Nuri Sahin sprach den Satz lieber nicht zu Ende. „Wir sind Zweiter und wollten da sein, wenn Bayern patzt“, sagte der Mittelfeldspieler von Borussia Dortmund.

BVB

Fokus auf die Pokale

Sebastian Weßling
12. April 2016, 07:07 Uhr
Foto: firo

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Nuri Sahin sprach den Satz lieber nicht zu Ende. „Wir sind Zweiter und wollten da sein, wenn Bayern patzt“, sagte der Mittelfeldspieler von Borussia Dortmund.

„Aber Bayern hat gewonnen, wir haben Unentschieden gespielt, jetzt sind es sieben Punkte Abstand.“ Das Ende seines Satzes ließ Sahin in der Luft hängen, aber es konnte sich ja ohnehin jeder denken, wie es weitergehen müsste: Sieben Punkte bei fünf Spielen – dieser Rückstand ist zu groß, nach dem 2:2 beim FC Schalke 04 kann der BVB die Meisterschaft wohl endgültig abhaken.

Acht Wechsel in der Startelf

Trainer Thomas Tuchel hatte das freilich schon vorher getan und mit seiner Aufstellung dokumentiert. Acht Wechsel nahm er im Vergleich zum 1:1 gegen den FC Liverpool an seiner Aufstellung vor, mit Marco Reus, Henrikh Mkhitaryan, Pierre-Emerick Aubameyang und Ilkay Gündogan saßen die besten Offensivspieler auf der Bank. Es war eine Aufstellung, die sich weniger an Schalke als an Liverpool orientierte: Dort steht am Donnerstagabend das Rückspiel im Europa-League-Viertelfinale an. Eine Woche später geht es zum DFB-Pokalhalbfinale nach Berlin. Es sind die Wettbewerbe, in denen Dortmund noch seriöse Titelchancen hat – daher wird der Fokus in der Liga auch in den kommenden Wochen darauf liegen, dass sich niemand verletzt oder zu stark belastet. Tuchel setzt voll auf die Pokalwettbewerbe – auch auf Kosten eines Erfolgs im Derby.

Sehr zum Ärger einiger Fans. „Danke, Herr Tuchel, für diese komplett beschissene Einstellung“, hieß es in einem Forum. „Liga interessiert uns nicht, Derby interessiert uns nicht, aber vielleicht kommen wir in der Europa League ja eine Runde weiter. Einfach erbärmlich!“ Insgesamt aber überwog das Verständnis: „Die Rotation war alternativlos. 48 Spiele kann man nicht wegdiskutieren.“ Auch Sahin verteidigte die Entscheidung seines Vorgesetzten: „Gegen Liverpool kannst du in einem Spiel ausscheiden, das kannst du nicht mehr rückgängig machen.“ Genau das ist die Sorge, die die Dortmunder derzeit umtreibt: dass sie die glänzende Ausgangsposition, die sie sich bis dato erarbeitet haben, in nur zwei Partien verspielen. Das erklärt auch die Kompromisslosigkeit, mit der Tuchel seine Mannschaft umbaute und Stars auf die Bank setzte.

Die hatten vor allem zu Beginn der zweiten Halbzeit ihren Spaß, als Shinji Kagawa mit traumhaftem Lupfer zum 1:0 für Dortmund traf. „In dem Moment habe ich gemerkt, dass sich hinter mir auch einige gefreut haben“, sagte Tuchel, der dies als Zeichen für einen intakten Mannschaftsgeist nahm. „Es ist jetzt durchgedrungen, dass es nur so geht, dass wir bei den vielen Wettbewerben nur als Team funktionieren. Deswegen gönnt auch jeder dem anderen die gute Leistung.“
Da ließ sich auch heraushören: Es wird in den nächsten Bundesligaspielen noch häufiger die vornehmliche Aufgabe der Stars sein, sich über das Treiben ihrer Vertreter auf dem Platz zu freuen.
Zum Beispiel gegen Hertha BSC, den VfB Stuttgart, Eintracht Frankfurt oder den 1. FC Köln, die noch um Punkte gegen den Abstieg oder für den Europapokal kämpfen – da werden schon mal Vorwürfe der Wettbewerbsverzerrung erhoben.

Auf die Diskussion aber will man sich beim BVB nicht einlassen. „Wir haben mit Abstand die meisten Pflichtspiele in Deutschland bestritten, sieben oder acht mehr als Schalke“, rechtfertigte Sportdirektor Michael Zorc die Aufstellung. „Wir haben vor drei Tagen gespielt. Und das hat man auf dem Platz nicht gesehen. Wir waren genauso frisch, wir haben immer versucht, nach vorne zu spielen.“ Und auch aus dem 2:2 gegen Schalke zogen die Dortmunder positive Erkenntnisse: „Mit dem Ergebnis kämen wir gegen Liverpool weiter", sagte Sahin.

Autor: Sebastian Weßling

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