Erste Verhandlung mit Bayern München vor zehn Tagen am Flughafen Düsseldorf: Dann drückte Borussia Dortmund die Rekord-Ablöse von 35 Millionen Euro durch.

BVB

So lief der Hummels-Transfer wirklich

Sebastian Weßling
10. Mai 2016, 22:39 Uhr
Foto: firo

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Erste Verhandlung mit Bayern München vor zehn Tagen am Flughafen Düsseldorf: Dann drückte Borussia Dortmund die Rekord-Ablöse von 35 Millionen Euro durch.

Am Ende ging alles ganz schnell. Borussia Dortmund veröffentlichte in einer Pflichtmitteilung an die Börse, dass der Verteidiger und Weltmeister Mats Hummels zum FC Bayern München wechselt. Dessen Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge durfte seinen Transfer vor den Fernsehkameras als Erfolg verkaufen: „Mats ist einer der besten Innenverteidiger der Welt, mit ihm können wir die Qualität unserer Mannschaft nochmals steigern.“ Der neue Mann kostet den Rekordmeister 35 Millionen Euro. Was niemand ahnte: wie wackelig der Hummels-Wechsel bis zum Schluss war.

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Vor gut zehn Tagen hatten sich Rummenigge und sein Finanzchef Jan-Christian Dreesen am Düsseldorfer Flughafen zur ersten Verhandlungsrunde mit BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Sportchef Michael Zorc getroffen. Die Zahl, die sie zu hören bekamen, schockierte die Bayern-Bosse: 35 Millionen Euro für einen Spieler, dessen Vertrag in einem Jahr ausläuft und der dann ablösefrei wäre – das hat es innerhalb von Europa noch nicht gegeben. Schon gar nicht für einen Verteidiger. Der letzte Spieler, der bei einem Jahr Restlaufzeit so teuer war, hieß Neymar. Er wechselte 2013 für eine Summe zwischen 60 und 90 Millionen Euro vorzeitig vom FC Santos zum FC Barcelona. Aber Hummels? Die Bayern flogen irritiert zurück nach München.

Was zu diesem Zeitpunkt ja keiner ahnte: Die Bayern machten Manchester United das Riesentalent Renato Sanches streitig, auf das sie bei den Duellen mit Benfica Lissabon in der Champions League aufmerksam geworden waren. Auch dieser Transfer sollte alle Dimensionen sprengen: 35 Millionen Euro kostet der Teenager; mit allen Zusatzklauseln kann die Ablöse über die Jahre auf 80 Millionen Euro steigen. Es blieb genügend Geld für den Dortmunder übrig.

Aber die Hummels-Personalie wurde zur Hängepartie. Ihm selbst kamen nämlich Zweifel, ob der FC Bayern das Richtige ist. Der ehemalige Manager Uli Hoeneß hatte den Abwehrspieler mit der Äußerung verärgert, dieser habe bei Bayern „angeklopft“. Der Ärger war größer als bisher bekannt. Der BVB bearbeitete seinen Star fast täglich, um ihn zu halten. Anfang dieser Woche gab schließlich die Familie den Ausschlag. Die Eltern wohnen in München, Ehefrau Cathy ist Münchnerin – da war das kolportierte Jahresgehalt von zehn bis zwölf Millionen Euro bis 2020 nachrangig. Hummels sagte Ja zu Bayern. Und das war der Moment, als Bayern im Watzke-Büro anrief und die Bedingungen akzeptierte: 35 Millionen – Watzke und Zorc hatten sich durchgesetzt. Bayern traute sich erst gar nicht, ein Gegenangebot vorzulegen, die Rekordsumme für Hummels war perfekt. Ein Erfolg für Borussia Dortmund.

„Wir respektieren Mats‘ Entscheidung und wünschen uns für ihn und den BVB, dass er während seiner letzten Wochen in Schwarzgelb jene Anerkennung erfährt, die er verdient, und Dortmund mit dem DFB-Pokal in den Händen verlässt“, ließ sich Watzke in einer Stellungnahme zitieren.

Autor: Sebastian Weßling

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