Für Franco Di Santo war zuletzt nicht einmal mehr ein Platz auf der Schalker Ersatzbank frei. Ein sechs Millionen Euro teures Missverständnis?

Schalke

Spaßvogel di Santo am Tiefpunkt

Manfred Hendriock
03. Mai 2016, 07:37 Uhr

Für Franco Di Santo war zuletzt nicht einmal mehr ein Platz auf der Schalker Ersatzbank frei. Ein sechs Millionen Euro teures Missverständnis?

Als Schalke im vergangenen Sommer [person=15446]Franco Di Santo[/person] verpflichtete, galt der Angreifer nicht nur als Wunschspieler von Trainer André Breitenreiter, sondern auch als echter Spaßvogel. Diesem Ruf zumindest machte der Argentinier damals auch schnell alle Ehre: Nach dem 5:0-Sieg im ersten (Pokal-)Pflichtspiel der Saison beim MSV Duisburg foppte er auf dem Platz Leroy Sané, indem er so tat, als würde er dem jungen Teamkollegen etwas unters Trikot stecken. Auf Twitter postete Di Santo die Szene später im Video und schrieb dazu: „Keine Angst, Leroy! Es war nur ein kleiner Frosch.“

Neun Monate später treibt der 27-Jährige seine Späße nur noch in den sozialen Netzwerken – auf dem Platz sind die ihm im Moment vergangen. Seit vier Spielen hat Franco Di Santo keine Minute mehr gespielt, zuletzt gegen Leverkusen und Hannover war er nicht einmal mehr im Kader. Der Stürmer, den Schalke vor der Saison für sechs Millionen Euro von Werder Bremen verpflichtet hat, ist schwer abgestürzt: Vom Hoffnungsträger zum Bank- und Tribünendrücker.

Es kommt darauf an, ob er das jetzt machen will, oder ob er vielleicht andere Gedanken hat und aufgibt – das kann ja auch sein
Horst Heldt

Was bei Di Santo genau schief gelaufen ist, ist schwer zu sagen. Der Plan von Trainer André Breitenreiter war, dass der Argentinier zusammen mit Klaas-Jan Huntelaar eine Doppelspitze bilden sollte: Di Santo sollte seine Laufstärke einbringen, seine körperliche Präsenz und Torgefahr. Chancen, sich aufeinander einzustellen, hatten die beiden Mittelstürmer genug. In der Hinrunde standen Di Santo und Huntelaar in 13 von 25 Pflichtspielen gemeinsam in der Start-Elf. Doch es blieb beim Bemühen – den nächsten Schritt zu einem gut aufeinander abgestimmten Sturmduo machten die beiden nicht. Vielleicht auch, weil zumindest Huntelaar nicht der Typ für einen Zwei-Mann-Angriff ist.

Zur Winterpause gab Breitenreiter dann seine Idee von der Doppelspitze auf und schickte fortan jeweils nur noch einen zentralen Angreifer auf den Platz. Meist hieß der Huntelaar, aber zweimal bekam auch Di Santo noch seine Chance von Beginn an: Diese konnte er gegen Mönchengladbach und Ingolstadt nicht nutzen – seither ist er außen vor. Was den Absturz aber besonders kennzeichnet: Selbst die Joker-Rolle traute Breitenreiter seinem Wunschspieler zuletzt nicht zu – er wies ihm keinen Platz im 18 Spieler umfassenden Kader zu. „Ich weiß auch“, sagte Manager Horst Heldt am Samstag nach dem Sieg in Hannover, „wie das jetzt bewertet wird“: Nämlich als millionenschweres Missverständnis.

Auch in Bremen brauchte er ein Jahr

Doch Heldt will den Angreifer, der auch schon das Trikot der argentinischen Nationalmannschaft getragen hat, noch nicht abschreiben: Er verweist darauf, dass Di Santo auch auf seiner vergangenen Station in Bremen im ersten Jahr große Schwierigkeiten hatte (nur vier Tore in 23 Bundesliga-Spielen), ehe er im zweiten Jahr durchstartete (13 Tore in 26 Spielen) und so nicht nur das Interesse von Schalke auf sich zog. Auf Schalke steht er derzeit bei zwei Toren in 25 Bundesliga-Spielen; hinzu kommen aber sechs weitere Tore in Europa League und DFB-Pokal.

Heldt ist davon überzeugt, dass Di Santo, der einen Vertrag bis 2019 hat, auch auf Schalke im nächsten Jahr eine größere Rolle spielen kann: „Es kommt darauf an, ob er das jetzt machen will, oder ob er vielleicht andere Gedanken hat und aufgibt – das kann ja auch sein.“ Bisher gebe es aber noch keine Signale, die auf einen Wechselwunsch hindeuten würden, betont Schalkes Noch-Manager. Zwar ist die Zukunftsplanung nicht mehr sein Bier, aber Heldt würde Di Santo empfehlen, sich auf Schalke durchzubeißen: „Es wäre lohnenswert, wenn er den Kampf annehmen würde“, sagt Heldt: „Denn Franco ist ein Spieler, der sehr, sehr viel mitbringt – auch für Schalke.“

Autor: Manfred Hendriock

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