Eine ausgerenkte Kniescheibe kostet BVB-Profi Ilkay Gündogan die EM. Sportmediziner Joachim Schubert erklärt, warum die Verletzung so kompliziert ist.

Ausgerenkte Kniescheibe

Arzt erklärt Gündogan-Verletzung

Dirk Hein
06. Mai 2016, 19:40 Uhr
Foto: firo

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Eine ausgerenkte Kniescheibe kostet BVB-Profi Ilkay Gündogan die EM. Sportmediziner Joachim Schubert erklärt, warum die Verletzung so kompliziert ist.

Für die Fans von Ilkay Gündogan war es am Freitag ein Schock: Der 25-jährige Mittelfeldspieler fällt bei Borussia Dortmund für den Rest der Saison aus. Auch Bundestrainer Joachim Löw muss bei der Fußball-Europameisterschaft in Frankreich auf Gündogan verzichten. Der Grund: eine ausgerenkte Kniescheibe. Eine schmerzhafte Verletzung, die sich Gündogan beim BVB im Training zugezogen hatte . Wie lange der BVB-Spieler nun genau ausfällt, ist momentan noch völlig offen.

Kniescheibe verrutscht durch unglückliche Bewegung
Dass mit einer ausgerenkten Kniescheibe grundsätzlich nicht zu spaßen ist, weiß der Sportmediziner Dr. Joachim Schubert. Der Bochumer, bis 2010 zuständiger Arzt der Fußball-Nationalmannschaft von Algerien, spricht von einer komplizierten und schwerwiegenden Verletzung. "Je nachdem, wie stark das Knie in Mitleidenschaft gezogen wurde, benötigt diese Verletzung eine lange Heilungszeit und mitunter eine Operation."

Doch was genau passiert überhaupt, wenn eine Kniescheibe ausgerenkt wird? "In solch einer Situation rutscht die Patella, also die Kniescheibe, sehr plötzlich weit zur Seite. So etwas kann in seltenen Fällen auftreten, wenn dies erblich bedingt ist. Oder es geschieht durch eine unglückliche ruckartige Bewegung", erklärt Joachim Schubert. Manchmal rutsche die Kniescheibe kurz danach eigenständig an ihre ursprüngliche Position zurück, sonst müsse sie eingerenkt werden. "So etwas kann sehr unangenehm sein."
Halteapparat der Kniescheibe überdehnt und reißt

Nun könnte man als Laie vermuten, dass anschließend nach dem Abklingen der Schwellung doch schnell wieder alles in Ordnung ist. Doch die Sache ist wesentlich komplizierter. "Meistens wird der Knorpel und das umliegende Gewebe schwer beschädigt. Der Halteapparat überdehnt beim Wegrutschen der Knieschiebe und reißt." Bei erheblichen Knorpelschäden sei eine Operation unumgänglich. "Der Heilungsprozess erfordert dann vor allem Zeit." Eine zu frühe Belastung des Knies sei unbedingt zu vermeiden.

Aus der Erfahrung des Sportmediziners dauern solche schweren Fällen nicht selten drei bis sechs Monate oder länger. Sollte die Kniescheibe sich nur geringfügig verschoben haben, sind auch kürzere Ausfallzeiten möglich, die dann sechs bis acht Wochen dauern könnten. Grundsätzlich könne man so etwas, so Joachim Schubert, jedoch immer erst nach einer komplexen Kernspintomographie prognostizieren. Hier entscheide der Einzelfall.

Autor: Dirk Hein

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