Wichtig ist, wer am 34. Spieltag über dem Strich steht. Und wenn die Duisburger das erreichen, dann war die Saison sogar erfolgreich aus Sicht der Zebras. Interview mit Sportpsychologe Jürgen Walter

MSV Duisburg

Sportpsychologe Jürgen Walter glaubt an Klassenerhalt

05. Mai 2016, 17:37 Uhr
Foto: firo

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Wichtig ist, wer am 34. Spieltag über dem Strich steht. Und wenn die Duisburger das erreichen, dann war die Saison sogar erfolgreich aus Sicht der Zebras. Interview mit Sportpsychologe Jürgen Walter

Denn nichts anderes als den Klassenerhalt hatte sich der Aufsteiger zu Saisonbeginn zum Ziel gesetzt. Die Spieler des MSV haben dies verstanden und sind seit ein paar Spieltagen auf dem Durchmarsch. Am letzten Wochenende gaben sie sogar die Rote Laterne ab - die sie seit dem 6. Spieltag für sich beansprucht hatten. Einer, der Duisburg zuletzt genau beobachtet hat, ist Sportpsychologe Jürgen Walter. Er weiß, der MSV ist im Flow und nur schwer zu stoppen auf dem Weg zum Klassenerhalt.

Jürgen Walter, haben Sie eine Erklärung dafür, warum der MSV Duisburg wie Phönix aus der Asche wieder auferstanden ist?
Es ist ja oft so, dass Mannschaften, wenn sie nichts mehr zu verlieren haben, plötzlich frei aufspielen. Von Anfang an in dieser Saison hat Duisburg irgendwie ängstlich gespielt, schon im ersten Spiel gegen Kaiserslautern fehlte das Feuer und es war häufig ein negativer Sprachfluss zu vernehmen. Das hat die Situation natürlich nicht leicht gemacht. Und als dann alles ausweglos schien und die Spieler sich keine Gedanken mehr gemacht haben, haben sie plötzlich frei aufgespielt. Jetzt sind sie in einem Flow. Ich bin mal gespannt, ob sie das in den letzten beiden Spielen durchalten.

Warum?
Nun, sie haben sich an die Konkurrenz herangekämpft und sind wieder im Rennen. Wenn sie jetzt plötzlich wieder nachdenken, dann spielen sie nicht mutig nach vorne, sondern eben auch mal hinten rum, machen möglicherweise den Fehlpass und es passieren Fehler. Das ist immer ein schmaler Grat.

War das Spiel gegen Heidenheim vielleicht so etwas wie der Knackpunkt im Abstiegskampf?
Durchaus. Nach dem 0:2 war die Trauer groß. Der Trainer hat danach die richtige Ansprache gefunden. Das ist in etwa so, als wenn der Gegner in einem Spiel übermächtig ist und der Trainer in der Pause sagt, Jungs, wie werden uns jetzt abschießen lassen. Dann wird jeder denken, wie kommt er denn jetzt darauf? Dem werden wir es aber zeigen - und dann läuft es. Nach dem Spiel gegen Heidenheim war eigentlich klar, dass es für Duisburg so gut wie vorbei war. Und eine gewisse Sportler-Ehre haben alle Spieler. Jeder Profi will das Beste, das ist gewinnen. Und wenn es nur für den eigenen Vorteil ist, um gut dazustehen.

Als die Situation ausweglos schien, haben die Spieler sich keine Gedanken mehr gemacht und frei aufgespielt
Sportpsychologe Jürgen Walter

Die beiden wichtigen Duelle gegen 1860 München und Düsseldorf hat der MSV für sich entschieden. Was hat den Unterschied gemacht?
Man hat der Mannschaft angemerkt, dass sie den unbändigen Willen hatte, die drei Punkte zu holen. Auch wenn vor allem gegen München Glück dabei war, aber auch das kam nicht einfach so. Bei aller Brisanz, die die Spiele mit sich gebracht haben, der MSV hatte die nötige Spielfreude. Und Spaß ist immer das Wichtigste. Die Spielfreude fehlt ganz oft und damit dann auch der Mut. Denn nur wenn man Spaß hat, dann kann man keine Angst vor etwas haben.

Trauen Sie dem MSV den Klassenerhalt zu?
Ich muss sagen, dass ich durchaus verhalten optimistisch bin. Auch wenn es am letzten Spieltag gegen Leipzig geht, es gibt ohnehin nicht den richtigen oder den falschen Gegner. Die Frage ist immer: Welche Möglichkeit habe ich und nutze ich sie. Und wenn die Chancen bei zehn Prozent liegen, dann habe ich diese zehn Prozent. Noch nie gegen die Mannschaft gewonnen gibt es nicht, nur die Tatsache, dass es die Mannschaft zu schlagen gilt. Die Spieler müssen sich immer vor Augen führen: Die nächste Aktion muss gut werden, nicht die übernächste.

Könnte es trotzdem von Vorteil sein, dass viele Fans Duisburg nach Sandhausen begleiten?
Natürlich macht es etwas aus, wenn viele Fans dabei sind und einen anfeuern und nach vorne peitschen. Aber wichtig ist am Ende vor allem, was sich bei den Spielern im Kopf abspielt. Und die Gedanken können kein „nicht“ abbilden. Wir dürfen nicht verlieren ist immer die falsche Herangehensweise. Richtig wäre: Wir müssen gewinnen. Beim MSV war also das Signal: Wir steigen ab, von da an lief es wieder.

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