche nach einer neuen Heimat. „Wir sind hier nur über Umwege gelandet, aber es passte sofort“, sagt Trainer Peter Scharfen.

Außerdem spielen mittlerweile bis zu 30 Flüchtlinge aus Laer für den FC Italia, die von Fitnesstrainer Charles Arosani vermittelt wurden. Durch die Kooperation mit der Aktion „Willkommen im Fußball“ wurden sie mit Material ausgestattet und finanziell unterstützt. „Sie sind toll integriert hier. Es war ein Glücksgriff für beide Seiten“, meint Scharfen, der den Verein auf sportlich vorantreiben will: „Ich bin sehr ambitioniert.“
Scharfen und sein „Co“ Manuel Majewski haben bereits einiges bewirkt. Mit dem neu formierten Team peilten sie von Beginn an den Aufstieg an. Und damit kennen sich die beiden aus: Bereits zehnmal waren sie in 15 Jahren Zusammenarbeit aufgestiegen, am Ümminger See folgte Nummer elf. Am Ende stand der Meistertitel bereits fünf Spieltage vor dem Saisonende fest: ungeschlagen, mit nur zwei Remis und einem Torverhältnis von 154:21. Ergebnistechnisch ist der FC Italia damit die beste Mannschaft im Kreis Bochum.

Die Werte des FC Italia – der Spaß und die Gemeinschaft – stehen allerdings weiter im Vordergrund, sagt Scharfen. „Alles ist hier sehr herzlich, das habe ich so noch nie erlebt. Der Teamgeist und die soziale Komponente sind Faktoren für den Erfolg.“ Salis und seine Frau kochen zum Beispiel an jedem Spieltag für die ganze Mannschaft. Das italienische Lebensgefühl kommt gut an: Für die kommende Saison soll ein zweites und vielleicht sogar ein drittes Team gebildet werden.
Die „Erste“ will erstmals in der Geschichte des FC Italia die Kreisliga A erreichen. Salis würde das gerne sehen und erhofft sich nebenbei einen weiteren Aufschwung bei den Mitgliederzahlen, die mittlerweile wieder bei rund 60 liegen: „Es geht aufwärts, doch wir freuen uns über jeden, der zu uns kommt. Wir sind ein Kollektiv und fühlen uns alle gleich.“

Autor: Felix Kannengießer

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