Die Hamburger Morgenpost titelte in diesen Tagen mit einem Wortspiel.

MSV

Duisburg steht schon wieder mit dem Rücken zur Wand

Dirk Retzlaff
23. Mai 2016, 07:24 Uhr
Foto: firo

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Die Hamburger Morgenpost titelte in diesen Tagen mit einem Wortspiel.

„Das Wunder von Bernd“, hieß es in diesem Blatt – die Redakteure würdigten mit ihrer Zeile Ex-HSV-Spieler Bernd Hollerbach, der sich anschickt, als Trainer mit den Würzburger Kickers in die 2. Fußball-Bundesliga aufzusteigen. Die Vokabel „Wunder“ nutzten die Verantwortlichen des Noch-Zweitligisten MSV Duisburg in den letzten Wochen fast schon inflationär. Ob es nun ein Wunder sein muss, damit der MSV in der 2. Liga bleibt, sei einmal dahingestellt: Die Meidericher müssen im Rückspiel (Dienstag, 19.10 Uhr, Schauinslandreisen-Arena) einen 0:2-Rückstand aufholen. Gemessen an der Leistung vom Freitag, als die Zebras in Franken ihr blaues Wunder erlebten, wird das sehr schwer.

Von der Hamburger Morgenpost zur Main-Post, die in Würzburg erscheint. Der Kollege Thomas Brandstetter – natürlich nicht verwandt mit dem fast in Vergessenheit geratenen MSV-Stürmer Simon Brandstetter – schrieb am Samstag: „Zebras sind – wie alle Pferderassen – Pflanzenfresser, die vorwiegend Gräser zu sich nehmen. Man hätte also erwarten dürfen. dass sie in ihrer Situation mehr Gras fressen.“

Das hatte offenbar auch MSV-Präsident Ingo Wald so erwartet. „Bei allen Beteiligten ist Entsetzen und Lähmung festzustellen“, gab der Vereinsboss zu Protokoll. „Es wird jetzt unendlich schwer“, so Wald weiter. Schwer wird es vor allem deshalb, weil sich die Meidericher eine denkbar schlechte Ausgangssituation erspielt haben. Nicht einmal das ersehnte Auswärtstor gelang den Zebras. Somit wird das zweite Spiel am Dienstag eine brandgefährliche Kiste. Der MSV muss einen Zwei-Tore-Rückstand aufholen. Sobald die Würzburger, in der abgelaufenen Saison das stärkste Auswärtsteam der 3. Liga, treffen, muss der MSV aufgrund der Europapokal-Arithmetik mindestens vier Tore erzielen, um sich zu retten.

Spieler setzen auf die Fans

Mit den eigenen Fans im Rücken glaubt Kevin Wolze, dass das alles möglich ist: „In den letzten Heimspielen waren wir stark.“ Und auch Kingsley Onuegbu glaubt, dass die Anhänger das Team nach vorne peitschen werden. „Die Würzburger Fans haben ihr Team stark unterstützt. Aber die Kickers müssen sich darauf gefasst machen, dass das bei uns alles eine Nummer größer sein wird“, kündigt der King an.

Doch der Stürmer sieht nicht nur die Fans in der Pflicht, sondern auch seine Kollegen. Der Nigerianer attackierte nach dem Match einige seiner Mitspieler, indem er ihnen mangelnde Einstellung vorwarf. „Mit dieser Einstellung geht es nicht. Du musst in so einem Spiel gallig sein. Ich verstehe das einfach nicht“, so Onuegbu.

Gruev: „Wir kennen die Situation“

Wen der King damit angesprochen hat – das ist natürlich Interpretationssache. Auffallend war, dass einige Spieler, die in den letzten Wochen zu den Stützen des Teams zählten, in Würzburg von der Rolle waren. Die Abwehr war instabil, aus dem Mittelfeld kamen kaum Impulse, im Angriff waren die Meidericher zu harmlos. Coach Ilia Gruev wird nun bis zum Dienstag darüber nachsinnen, ob es damit getan sein wird, wenn er den gelbgesperrten Branimir Bajic in der Innenverteidigung ersetzen wird und wahrscheinlich den angeschlagenen Victor Obinna als letzte Patrone aufbieten wird. Gruev glaubt weiter an die Chance: „Wir kennen diese Situation. Wir standen in der Rückrunde mehrfach mit dem Rücken zur Wand und konnten die Situation lösen.“

Autor: Dirk Retzlaff

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