Der neue Schalke-Manager Christian Heidel hatte eigentlich geplant, nach dem Saisonende in Urlaub zu gehen.

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Was kann Trainerfavorit Weinzierl?

11. Mai 2016, 07:07 Uhr
Foto: firo

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Der neue Schalke-Manager Christian Heidel hatte eigentlich geplant, nach dem Saisonende in Urlaub zu gehen.

Diesen hat er nach Informationen unserer Zeitung abgeblasen, um unmittelbar nach dem Pfingstwochenende bei seinem neuen Klub loslegen zu können – und endlich die Trainerfrage zu klären. Topfavorit bleibt Markus Weinzierl, der zuletzt drei freie Tage genoss. Die Mannschaft des FC Augsburg feierte den – ausgerechnet auf Schalke klar gemachten – Klassenerhalt, wie es sich für Fußballer gehört: auf Mallorca.

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Weinzierl wird seinen Spielern aber schon Beine machen, wenn sie heute Vormittag auf den Trainingsplatz zurückkehren. Der 41-Jährige gilt in Sachen Disziplin als ziemlich unnachgiebig. Als FCA-Verteidiger Daniel Opare das Abschlusstraining vor dem Spiel gegen Darmstadt verpasste, griff Weinzierl konsequent durch: Opare flog umgehend aus der Mannschaft. Drei Wochen später wurde der Abwehrspieler aber wieder begnadigt. „Er ist ein junger Spieler, der einen Fehler gemacht hat. Ich finde, dass jeder eine zweite Chance verdient hat“, sagte Weinzierl.

Ruhrgebiet wäre für Weinzierl ein Kulturschock

Ist der Niederbayer nun ein harter Hund oder ein Spielerversteher? Die Wahrheit ist: Weinzierl ist kein Prinzipienreiter, sondern Pragmatiker. Wenn es brenzlig wird, überlässt Weinzierl es auch schon einmal seinem Manager Stefan Reuter, auf den Tisch zu hauen. Reuter war im Gegensatz zu Weinzierl früher selbst ein Star. Den Umgang mit Spielern vom Kaliber eines Klaas-Jan Huntelaar oder Benedikt Höwedes kennt er genauso wenig wie den Riesenrummel, der auf Schalke herrscht.
Als Spieler war Weinzierl keine große Karriere vergönnt. Eine Knieverletzung zwang ihn mit 29 Jahren aufzuhören. Zuvor war er als Libero nicht über 53 Zweitliga-Spiele und eine beachtliche Einsatzzahl in Amateurligen hinausgekommen. Ein Bundesliga-Spiel fehlt in seiner Vita. Mit umso größerem Ehrgeiz begann Weinzierl 2007 seine Trainerkarriere, er arbeitete sich vom Co-Trainer des SSV Jahn Regensburg bis zum Erfolgscoach des FC Augsburg hoch. Größter Triumph dort war das Erreichen der diesjährigen Europa League, in der die Schwaben erst in der Zwischenrunde am Finalisten Liverpool scheiterten.

In ähnlichen Sphären würde sich Weinzierl mit Schalke bewegen. Nicht nur alle Jubeljahre, sondern jede Saison aufs Neue. So lautet Schalkes Minimalanspruch. Als Familienmensch – seine Söhne sind 11 und 13 Jahre alt – tut sich Weinzierl schwer mit einer Entscheidung für Königsblau. Kein Wunder, denn er ist tief in seiner bayrischen Heimat verwurzelt. Selbst als er für die Stuttgarter Kickers spielte, ist er so oft es ging die 340 Kilometer ins heimische Straubing gependelt. Ein Umzug ins Revier dürfte einem Kulturschock gleichkommen. Vielleicht kann ihm Heidel, der sich bereits ein Haus in Essen gesucht hat, dabei helfen.

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