Eine Woche ist seit dem Pokal-Drama in Wuppertal vergangen. Komplett verdaut haben Spieler und Verantwortliche von Rot-Weiß Oberhausen das Aus in Wuppertal noch nicht.

RWO-Pechvogel Caspari

"Ich hatte schlaflose Nächte"

Martin Herms
27. April 2016, 16:07 Uhr
Foto: Michael Ketzer

Foto: Michael Ketzer

Eine Woche ist seit dem Pokal-Drama in Wuppertal vergangen. Komplett verdaut haben Spieler und Verantwortliche von Rot-Weiß Oberhausen das Aus in Wuppertal noch nicht.

Das gilt in erster Linie für Christoph Caspari. Der 27-Jährige avancierte wie vor einem Jahr im Pokalfinale an der Essener Hafenstraße zum großen Pechvogel und verschoss nach 120 intensiven Minuten im Elfmeterschießen den entscheidenden Strafstoß. Ein Fehlschuss, der den Verein erneut um sehr viel Geld brachte und für hängende Köpfe im Lager des Regionalligisten sorgte. Caspari stellte sich nach dem Schlusspfiff den wütenden Fans und führte eine hitzige Diskussion mit den Anhängern. Worum es konkret ging und wie sich der Rechtsverteidiger eine Woche nach seinem bitteren Déjà-vu-Erlebnis fühlt, verrät er im RevierSport-Interview.

Christoph Caspari, wie geht es Ihnen nach dem bitteren Pokal-Aus in Wuppertal? Haben Sie den verschossenen Elfmeter mittlerweile verdaut?
Ich kann es momentan verdrängen, weil wir uns als Mannschaft auf die kommenden Aufgaben in der Meisterschaft konzentrieren. Gegen Velbert haben wir eine gute Reaktion gezeigt und in Lotte wollen wir den Spitzenreiter ärgern. Ich denke aber, dass diese Sache im Sommer wieder hochkommen wird. So einfach kann man das nicht verkraften. Für mich persönlich war es sehr bitter und hat richtig wehgetan. Nach dem Spiel hatte ich schlaflose Nächte.

Es war wie im Film. Als ich zum Elfmeterpunkt marschiert bin, liefen die Bilder aus Essen durch meinen Kopf
Christoph Caspari

Viele Beobachter fragen sich, warum Sie nach dem verschossenen Elfmeter im Vorjahr in Essen erneut angetreten sind. Warum sind Sie das Risiko eingegangen?
Ich hätte nicht schießen müssen. Manche haben gesagt, dass es fahrlässig war. Es gab aber keine Alternativen. Wir hatten in der Verlängerung keine Stürmer mehr auf dem Platz. Zudem war Robert Fleßers nach 120 Minuten körperlich am Ende. Beim Elfmeterschießen habe ich in die Gesichter der jungen Spieler geblickt. Leuten wie Oliver Steurer, Arnold Budimbu oder Kai Nakowitsch war die Nervosität deutlich anzumerken. Ich habe mich deshalb vor die Jungs gestellt und wollte vorangehen. So habe ich es in meiner Laufbahn immer gemacht. Ich habe ein gewisses Alter und kann mit Rückschlägen besser umgehen als ein 20-Jähriger.

Hatten Sie den verschossenen Elfmeter aus dem RWE-Spiel im Kopf, als Sie in Wuppertal angetreten sind?
Es war wie im Film. Als ich zum Elfmeterpunkt marschiert bin, liefen die Bilder aus Essen durch meinen Kopf. Ich hätte es durch einen Treffer verdrängen können, aber leider hat es wieder nicht geklappt. Damit muss ich nun leben.

Nach dem Spiel haben Sie lange mit den Fans diskutiert. Wie war die Reaktion der Anhänger?
Ich bin direkt nach dem Spiel in unsere Kurve gegangen, um mich für die Unterstützung zu bedanken. Als ich merkte, dass uns Wut entgegengebracht wurde, habe ich emotional reagiert und bin darauf eingegangen. Ich habe gefragt, was sie uns vorwerfen wollen. Die Mannschaft hat alles gegeben und ich denke, dass es ein ordentliches Spiel von uns war. Wir hatten einfach Pech und natürlich war auch Unvermögen dabei, weil wir mehrere Chancen zum 2:0 vergeben haben.

Konnten Sie die Fans damit beschwichtigen?
Ich denke schon, dass es der Großteil verstanden hat. Viele Zuschauer waren allerdings sauer auf den Trainer und haben ihn lautstark gefordert. Er war aber schon in der Kabine. Die Fans haben uns Spieler gefragt, warum auf diese Weise gewechselt wurde. Es ist aber nicht meine Aufgabe, das zu kommentieren. Der Trainer gibt die Richtung vor und wir sollen es auf dem Platz umsetzen. Wenn wir eine unserer Großchancen nutzen und in der Nachspielzeit nicht patzen, hätte niemand darüber gesprochen.

Ihr Vertrag läuft am Saisonende aus. Werden Sie Ihren Vertrag verlängern?
Dazu kann ich momentan nicht viel sagen. Ich werde in Kürze mein Studium abschließen. Deshalb ändern sich für mich die Voraussetzungen. Was das für meine Zeit bei RWO bedeutet, wird sich bald zeigen.

Autor: Martin Herms

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