Weil die Krankentage eines Rot-Weiß-Erfurt-Fans sich auffällig oft mit RWE-Spielen überschnitten, beauftragte ein Arnstädter Unternehmer eine Detektei mit der Überprüfung seines Mitarbeiters – mit unangenehmen Folgen für den Erfurter Ultra.

Erfurt

Detektive überführen blau machenden Ultra

fanzeit
01. Juni 2016, 14:35 Uhr
Foto: firo

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Weil die Krankentage eines Rot-Weiß-Erfurt-Fans sich auffällig oft mit RWE-Spielen überschnitten, beauftragte ein Arnstädter Unternehmer eine Detektei mit der Überprüfung seines Mitarbeiters – mit unangenehmen Folgen für den Erfurter Ultra.

Der moderne Fußball mit seinen vielen verschiedenen Anstoßzeiten macht es Fußballfans, insbesondere Ultras und Allesfahrern, die kein Spiel verpassen wollen, wirklich nicht leicht. Da müssen dann schon zahlreiche Urlaubstage herhalten, um den Verein auch wochentags in der tiefsten Provinz unterstützen zu können. Und wenn die Urlaubstage schließlich aufgebraucht sind oder mal wieder kurzfristig eine Spielverlegung ansteht, muss halt der Besuch bei Dr. Holiday herhalten, um der Mannschaft nicht die eigene Unterstützung zu versagen. Blöd nur, wenn der Arbeitgeber Verdacht schöpft und seinen Mitarbeiter während des Krankfeierns von einer Detektei überwachen lässt.

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So geschehen beim oben angesprochenen Erfurter Ultra, der sich einige Tage vor dem Landespokalfinale des FC Rot-Weiß Erfurt beim FC Carl Zeiss Jena bei seinem Arbeitgeber krank meldete. Was er jedoch nicht wusste: Während der gesamten Zeit wurde er bei seinen (teils sehr privaten) Aktivitäten von Detektiven observiert. Und da exzessiver Alkoholkonsum sowie das Stehen in der Kurve nicht gerade als genesungsfördernd einzuschätzen sind, zitierte der Unternehmer seinen Mitarbeiter am folgenden Arbeitstag in sein Büro und überreichte ihm die fristlose Kündigung.

Update: Die Erfordia Ultras haben sich bei uns gemeldet und betonen, dass der betroffene Fan bei der Gruppierung nicht bekannt sei.

Nachfolgend der durchaus unterhaltsame Bericht der Kurtz Detektei Erfurt und Thüringen im Wortlaut:

Ein Ultra, der ein Spiel verpasst, weil er arbeiten muss?

Einen Ultra hält nichts vom Support seiner Mannschaft ab – auch keine Arbeitsunfähigkeit. Der Begriff des „Krankfeierns“ passt in diesem Zusammenhang besonders gut, denn typischerweise besteht die Unterstützung eines Vereins durch Ultras nicht nur aus positiven Elementen wie Gesängen, Bannern, Choreografien oder auch Protestdemonstrationen. Die meisten Anhänger dieser Fanszene verstehen ein Fußballspiel als Event und Feiertag, zu dem Alkohol und gerade im Ostsport auch Ausschreitungen wie Pyrotechnik und Gewalt gehören. Um derlei Ereignisse geht es im nachfolgenden Fallbeispiel, in dem die Kurtz Detektei Erfurt und Thüringen auf Geheiß eines Arnstädter Unternehmers ermittelte, der einen seiner Mitarbeiter verdächtigte, seine laufende Arbeitsunfähigkeit vorzutäuschen, da dieser als bekennender Erfurt-Ultra auf keinen Fall das am 28.05.2016 anstehende Endspiel des Thüringenpokals zwischen Rot-Weiß Erfurt und Carl-Zeiss-Jena verpassen wollte.

Regelmäßige kurzfristige Krankschreibungen und ein Spiel, das alles beinhaltet: Derby, Finale, DFB-Pokal

Die Zielperson unserer Erfurter Detektive war in der Vergangenheit schon mehrfach durch kurzfristige Krankmeldungen rund um Spiele von Rot-Weiß-Erfurt aufgefallen, vor allem wenn diese umterminiert oder kurzfristig angesetzt worden waren. Unser Auftraggeber aus Arnstadt hatte eine recht konkrete Vorstellung davon, dass er hier zum Besten gehalten wurde. Er war vollkommen überzeugt, dass sich sein mutmaßlich illoyaler Arbeitnehmer auf keinen Fall das Pokalendspiel entgehen lassen würde, handelte es sich schließlich nicht nur um die Chance auf einen Titelgewinn, sondern zusätzlich um ein Derby gegen den Erzrivalen und um die Qualifikationshürde für die erste Runde des DFB-Pokals, in dem große Lose und somit auch hohe Einnahmen bei möglichen Gegnern wie Borussia Dortmund oder dem FC Bayern winkten. Der Arbeitgeber witterte also eine perfekte Chance für die Überführung des Mitarbeiters, dessen Verhalten ihm schon lange ein Dorn im Auge gewesen war.


Ein netter Tag am See – per se kein genesungswidriges Verhalten und somit kein Beweis für Krankschreibungsbetrug

Neben innovativer Wirtschaft bietet Thüringen seinen Einwohnern auch ein attraktives Umfeld: Die Natur- und Nationalparks des Freistaats locken als Naherholungsgebiete, das Schiefergebirge und der Rennsteig, ein Wanderweg, der über alle Gipfel des Thüringer Waldes führt, laden zum Wandern ein; die Flüsse Saale, Werra, Ilm, Unstrut und weitere Gewässer sind zum Angeln freigegeben. In direkter Nähe zu Erfurt gibt es nicht nur die prominent an der A4 liegenden Drei Gleichen, sondern auch das Seengebiet „Erfurter Seen“ und den Stausee Hohenfelden, an dem früher das Musikfestival „Highfield“ abgehalten wurde (inzwischen bei Leipzig). An diesen Badesee begab sich die Zielperson unserer Thüringer Wirtschaftsdetektive am Vormittag des ersten Observationstages und fuhr mit ihrem Pkw in ein Waldstück am Ufer. Dem krankgeschriebenen Arbeitnehmer direkt dorthin zu folgen, wäre für unser Detektiv-Team zu gefährlich gewesen, denn auf einem kaum befahrenen Waldweg fällt natürlich jedes Fahrzeug im Rückspiegel sofort auf. Aus diesem Grund hielten die Ermittler die Zu- und Abfahrtsstraße unter Kontrolle, prüften online, ob es weitere Abfahrtsmöglichkeiten gab (dem war nicht so), und verständigten sich anschließend darauf, dass sich einer der Detektive aus Erfurt fußläufig in den Wald und auf die Suche nach der Zielperson begeben würde.

Nach einiger Zeit fand der suchende Ermittler das geparkte Fahrzeug in einer kleinen Wegbucht, wenige Meter davon entfernt lag die Zielperson splitternackt am Ufer und sonnte sich an diesem Donnerstag mit wechselnder Bewölkung. Unser Thüringer Privatdetektiv informierte seinen im Fahrzeug wartenden Kollegen, dass er nun nach einem geeigneten Beobachtungspunkt suchen würde. Die Auswahl gestaltete sich so schwierig, dass beide schon darüber diskutierten, ob man nicht am anderen Ufer Position beziehen sollte, um die Zielperson von dort mit dem Teleobjektiv kontrollieren zu können, doch wurde diese Möglichkeit nach Rücksprache mit der Einsatzzentrale verworfen, da die Weiterverfolgung gefährlich hätte werden können, wenn ein Ermittler am anderen Ufer festhängt, während die Zielperson abfährt. Als Alternative fand unser Wirtschaftsdetektiv aus Erfurt schließlich eine Baumkrone, in die er sich wie ein Jäger hineinbegab und von dort die Zielperson beobachten konnte, wenn auch in der Sicht behindert durch Äste und Laubwerk. Im Laufe des Tages unternahm der krankgeschriebene Mitarbeiter nicht viel anderes, als augenscheinlich zu schlafen, sich Filme oder Serien auf einem mitgebrachten Tablet anzusehen, in einer kaum sichtgeschützten Senke zu masturbieren und sogar mehrfach im klirrend kalten See zu schwimmen. Gegen fünf Uhr nachmittags begab sich die Zielperson zurück nach Hause und verließ die Wohnung an diesem Tag nicht mehr.

Ausgedehnter „Spieltach“: Frühschoppen schon am Vortag

Scheinbar sollte die dieses Mal vorgezogene Krankschreibung des regelmäßig Arbeitsunfähigen als kleiner Erholungstag vor den Strapazen der anstehenden Fußballveranstaltung dienen, denn am nächsten Morgen Punkt neun Uhr stand ein Herr mit Erfurter Fan-T-Shirt vor der Haustür des leidenden Kranken und beide fuhren in eine Fan-Kneipe zum „Frühschoppen“, das sie auf den Nachmittag und den Abend ausdehnten, bis die Zielperson unserer Wirtschaftsdetektei aus Erfurt gegen halb zwölf Uhr nachts sturzbetrunken von der herbeigeeilten Ehefrau nach Hause chauffiert wurde.

Am Spieltag traf sich der Ultra vormittags in der Nähe des Erfurter Hauptbahnhofs mit mehreren weiteren Fans, konsumierte Bier und grölte Gesänge und Parolen, ehe er mit ca. 600 weiteren Fans mit dem Zug nach Jena reiste, wo das Pokalfinale um 17:00 im nicht ganz ausverkauften Ernst-Abbe-Sportfeld stattfinden sollte (RWE hatte ein Ticketkontingent von lediglich 1.200 erhalten). Um nicht aufzufallen, hatten sich unsere Thüringer Detektive in eigens angeschaffte Fankleidung von Rot-Weiß Erfurt geworfen und konnten auf diese Weise den Sichtkontakt zur Zielperson auch dann noch halten, als die Fangruppe am Bahnhof Jena-Paradies von der Polizei in Empfang genommen und zum Stadion eskortiert wurde.

Für diesen Einsatz waren drei Ermittler eingeteilt: Zwei sollten nach dem Betreten des Sportgeländes durch die Zielperson den Tribünenausgang der Gästefans im Auge behalten, um die Zielperson beim Verlassen der Sportstätte wiederaufnehmen zu können, der dritte hatte von der Einsatzzentrale der Kurtz Wirtschaftsdetektei Erfurt und Thüringen ein Ticket für die Haupttribüne erhalten, um von dort aus in neutralem Wechseloutfit den krankgeschriebenen Arbeitnehmer im Gästeblock zu identifizieren und seine zweifelsohne genesungswidrigen Handlungen zu dokumentieren. Da der Privatdetektiv neunzig Minuten oder im Falle einer Verlängerung sogar noch mehr Zeit haben würde, sollte es ihm voraussichtlich gelingen, die Zielperson in der Menge ausfindig zu machen. Deutlich erschwert wurde ihm dies allerdings durch das Abzünden von Bengalos und Nebeltöpfen im Gästeblock, die ihm die Sicht verdeckten und zu einem verzögerten Anstoß führten.
Pyrotechnik Fußballstadion; Detektei Erfurt, Detektiv Erfurt, Mitarbeiterüberwachung
In den Blocks beider Fangruppen wurde kräftig verbotene Pyrotechnik gezündet – mittendrin: die krankgeschriebene Zielperson der Kurtz Wirtschaftsdetektei Erfurt und Thüringen.

Feiern und saufen in der Krankheitszeit

Im Laufe des Spiels zündelten sowohl die Erfurter als auch die Jenaer Fans fleißig weiter. Viel zu sehen gab es ohnehin nicht, denn die Partie gestaltete sich zäh und spielerisch recht arm. Durch zwei späte Tore schaffte Carl-Zeiss Jena zum dritten Mal in Folge und zum großen Frust der Rot-Weißen den Pokalsieg und damit auch den möglicherweise millionenschweren Sprung in den DFB-Pokal. Aus der Ferne dokumentierte unser Ermittler, wie die Zielperson der Kurtz Privatdetektei Erfurt und Thüringen die Fangesänge kräftig mittrug und jede Menge offenbar illegal eingeschleustes Bier konsumierte. Ab dem zweiten Gegentor wirkte der Ultra geschockt; damit stand er nicht allein da, spielt RWE doch schließlich eine Klasse über dem Erzrivalen, der sich in der Regionalliga nicht einmal mit Ruhm bekleckert, sondern den Wiederaufstieg deutlich um 24 Punkte verpasst hatte. Als sich die Erfurter Mannschaft um Kapitän Tyrala den mitgereisten Anhängern stellte, brannten vereinzelt Vereinsschals ab. Immerhin begaben sich die Fans nach Abpfiff relativ friedlich zurück zum Bahnhof und fuhren von dort nach Hause. Eine „After-Match-Party“ gab es in der Landeshauptstadt für die Zielperson unserer Erfurter Detektive nicht: Sichtlich frustriert ließ sich der erneut stark alkoholisierte Arbeitnehmer von seiner Frau am Hauptbahnhof abholen und direkt nach Hause fahren.

An dieser Stelle beendete unser Thüringer Detektiv-Team die Observation, denn die ermittelten Beweise waren erdrückend. Der Geschäftsführer der Firma aus Arnstadt erhielt den gerichtsverwertbaren Ermittlungsbericht am darauffolgenden Montag und ließ die Zielperson an deren nächsten Arbeitstag (Mittwoch) im Büro antanzen, um dem betrügerischen Arbeitnehmer „einen Einlauf zu verpassen“, wie er sich ausdrückte, und ihm die fristlose Kündigung zu überreichen.

Autor: fanzeit

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