Wieder stoppt eine Verletzung Marco Reus vor einem Turnier. Bundestrainer Löw sieht ihn nicht fit für die EM. Dieser Tag ist besonders bitter für den Dortmunder.

Marco Reus

Aus schockt Nationalteam

Daniel Berg
01. Juni 2016, 08:17 Uhr
Foto: firo

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Wieder stoppt eine Verletzung Marco Reus vor einem Turnier. Bundestrainer Löw sieht ihn nicht fit für die EM. Dieser Tag ist besonders bitter für den Dortmunder.

Gegen Mittag packte Marco Reus im feinen Mannschaftshotel „Giardino“ seine Sachen zusammen. Sachen, die er vor etwas mehr als einer Woche sorgsam in seinem Koffer verstaut hatte. Sachen, von denen er dachte, dass er sie noch brauchen würde in dieser Woche. Erst am kommenden Freitag endet das Trainingslager der deutschen Nationalmannschaft in Ascona/Schweiz, wo sich die Fußballer auf die EM in Frankreich vorbereiten. Doch Marco Reus musste abreisen. Frühzeitig. Verletzt. Erneut vor einem großen Turnier.

„Menschlich gesehen tun mir diese Entscheidungen weh“, sagte Bundestrainer Joachim Löw, als er verkündete, wen er aus seinem vorläufigen Kader streichen würde. Es klang wie eine höfliche Floskel. Dann nannte er die Namen.

Julian Brandt. War erwartbar. Karim Bellarabi. Nicht ungewöhnlich. Sebastian Rudy. Für möglich gehalten.

Marco Reus. Ein Drama des Sports. Der Traum des Dortmunders von der großen Bühne, vom Titel gar – vorerst geplatzt.

Menschlich gesehen tun mir diese Entscheidungen weh
Joachim Löw über die nichtberücksichtigten Spieler

Unmittelbar vor der WM 2010 wurde Reus erstmals in die Nationalelf berufen, wegen immer neuer Verletzungen verzögerte sich sein Debüt um 17 Monate. Bei der EM 2012 kam er nur 125 Minuten lang zum Einsatz, die WM 2014 musste er absagen, weil er sich im letzten Testspiel gegen Armenien (6:1) bei einem gegnerischen Tritt am Sprunggelenk verletzte. Sekunden nach dem deutschen Triumph im Finale schaltete er damals den Fernseher ab, er konnte es nicht ertragen, nicht dabei zu sein.

Nun stoppen ihn die Schmerzen in der Leiste. Schmerzen, die vor fünf Jahren erstmals auftraten, als sie vom Schambein ausgingen. Schmerzen, die er nie mehr zuverlässig und dauerhaft losgeworden ist. Mit höchster Vorsicht dosierte BVB-Trainer Thomas Tuchel deshalb in der abgelaufenen Saison die Belastung. Reus sollte endlich „das Monster sein, das er sein kann“ (Tuchel), und sich mit Toren die Sehnsucht nach großen Titeln erfüllen. Deshalb ging er im DFB-Pokal-Finale gegen Bayern München an die Grenze – und darüber hinaus. 120 Minuten hielt er trotz Beschwerden durch, traf im Elfmeterschießen, verlor aber doch das Endspiel. Die 120 Minuten von Berlin kosten ihn die EM.

Im Interview mit dieser Zeitung sagte er vor wenigen Tagen, dass er Anfang dieser Woche „wieder ins Mannschaftstraining einsteigen“ könne. Reus erhielt Spritzen, stundenlange Behandlungen, machte leichte Übungen. Doch die Schmerzen wurden nicht besser. Reus selbst soll am Sonntag Befürchtungen geäußert haben, dass es nicht reichen könnte. Die Mediziner stützten diese Meinung. Der Bundestrainer berichtete „von massiven gesundheitlichen Problemen. Er kann derzeit nur geradeaus laufen, ist kaum belastbar. Das ist für ihn eine bittere Entscheidung und für uns alle eine Enttäuschung, denn in guter Form und fit wäre er für uns eine Bereicherung“.

Reus spricht vor Abreise kaum

Doch fit ist er nicht. Selbst ein Einsatz im späteren Turnierverlauf – wie bei Löws weiteren Krankenfällen Bastian Schweinsteiger und Mats Hummels – schien nicht mehr sonderlich wahrscheinlich.

Marco Reus trat am Nachmittag die Reise nach Deutschland an. Wenn seine Kollegen den Titel holen, wird er wieder nur zuschauen müssen. Als „sehr, sehr gefasst“ schilderte Sami Khedira die Reaktion des Dortmunders. Andere Menschen, die Kontakt zu Reus hatten, berichten, dass er bis zu seiner Abreise kaum ein Wort hervorbrachte, ihn selbst Glückwünsche nicht aufheiterten. Glückwünsche zu seinem 27. Geburtstag.

Autor: Daniel Berg

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