Die ersten Wochen an der Hafenstraße waren für RWE-Trainer Sven Demandt alles andere als ruhig. Doch wie bewertet er seinen Einstand und wie lauten seine Ziele?

Sven Demandt im Interview

"RWE ist eine Macht"

Pascal Biedenweg
31. Mai 2016, 08:37 Uhr
Foto: Thorsten Tillmann

Foto: Thorsten Tillmann

Die ersten Wochen an der Hafenstraße waren für RWE-Trainer Sven Demandt alles andere als ruhig. Doch wie bewertet er seinen Einstand und wie lauten seine Ziele?

Sven Demandt wirkt gelöst und aufgeräumt – er hat in seiner noch kurzen Amtszeit bei Rot-Weiss Essen schon einiges erreicht. Seine Bilanz kann sich sehen lassen: Fünf Siege aus acht Liga-Spielen. Ein Punkteschnitt von 2,0 - dazu der Pokal-Erfolg über den Wuppertaler SV.

Wir sprachen mit dem 51-Jährigen über die brisanten ersten Monate an der Hafenstraße und seine Ziele für die Zukunft:

Sven Demandt, wie zufrieden waren Sie mit dem Auftritt Ihrer Mannschaft gegen den Wuppertaler SV und dem damit verbundenen Einzug in den DFB-Pokal?
Das Spiel war das Beste unter meiner Regie. Wir haben richtig gut Fußball gespielt und waren sehr dominant. Wir waren die klar überlegene Mannschaft und haben hoch verdient gewonnen. Vor so einem Spiel weiß man als Trainer natürlich nie, auf was man sich einstellen kann – unabhängig davon weiß ich, wie gut meine Jungs Fußball spielen können. Das haben sie auch phasenweise schon gezeigt, aber eben nicht über das gesamte Spiel hinweg. Ich denke man konnte sehen, dass dieser Druck, der während des Abstiegskampfes auf uns lag, weg war und meine Truppe befreit aufspielen konnte. Wenn diese Freiheit im Kopf dann noch auf das Selbstbewusstsein trifft, welches wir uns in den letzten Wochen erarbeitet haben – dann können meine Spieler auch so spielen. Der Klassenerhalt war die Pflicht – der Pokalsieg die Kür.

Wenn der gesamte Klub Rot-Weiss Essen mitsamt der Fans aus dieser Saison eine Sache mitnehmen sollte, dann, dass es nur so geht. Wenn dieser Zusammenschluss stattfindet – dann ist RWE eine Macht.
Sven Demandt (Rot-Weiss Essen)

Haben Sie irgendein Traumlos für den DFB-Pokal in der kommenden Spielzeit?
Nein, das ist mir nicht so wichtig. Wichtig ist für mich, dass wir ein Heimspiel haben. Wir nehmen es wie es kommt, es lässt sich ja eh nicht ändern.

Sie sind jetzt knapp zwei Monate an der Hafenstraße, haben Rot-Weiss vor dem Abstieg bewahrt und den Niederrhein-Pokal gewonnen. Sie haben aber bereits in wenigen Wochen die Höhen und Tiefen erleben können. Wie fällt Ihr persönliches Zwischenfazit aus?
Das Tief war das Spiel gegen Oberhausen. Trotz dessen haben wir eine Situation gemeistert, die nicht einfach war. Als ich kam, stand RWE auf einem Abstiegsplatz und hatte im Jahr 2016 erst ein Spiel gewonnen. Wir haben dann viele Siege einfahren und den Pokal holen können. Von daher fällt das Fazit sehr positiv aus.

Es war ein bewegtes Jahr für Rot-Weiss Essen, aber auch für Sie. Erst der knapp verpasste Aufstieg mit der Gladbacher Reserve, dann die Entlassung bei Wehen Wiesbaden und die nervenaufreibenden letzten Wochen an der Hafenstraße. Wie froh sind Sie, dass jetzt erst einmal Sommerpause ist?
Naja, ich hatte ja zwischenzeitlich auch mal vier Wochen frei. Ich bin Trainer mit Leib und Seele. Ich liebe diesen Beruf, gerade bei einem Verein wie RWE. Es gibt nur noch einen besseren und das ist der des Spielers – den kann ich aber leider nicht mehr ausüben (lacht). Aber klar bin ich froh, dass jetzt Pause ist, wobei für einen Trainer diese nie so ganz herrscht. Ich werde mir ja Gedanken darüber machen, wie es weiter gehen muss und soll. Nichtsdestotrotz freue ich mich auch auf den Urlaub, in dem ich ein wenig herunterfahren kann.

Sie sprechen Ihre Gedanken an. Wie weit sind die Planungen denn bereits fortgeschritten?
Es ist nicht so, dass wir erst heute anfangen die Dinge für die kommende Saison zu planen. Wir sind in vielen Abläufen schon sehr weit, aber klar gibt es noch Dinge, über die wir uns unterhalten und die wir planen müssen.

Der Kapitän [person=5769]Moritz Fritz[/person] geht von Bord, auch [person=3705]Leon Binder[/person] verlässt den Verein. Um [person=2063]Marcel Platzek[/person] kursieren immer wieder Gerüchte über einen möglichen Abgang. Rechnen Sie mit einem Umbruch?
Was das Thema Marcel Platzek angeht, kann ich da mal direkt einen Riegel vorschieben. Er hat Vertrag bei uns und unser Verhältnis ist ausgezeichnet. Wir werden keinen Umbruch vollziehen. Warum auch? Die letzten Wochen haben doch gezeigt, dass das nicht nötig ist. Es gehört zum Geschäft, dass immer mal wieder Spieler den Verein verlassen und dafür neue Spieler kommen. Aber die letzten Wochen haben gezeigt, dass ein kompletter Neuaufbau nicht nötig ist. Es muss das Ziel sein, dass sich die Fans mit den Spielern identifizieren können und die Spieler mit dem Verein Rot-Weiss Essen.

Sie haben den Abstiegskampf hautnah miterlebt und wollen diesen sicherlich nicht noch einmal durchleben. Wie lautet daher Ihre Zielsetzung für die kommende Spielzeit?
Ehrlich gesagt gibt es eine solche überhaupt nicht. Ich denke aber, dass uns die Unterstützung des Umfelds tragen kann. Das hat im Spiel gegen Rot Weiss Ahlen begonnen und sich bis heute fortgesetzt. Das war bis dato in allen Bereichen sensationell. Wenn der gesamte Klub Rot-Weiss Essen mitsamt der Fans aus dieser Saison eine Sache mitnehmen sollte, dann, dass es nur so geht. Dies muss der Weg sein, um im nächsten Jahr erfolgreich Fußball zu spielen. Wenn dieser Zusammenschluss stattfindet – dann ist RWE eine Macht. Daher beschäftigen wir uns gar nicht mit irgendeiner tabellarischen Zielsetzung. Unser Ziel muss es sein, dass dieser Zusammenschluss, dieses Miteinander weiterhin bestehen bleibt. Dann kann man auch mal ein Spiel verlieren, kein Problem – aber es muss erkennbar sein, dass die Jungs bereit sind alles für RWE zu geben. Wenn das so kommt und alle gemeinsam an einem Strang ziehen – dann ist sehr vieles möglich.

Autor: Pascal Biedenweg

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