„Wir hatten nichts geplant. Ich wollte mich nicht zum Affen machen.

Kreisliga A

VfR Ebel schießt sich in die Bezirksliga

Birgitt Schuknecht
05. Juni 2016, 19:47 Uhr
Foto: Thomas Goedde

Foto: Thomas Goedde

„Wir hatten nichts geplant. Ich wollte mich nicht zum Affen machen.

Man hat das ja schon öfter erlebt, lautstarke Anfahrt mit Planwagen und am Ende gehen alle zu Fuß nach Hause“, verriet der erste Vorsitzende des frisch gebackenen Aufsteigers Thomas Fels.

Spontan funktionierte es aber auch und zu Fuß waren die Fußballer des VfR Ebel auch nicht unterwegs: Im Autokorso ging es durch die Innenstadt, ein ungeplanter Programmpunkt des Stadtfestes, aber mit durchaus passender Botschaft: „Bottrop hat einen neuen Bezirksligisten!“

Der Weg nach oben war allerdings kein leichter. Zwar ging Ebel mit zwei Punkten Vorsprung auf den Verfolger SC 1912 Buschhausen in die letzte Begegnung der Meisterschaftsrunde. Aber das Team von Sadettin Senyüz brauchte einen Sieg, um den Aufstieg klarzumachen. Im Falle eines Unentschiedens für den VfR bei einem gleichzeitigen Buschhausener Sieg hätte das Torverhältnis keine Rolle gespielt, und es wäre zu einem Relegationsspiel gekommen.

Der SV Rhenania Bottrop hatte zudem nicht die Absicht, beim Heimspiel Im Blankenfeld für Ebel nur applaudierend Spalier zu stehen. Im Gegenteil: Die Spieler von Markus Nickel stellten - wie vom Trainer angeordnet - die Gäste vor einige Aufgaben. Und in der Anfangsphase fehlte es an Tempo und am Zusammenspiel beim VfR, um die Abwehr der Rhenanen in Gefahr zu bringen. Nach 13 Minuten hatte der SVR sogar die erste Tormöglichkeit: Nach einer Ecke von André Rudawski war Marvin Schulz zwar zur Stelle, doch sein Kopfball wurde im letzten Moment nochmals zur Ecke geklärt.

Die Szene wirkte wie ein zusätzlicher Ansporn für Ebel. Nach blitzsauberem Zuspiel von Samet Kanoglu zog Oktay Semiz aus kurzer Distanz ab und Dominik Wrobel bekam in letzter Sekunde die Fäuste hoch (16.). Die anschließende Ecke fand ihren Weg in die zweite Reihe, Kanoglu hämmerte den Ball aufs Tor und Wrobel lenkte den Ball über die Latte. Nur zwei Minuten später leitete Kanoglu die nächste Chance für Ebel ein, diesmal scheiterte Sercan Istek mit seinem Schuss.

Nach einer knappen halben Stunde fischte Ridvan Istek einen Kopfball von David Molitor aus dem linken oberen Eck. Eine Minute später jubelten die Gäste aus Ebel, doch der Schuss von Kanoglu war hinter dem Tor gelandet. Der dritte Konter in Serie wurde lehrbuchhaft zu Ende gespielt: Rudawski legte passgenau für Julian Mali auf.

Der Druck, der auf den Ebelern lastete, war in dieser Phase nahezu greifbar - und entlud sich nach einem Foulspiel an Semiz. Manuel Ephan wurde verwarnt, unter lautstarken und gestenreichen Protesten aus den Reihen des VfR, die einen Platzverweis forderten (39.). Den sprach der Schiedsrichter nach einem neuerlichen Foulspiel von Ephan mit Gelb-Rot aus (59.).

Bei Ebels Ausgleich passte Semiz auf Sercan Istek, der den Ball aus kürzester Distanz über die Linie (63.) schob. Semiz lieferte auch die Vorlage zum 2:1, diesmal stand Emre Kilic goldrichtig (83.). In der Nachspielzeit machte Ebel alles klar: Kanoglu schob den Ball überlegt an Wrobel vorbei ins Tor. Wenig später steigerte sich der Jubel Ebels noch um einige Dezibel: Abpfiff. Aufstieg.

Der erste Gratulant war der Gegner. Nickel: „Wer am Ende oben steht, hat es verdient. Ich bin stolz auf meine Spieler, die Ebel noch einmal alles abverlangt haben. Jeder, der heute das Spiel gesehen hat, weiß, dass wir nichts abgeschenkt haben.“ Senyüz genoss den Augenblick. „Wir haben es spannend gemacht, in der Saison und heute. Jetzt sind wir unendlich glücklich, dass wir für Ebel Geschichte geschrieben haben mit dem ersten Bezirksliga-Aufstieg in 70 Jahren.“

Autor: Birgitt Schuknecht

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