Die erbaulichsten Momente aus Dortmunder Sicht gab es schon vor dem Spiel.

Remis gegen Köln

BVB-Abwehr patzt bei Pokal-Generalprobe

sebastian Weßling
14. Mai 2016, 17:22 Uhr
Foto: firo

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Die erbaulichsten Momente aus Dortmunder Sicht gab es schon vor dem Spiel.

Da ehrte die Borussia ihre Helden der Vergangenheit, aus sämtlichen Titelträger-Mannschaften ab 1956 waren Vertreter anwesend - darunter Otto Rehhagel, Aki Schmidt und Siggi Held. Die Gegenwart machte an diesem Samstagnachmittag im Dortmunder Stadion weniger Freude: Der BVB, der schon lange als Tabellenzweiter feststeht, spielte nach 1:0-Führung und 1:2-Rückstand nur 2:2 gegen den 1. FC Köln - trotz großer Feldüberlegenheit ein durchaus gerechtes Unentschieden.

BVB-Trainer Thomas Tuchel nahm gegenüber der 0:1-Niederlage in Frankfurt drei Änderungen an der Startaufstellung vor: Julian Weigl rückte nach Gelbsperre wieder in die Mannschaft, auch Gonzalo Castro und Sokratis durften von Beginn an ran. Dafür fehlte Henrikh Mkhitaryan nach seiner fünften Gelben Karte, Erik Durm und Nuri Sahin saßen auf der Bank.

Der BVB lief mit einer Dreierkette auf - und brauchte nicht allzu lange, um sich im neuen System zu sortieren. Dann bediente Marcel Schmelzer Gnzalo Castro 25 Meter vor dem Tor, der wurde nicht angegriffen und zog einfach ab - Gästetorwart Thomas Kessler flog ebenso spät wie vergeblich und es stand 1:0 (11.). Dortmund dominierte die Partie total, sammelte um die 75 Prozent Ballbesitz an, offenbarte in der neuformierten Abwehrkette aber immer wieder eklatante Schwächen - einzig der dieses Mal kaum ausgepfiffene Mats Hummels zeigte sich in seinem letzten Heimspiel für den BVB ohne Probleme. Einen Kölner Freistoß etwa hatten die Dortmunder eigentlich schon geklärt, doch der Ball flog in hohem Bogen zurück in den BVB-Strafraum. Weil Sven Bender zu langsam herausrückte, stand Leonardo Bittencourt nicht im Abseits, dafür vollkommen frei vor dem Tor - verzog aber deutlich (16.).

Ein wenig später patzte Bender erneut, wehrte einen langen Ball auf unorthodoxe Art und Weise genau in die Füße von Milos Jojic ab, der schickte Marcel Risse auf der rechten Seite. In der Mitte standen plötzlich zwei Kölner frei, Modeste schob letztlich ein (27.). Dortmund drückte weiter, Reus mit einem Volley (34.), Castro per Fernschuss (37.) und Aubameyang aus kurzer Distanz (42.) konnten den Ball aber nicht im Tor unterbringen.

Das rächte sich noch vor der Pause - und wieder sah die Dortmunder Hintermannschaft alles andere als gut aus: Jojic spielte einen langen Ball auf Bittencourt, BVB-Innenverteidiger spielte als einziger auf Abseits und der ansonsten bärenstarke Julian Weigl lief nicht entschlossen mit. So konnte Jojic alleine aufs Tor zu gehen und den zögerlichen Bürki mit feinem Lupfer von der Strafraumkante überwinden (43.).

Zur Halbzeit brachte Trainer Tuchel Matthias Ginter für Sven Bender und stellte auf eine Viererkette in der Abwehr um. Diese stand deutlich sicherer, offenbarte aber ebenfalls einige Anfälligkeiten, wenn die Kölner nach Ballgewinnen schnell konterten - wie etwa in der 66. Minute, als Risse Pawel Olkowski bediente, der aber aus spitzem Winkel an Bürki scheiterte.

Nach wie vor hatte der BVB ein deutliches Plus an Ballbesitz, doch lange blieb es bei einer Scheindominanz - meist rannte man vergeblich gegen die Sechserkette an, die die Gäste nun rund um den eigenen Strafraum formierten. Es fehlten die Überraschungsmomente, es fehlte das Tempo, um diesen Riegel zu knacken. Es halfen ein indirekter Freistoß - und erneut Gästetorwart Kessler: Marco Reus schoss aus etwa 20 Metern halbhoch in die Torwartecke, die Kessler bereitwillig räumte (75.).

Der BVB erhöhte noch einmal den Druck, schnürte die Kölner regelrecht in deren Strafraum ein - fand aber die entscheidende Lücke nicht. Die Fans waren ohnehin mit den Gedanken in Berlin - und sangen von Lederhosen, die sie dem Endspielgegner Bayern München gerne ausziehen würden.

Autor: sebastian Weßling

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