Der MSV Duisburg muss den Gang in die 3. Liga antreten. Doch wirklich überraschend kommt der Abstieg nicht. Ein Kommentar

Kommentar

Duisburg kann sich keine Fehler mehr erlauben

25. Mai 2016, 20:06 Uhr
Foto: firo

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Der MSV Duisburg muss den Gang in die 3. Liga antreten. Doch wirklich überraschend kommt der Abstieg nicht. Ein Kommentar

Der Abstieg für den MSV Duisburg ist bitter. Sehr bitter. Doch wie die Emotionen nach dem Relegations-Rückspiel gezeigt haben, kommt die 3. Liga für die Zebras auch nicht unerwartet. Im Grunde hatten alle im und rund um den Verein 36 Spiele Zeit, sich auf den Absturz vorzubereiten. Wundern muss sich in Duisburg wirklich niemand. Doch ehe es an die Kritik geht, der sich die Duisburger nach dem sofortigen Abstieg aus Liga zwei definitiv stellen müssen, muss Lob gestattet sein.

Dass es der MSV überhaupt erst in die Relegation geschafft hat, gleicht einem Wunder. Noch nie zuvor ist es einer Mannschaft gelungen, die am 25. Spieltag neun (!) Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz hatte, sich überhaupt vorläufig zu retten. Ilia Gruev und die Mannschaft haben in der Saisonschlussphase richtig gute Arbeit geleistet. Diese Aufholjagd hat Kraft gekostet. Kraft, die möglicherweise in den alles entscheidenden letzten beiden Spielen der Saison, in den Duellen gegen die Würzburger Kickers, gefehlt hat.

Aber nicht alleine die mangelnde Kraft war am Ende ausschlaggebend für den Abstieg. In beiden Relegationsspielen haben die Zebras nicht den nötigen Willen gezeigt, den es braucht, um die Klasse zu halten. Sie kamen mit dem Aufschwung und Rückenwind von fünf Siegen in den letzten neun Partien. Aufgetreten sind sie aber - bis auf wenige Momente - wie eine Mannschaft, die nicht an sich glaubt, gebeutelt von Negativ-Erlebnissen. Vor allem waren die Zebras viel zu unkonzentriert, mit viel zu vielen Fehlern ausgestattet, sonst hätten sie die 1:0-Führung nicht nach vier Minuten schon wieder hergeschenkt.

Die Relegationsspiele haben eines gezeigt: Wer in der zweiten Liga spielen will, der muss Tore schießen. Und wie schon in der kompletten Saison ist dies den Duisburgern nicht gelungen. Auch wenn die Mannschaft zuletzt immer wieder versucht hat, mit guten Ergebnissen seinen Kritikern zu widersprechen. Die nötige Qualität ist nicht vorhanden. Vielleicht für einen kurzen Zeitraum, wie das Saisonfinale gezeigt hat, doch nicht für die Höhepunkte, in denen es drauf ankommt und in denen man sich beweisen muss. Die Mannschaft passt vorne und hinten nicht zusammen. Ein Victor Obinna mag vielleicht die nötige Klasse haben. Doch wenn er nicht die richtigen Anspiele bekommt und die Teamkollegen seine Zuspiele nicht verarbeiten können, dann ist er fehl am Platz.

Sicher, das Geld ist knapp und es ist schwer, die passenden Spieler unter diesen Umständen zu verpflichten. Doch Sportdirektor Ivo Grlic muss sich und seine Arbeit definitiv hinterfragen. Erstens, ob er im letzten Jahr wirklich die richtigen Spieler verpflichtet hat. Zweitens, ob er sich in der Lage fühlt, mit den noch geringeren Mitteln, die Duisburg in der nächsten Saison hat, eine konkurrenzfähige Mannschaft, die um den Aufstieg mitspielen kann, zusammenzustellen. Eines ist definitiv klar: Der MSV muss den Abstieg nutzen, um sich neu zu sortieren. Eine schonungslose Analyse muss her. Fehler kann sich Duisburg in der 3. Liga nämlich keine erlauben. Sonst wird die schnelle Rückkehr in Liga zwei reine Utopie bleiben.

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