Wolfgang Paul könnte viel erzählen. Der BVB-Kapitän hat 1966 gemeinsam mit seiner Mannschaft den hochfavorisierten FC Liverpool niedergekämpft.

BVB

Seit 50 Jahren die Helden von Glasgow

Marian Laske
05. Mai 2016, 14:39 Uhr
Foto: Ralf Rottmann

Foto: Ralf Rottmann

Wolfgang Paul könnte viel erzählen. Der BVB-Kapitän hat 1966 gemeinsam mit seiner Mannschaft den hochfavorisierten FC Liverpool niedergekämpft.

Er hat erlebt, wie einen Tag später 300 000 Menschen Dortmund verstopften, um ihre Helden zu feiern. Doch Paul will vor allem von der Siegerehrung im Glasgower Hampden Park erzählen: „Die haben in der Mitte des Spielfelds nur einen Tisch aufgestellt, eine weiße Decke drauf und dann gab es den Pokal.“ Keine Bühne, kein Konfetti, kein Feuerwerk. Als der BVB den ersten internationalen Erfolg feiert, ist der Fußball noch keine glitzernde Show.

Am 5. Mai 1966, also vor genau 50 Jahren, gewann Borussia Dortmund den damals noch existierenden Pokal der Pokalsieger. Eine Sensation. Elf Jungs aus dem Pott schlugen den als übermächtig geltenden FC Liverpool.

Radio-Reporter Brumme schreit

„Ist das denn die Möglichkeit? Gibt es den größten deutschen Fußballtriumph seit 1954? Können wir einen Europapokalsieger stellen?“, schrie Radio-Reporter Kurt Brumme kurz vor dem Abpfiff in die deutschen Wohnzimmer. Minuten später die Antwort: Der BVB war der erste deutsche Europapokalsieger. Heute sind die Dortmunder Helden in die Jahre gekommen. Die Haare von Wolfgang Paul sind grau, die Figur von Dieter Kurrat ist rundlicher, die Stimme von Siggi Held knarzt nach einer Stimmband-Operation noch tiefer. Im Dortmunder Stadion Rote Erde sind die Spieler zusammengekommen. Es fehlen die verstorbenen Wilhelm Sturm, Lothar Emmerich, Gerhard Cyliax und Stan Libuda; der an Alzheimer erkrankte Rudi Aussauer kann ebenfalls nicht kommen. Der Rest schaut sich die Vorstellung von Georg Schnittkers Buch „Die Helden von 1966“ an, das der Elf ein Denkmal setzt.

Es werden nicht die letzten Ehrungen rund um den 50. Geburtstag der 1966er-Elf sein. Zu bedeutend war der Erfolg für den BVB, das Ruhrgebiet und auch für die in der Nachkriegszeit noch immer angeknackste deutsche Seele.

Und sportlich faszinierte das dramatische Finale. Nach 63 Minuten erzielte Siggi Held die BVB-Führung. „Ein tolles Gefühl“, sagt er heute. Nur vier Minuten später kassierten die Dortmunder den Ausgleich. Torschütze: der Liverpooler Roger Hunt. Dann ging es in die Verlängerung. 120 Minuten. Wechsel waren noch nicht erlaubt, trinken war verpönt. So mussten sich die elf Dortmunder Spieler im Nebel von Glasgow quälen. In der 106. Minute erzielte Stan Libuda das 2:1. Aus rund 25 Metern hob er den Ball über den Liverpooler Torhüter Tommy Lawrence. Der Siegtreffer. Ein Jahrhunderttor.

Reich wurden die Dortmunder Spieler trotz der Erfolges aber nicht. „Die Prämie betrug 6000 oder 8000 D-Mark“, erklärt Paul. Heutzutage sind Europapokalsieger Millionäre. „Ich habe damals nebenbei eine Ausbildung zum Uhrmacher absolviert“, sagt der Kapitän, der trotzdem nicht mit Neid auf die Fußballer-Generation von heute blickt: „Ich bin einfach nur stolz auf die Erfolge.“ Von denen hat der BVB in 50 Jahren weitere gesammelt. Der Verein gehört zu den besten Adressen in Deutschland. Dortmunder Eigengewächse sucht man im aktuellen Team allerdings vergeblich. „Es ist eben eine andere Zeit“, sagt Dieter Kurrat, der am Borsigplatz geboren ist, der Geburtsstätte des BVB. Mehr Eigengewächs geht nicht. Trotzdem kann er Mats Hummels verstehen, der zum FC Bayern wechseln möchte. „Seine Eltern wohnen in München, da hat er halt Heimweh.“

Autor: Marian Laske

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