Die Nacht nach dem Abstieg war für MSV-Boss Ingo Wald kurz.

MSV

Schnelle Rückkehr in die 2. Bundesliga ist das Ziel

Dirk Retzlaff, Thomas Tartemann und Sven Kowalski
26. Mai 2016, 08:58 Uhr
Foto: firo

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Die Nacht nach dem Abstieg war für MSV-Boss Ingo Wald kurz.

Der Präsident des MSV Duisburg musste gestern um viertel vor fünf raus, eine Dienstreise ins Ausland stand an. „Ich bin jetzt einfach nur leer“, gestand Wald am späten Dienstagabend. Im März, als der MSV in der 2. Fußball-Bundesliga schon hoffnungslos abgestiegen schien, da hatten sich die Verantwortlichen – trotz aller Durchhalteparolen – schon mit dem Gedanken des Abstiegs vertraut gemacht. Doch in dem Moment, als der Absturz perfekt war, war es dann doch ein tiefer Schnitt in die Seele.

MSV-Ikone Bernard Dietz erlebte den Abstieg in seinem Urlaubsdomizil Usedom an Fernseher. Dietz, der vor drei Jahren beim Lizenzentzug bittere Tränen vergoss, ging nun auch der sportliche Abstieg an die Nieren. „Es tut verdammt weh. Den Klassenerhalt haben wir uns selbst versaut“, sagte der Europameister von 1980.

MSV-Trainer Ilia Gruev blieb am Ende nichts anderes übrig, als den Würzburger Kickers zum verdienten Aufstieg zu gratulieren. Und der 46-Jährige räumte ein, dass die letzten Wochen der atemberaubenden Aufholjagd dann doch zuviel Kraft gekostet hatten. Gruev selbst wird in der Analyse der beiden Relegationsspiele vermutlich erkennen, dass er nicht bei allen Entscheidungen ein glückliches Händchen hatte. Die Einwechslung von Kevin Scheidhauer im Hinspiel brachte nicht den erhofften Effekt, auch wenn der Bulgare seine Entscheidung verteidigte: „Kevin war von seiner Statur her der beste Ersatz für Kingsley Onuegbu.“ Auch im Rückspiel gab es eine Personalie, die diskussionswürdig ist. Vizekapitän Steffen Bohl fiel der taktischen Rotation zum Opfer, der Führungsspieler saß nur auf der Bank.

Tomané nur zweite Wahl

Ilia Gruev richtete in der Stunde des Misserfolgs den Blick nach vorne: „Wir werden alles geben, um schnell wieder zurückzukommen, denn der MSV gehört nicht in die 3. Liga.“ Diesen Weg soll Gruev mit den Zebras beschreiten, sein Vertrag läuft noch bis Juni 2017. Auch Sportdirektor Ivica Grlic – Vertrag bis 2020 – steht bei den Verantwortlichen derzeit nicht zur Diskussion, auch wenn der 40-Jährige in der öffentlichen Diskussion umstritten ist.

Vor allem der Tomané-Transfer im Winter, der nicht die erhoffte Wirkung brachte, erhitzt die Gemüter. Nach Informationen der Redaktion war der Portugiese nur Plan B. Der MSV hatte bereits den Kroaten Leon Benko (32), der früher für den 1. FC Nürnberg in der Bundesliga stürmte, an der Angel. Am Ende platzte der Transfer jedoch, weil der abgebende Verein, der FK Sarajevo, plötzlich eine Ablöse in Höhe von 400 000 Euro aufrief.

Derartige Transfers werden auch künftig nicht möglich sein, der MSV muss in der 3. Liga kleine Brötchen backen. Die Verantwortlichen sind zuversichtlich, dass die Zebras in der kommenden Woche die Drittliga-Lizenz erhalten. In der nächsten Spielzeit reduziert sich die MSV-Stadionmiete von derzeit 900 000 Euro auf 300 000 Euro. Zudem profitiert der MSV von den zuletzt gut besuchten Heimspielen – allein durch die Relegation flossen zusätzlich 300 000 Euro in die Kasse der Zebras.

MSV-Spieleretat noch ungewiss

Der zweite sportliche Abstieg in die Drittklassigkeit nach 1986 wird nicht zwangsläufig mit scharfen Einschnitten verbunden sein. „Wir haben nach dem Zwangsabstieg schon Einsparungen bis zur Schmerzgrenze vorgenommen. Du kannst eine 30 000-Zuschauer-Arena nicht nur mit guter Laune führen. Da brauchst du Profis in allen Bereichen“, unterstreicht Aufsichtsratschef Jürgen Marbach. Der 57-Jährige setzt auf eine schnelle Rückkehr in die 2. Bundesliga: „Es kann nicht unser Ziel sein, die nächsten drei Jahre in der 3. Liga zu spielen. Wir müssen uns jetzt finanziell besser aufstellen.“ Wieviel Geld für den Spieleretat zur Verfügung stehen wird, konnte Marbach noch nicht benennen.

Autor: Dirk Retzlaff, Thomas Tartemann und Sven Kowalski

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