Reinhard Grindel ist neuer Präsident des Deutschen Fußball-Bundes. Auf dem Bundestag in Frankfurt wurde er mit überwältigender Mehrheit gewählt.

DFB-Bundestag

Grindel zum neuen Präsidenten gekürt

Michael Ryberg
15. April 2016, 13:31 Uhr
Foto: firo

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Reinhard Grindel ist neuer Präsident des Deutschen Fußball-Bundes. Auf dem Bundestag in Frankfurt wurde er mit überwältigender Mehrheit gewählt.

Um Punkt 13 Uhr am Freitagmittag rutschte Reinhard Grindel auf dem vorderen Podium im Frankfurter Congress Center von der Außenposition der sechs Stühle in die präsidiale Mitte. Bei vier Gegenstimmen und einer eigenen Enthaltung stimmten 250 Delegierte beim Außerordentlichen Bundestag für den 54-jährigen Hamburger als neuen DFB-Präsidenten. Der CDU-Politiker und einstige ZDF-Fernsehjournalist legt damit sein Bundestagsmandat nieder und wird zunächst einmal bis zum nächsten ordentlichen DFB-Bundestag am 3. und 4. November in Erfurt das oberste Fußball-Funktionärsamt bekleiden. Dann stünde ein Votum für weitere drei Jahre an.

“Es gibt Aufgaben im deutschen Fußball, die sind wichtiger als wir, nämlich welche in der Bundesliga und in der Kreisliga”, führte der Nachfolger von Wolfgang Niersbach in seiner Bewerbungsrede aus. Und betonte damit “den Zusammenhalt von Elite und Basis”. Der schien in den vergangenen Wochen und Monaten gerade im Zuge des Niersbach-Rücktritts wegen der Affäre rund um die Vergabe der Fußball-WM 2006 in Deutschland arg gefährdet.

Ligaverbandspräsident Reinhard Rauball, der mit DFB-Vizepräsident Rainer Koch kommissarisch bis Freitagmittag den Verband gelenkt hatte, mochte dazu im Saal Harmonie natürlich auch einige Worte loswerden. Ehrliche, aber unbequeme, wie der BVB-Präsident unterstrich. Und da ging es nicht um das kriminelle 3:4-Aus vom Vorabend im Europa-League-Viertelfinale seiner Dortmunder in Liverpool. “Wir waren schon irritiert, wie der DFB-Präsident ohne Diskussion und Einbeziehung des Liga-Verbandes im vergangenen November gesucht und bestimmt worden ist. Und nicht gemeinsam. Daraus sollten wir lernen.”

Es gibt Aufgaben im deutschen Fußball, die sind wichtiger als wir
Reinhardt Grindel

Der Applaus für diese mahnende Feststellung hielt sich in Grenzen. Reinhard Grindel verzichtete als Redner nach Rauball eisern darauf, auf die durchaus scharf formulierte Kritik direkt einzugehen oder gar zu kontern. Er überreichte Rauball, wie auch Interims-Co-Präsident Reiner Koch, für die geleistete Arbeit lieber einen Blumenstrauß. Da war der Zeitpunkt für Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge gekommen, kurz mal den Saal zu verlassen. Blumen wirkten gerade nach Rauballs Kritik nicht angemessen. Gleichwohl betonte auch Rauball die “unantastbare Klammer, die Liga und Amateure verbinden muss”.
Es wird ein noch auszuarbeitendes Eckpunktpapier zwischen DFB und Profibereich geben, in denen die Arbeitsthemen benannt werden. Liga-Vertreter sollen mehr im Präsidialausschuss, dem eigentlichen DFB-Vorstand, mitarbeiten. Es wird über den DFB-Pokal-Modus diskutiert werden, um Verbesserungen im Schiedsrichterwesen, das unmissverständlich beim DFB verbleiben soll. Auch um eine zu gründende Ethikkommission. Marketingaktivitäten des DFB sollen in eine Tochtergesellschaft ausgegliedert und von einem ehrenamtlichen Aufsichtsrat kontrolliert werden.

Dazu dürfte der Grundlagenvertrag zwischen DFB und der Deutschen Fußball-Liga (DFL) vorzeitig bis zum 31. Dezember 2019 verlängert werden. Mit möglicherweise verbesserten Leistungen der Profiklubs an den DFB, wie Interimspräsident Rainer Koch in seiner Rede in Aussicht stellte. Koch betonte mehrmals, dass die Solidität zwischen Profifußball und der Basis das Markenzeichen des deutschen Fußballs sei: “Die Seele des Fußballs”, erklärte Koch in Anspielung an Artikel 1 des Grundgesetzes, “ist unantastbar.”

Gekommen war am Freitag neben Bundestrainer Joachim Löw sowie den Ikonen Uwe Seeler und Horst Eckel auch Theodore Theodoridis, der neue Generalsekretär der Uefa. Was alle Beteiligten am Rednerpult zum Anlass nahmen, Reklame für die eigene Bewerbung um die Fußball-Europameisterschaft 2024 zu machen. Dass sich die skandinavischen Länder mit einer sicherlich ebenfalls exzellenten Bewerbung gerade als ernstzunehmende Konkurrenz formieren, darin waren sich Koch, Rauball und Neu-Präsident Grindel vollends einig.

Autor: Michael Ryberg

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