Den Helden des Abends auszumachen – das war eine schnelle Sache. WSV-Keeper Sebastian Wickl im Gewühl zu finden, hatte einen anderen Schwierigkeitsgrad.

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"Backpfeifen" für den Elfer-Helden

21. April 2016, 12:11 Uhr
Foto: Micha Korb

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Den Helden des Abends auszumachen – das war eine schnelle Sache. WSV-Keeper Sebastian Wickl im Gewühl zu finden, hatte einen anderen Schwierigkeitsgrad.

Der Blondschopf war irgendwo in einem Durcheinander von Umarmungen und Schulterklopfern verschwunden. Irgendwann tauchte er auf und musste sich einmal kurz sammeln. „Ich habe um die 16 Backpfeifen bekommen“, lachte der umjubelte Schlussmann.

Dessen Geschichte hätte man doch eigentlich vorher schreiben können. Der 25-Jährige wechselte im Winter vom Stadion Niederrhein zum Zoo-Stadion. Und ausgerechnet gegen seinen alten Verein avancierte der Torhüter zum Matchwinner im Halbfinale des Niederrheinpokals. Im vierten Anlauf ahnte er die Ecke und Christoph Caspari schoss in die Ecke, die sein ehemaliger Mannschaftskollege schon vorher ausgemacht hatte.

Und so hätte auch Wickl selbst die Geschichte schreiben können. Weil sich Wuppertals Keeper aber auf andere Dinge viel besser versteht – zum Beispiel auf das Halten von Strafstößen oder das Vereiteln hochkarätiger Torchancen – blieb ihm vor dem Halbfinale nur das Kopfkino. „Man träumt ja immer ein bisschen“, lachte der WSV-Torhüter und gab zu, dass er sich den Abend so ausgemalt hätte. „Eigentlich wollte ich den vorletzten Elfmeter noch selbst schießen, aber dann habe ich den Jungs den Vortritt gelassen.“

Seinen Anteil am Finaleinzug aber auf den letzten Schuss auf sein Tor zu beschränken, würde seiner Leistung nie und nimmer gerecht. Über die gesamte Partie war Wickl der überragende Rückhalt seiner Elf. Vor allem in der Schlussphase entschärfte er die besten Oberhausener Einschussmöglichkeiten. Zunächst einen Konter von Patrick Bauder (79.), dann die größte Chane des Spiels durch Arnold Budimbu, der in letzter Instanz von Danijel Gataric gebremst wurde, zuvor aber bereits an Wuppertals „Nummer eins“ gescheitert war (90.). „Ich habe zwar schon häufiger gute Spiele gemacht, aber es war bisher nie so, dass ich mich so richtig auszeichnen konnte“, freute sich der 25-Jährige über seine eigene Vorstellung.

Der könnte er im Finale noch eine zweite große folgen lassen. Obschon sich seine Konzentration zunächst wieder auf das Tagesgeschäft richten wird. "Wir müssen in der Liga erst den Aufstieg fix machen. Was dann noch kommt, ist Bonus", brachte sich Wickl direkt wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Abheben und träumen ist erst wieder angesagt, wenn die Saison komplett abgeschlossen ist. "Es gibt ja ein paar Leute, die schon von Zahlen um die 15.000 träumen", wagt sich Wuppertals Torhüter an die ersten Gedankenspiele.

Aber wenn er sich das schon so ausmalt, besteht die Chance, dass es auch so eintrifft. Wer nicht dran glaubt, darf sich gern noch einmal das Elfmeterschießen in Erinnerung rufen.

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