Ralf Fährmann hätte ein Heimspiel haben können, doch er musste am Samstagabend wieder einmal zuschauen.

Schalke

Lehmann attackiert Torwart Fährmann

Elmar Redemann & Marian Laske
05. Juni 2016, 19:57 Uhr
Foto: firo

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Ralf Fährmann hätte ein Heimspiel haben können, doch er musste am Samstagabend wieder einmal zuschauen.

Beim 2:0-Heimsieg der deutschen Nationalmannschaft über Ungarn in der Schalker Arena stand natürlich Manuel Neuer zwischen den Pfosten. Marc André ter Stegen und Bernd Leno saßen eine Woche vor dem Turnierstart bei der EM-Generalprobe auf der Bank.

Für Jens Lehmann hat sich Fährmann selbst zuzuschreiben, dass er beim DFB außen vor ist. „Ich hatte gedacht, Schalkes Fährmann könnte ein Konkurrent für Manuel Neuer sein. Aber er ist wohl im Kopf nicht in der Lage, sich selbst in diese Sphäre zu bringen“, sagte der ehemalige Nationaltorwart Lehmann in einem Gespräch mit dieser Redaktion.

Kein Konkurrenzkampf für Neuer

Zwar findet Lehmann, der von 1998 bis 2008 selbst 61 A-Länderspiele absolvierte, die Leistungen Fährmanns beachtlich. Der Vizeweltmeister von 2002 glaubt jedoch, dass Fährmann sich selbst im Weg steht und sein Schicksal Kopfsache ist: „Fährmann hätte es von seinem Können her verdient. Aber er scheint immer so negativ zu denken, dass er das wohl nicht schaffen wird, Konkurrent zu sein.“ Daraus folgt aus Sicht Lehmanns auch, dass Neuer keinen Druck von seinen Herausforderern zu spüren bekommt. „Er ist den anderen schon weit voraus. Ich glaube, dass er sein Potenzial noch mal um einiges steigern könnte, wenn er einen Konkurrenten hätte.“

Schalke-Torwart Fährmann ist keiner. Der gebürtige Chemnitzer meldete auch nie eigene Ansprüche bei der Nationalmannschaft an. „Es wäre ein Traum gewesen, dabei zu sein“, war die offensivste Äußerung Fährmanns zu diesem Thema. Diese leisen Hoffnungen in diesem Frühjahr machte Bundestorwarttrainer Andreas Köpke aber schnell zunichte: „Ein Ralf Fährmann hält überragend im Moment, er war aber noch nie dabei. Wann sollen wir ihn auch noch hinzunehmen?“, gab Köpke in einem Interview mit dem Kicker zu bedenken. Dass Fährmann fehlte, als Joachim Löw am 17. Mai seinen vorläufigen EM-Kader benannte, war dann keine Überraschung mehr.

Zwar befindet sich der 27-Jährige, der seit drei Jahren Schalkes Nummer eins ist, in der Form seines Lebens. Doch beim DFB dürfte er keine Rolle mehr spielen. Der 30 Jahre alte Welttorhüter Neuer wird noch ein paar gute Jahre vor sich haben. Hinter den bekannten Reservisten lauern außerdem talentierte Schlussleute wie Timo Horn (23, 1. FC Köln) oder Loris Karius (22, FC Liverpool) auf ihre Chance. „Torhüter, die in anderen Ländern die Nummer eins sein könnten“, findet Bundestorwarttrainer Andreas Köpke.

Immerhin: Liebling der Schalke-Fans
So bleibt Fährmann nur, sich auf Schalke zu konzentrieren. Sein Vertrag läuft bis 2020. Er weiß, was er an den Königsblauen hat und kann sich sogar vorstellen, seine Karriere auf Schalke zu beenden. Nach 111 Bundesliga-Spielen für die Gelsenkirchener steht Fährmann nicht nur bei den Fans hoch im Kurs, auch bei den Experten: In der zurückliegenden Saison war er mal wieder Schalkes bester Spieler – in unserer Bilanz erreichte Fährmann einen Notenschnitt von 2,76, die mit Abstand beste Bewertung aller Knappen in der abgelaufenen Spielzeit.

Autor: Elmar Redemann & Marian Laske

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