Nun war er also zurück, der Jürgen Klopp.

BVB

Mkhitaryan ist besonders heiß auf Jürgen Klopp

Daniel Berg
07. April 2016, 09:12 Uhr
Foto: firo

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Nun war er also zurück, der Jürgen Klopp.

Einen Tag, bevor der Trainer mit seinem neuen Arbeitgeber Liverpool bei seiner alten Liebe Borussia Dortmund zum Viertelfinal-Hinspiel in der Europa League antreten muss. Seine Rückkehr ist nicht ohne Brisanz. Klopp kehrt dorthin zurück, wo ihm die Spieler nach zunächst sechs großartigen Jahren zuletzt nicht mehr vorbehaltlos gefolgt waren. Und einer ist besonders heiß auf ihn.

Das letzte Jahr in Dortmund war zwischenzeitlich zu einem Desaster geworden und belastete die Beziehungen. Klopps Ankündigung, den Klub zu verlassen, setzte neue Kräfte, neue Zuversicht frei. Bestes Beispiel dafür: Henrikh Mkhitaryan. Eigentlich, so hieß es, wollte der Mittelfeldkönner Dortmund verlassen. Weil er sich verantwortlich fühlte: für alles, was misslang, weil er erzwingen wollte, was nicht zu erzwingen war. Er war ein Gefangener des Systems. „Wir spielen jetzt ein anderes System, das mir sehr gut gefällt. Und Thomas Tuchel hat die richtige Position für mich gefunden“, begründete der Armenier im Gespräch mit dieser Zeitung seine Top-Leistungen.

Der Umkehrschluss: In Klopps kraftraubender Vollgasmaschinerie fühlte sich der offensive Künstler seiner Stärken beraubt. Tuchel lässt offensiver, filigraner, durchdachter spielen. Fußball, der Raum lässt – für einen wie Mkhitaryan.

Auch BVB-Kapitän Mats Hummels wollte weg

Überhaupt fand Tuchel schnell einen Weg zu den Spielern. Seine geduldige, weniger impulsive Art findet Anklang. Auch bei Mats Hummels. Der Mannschaftskapitän kokettierte vor ziemlich genau einem Jahr mit einem Wechsel.

„Jeder weiß, wie es mir in Dortmund gefällt, aber dass ich auch möchte, dass wir eine schlagkräftige Truppe und eine schlagkräftige Herangehensweise haben“, formulierte er. Ein Satz, der auch als Kritik an Klopps Umschaltfußball interpretiert werden konnte. Denn der Versuch, einen anderen Stil mit mehr Ballbesitz bei der Borussia zu etablieren, war dem Trainer nicht derart gelungen wie nun Tuchel.

Hummels hatte und hat nicht vergessen, dass es Klopp war, der ihm 2008 das Vertrauen schenkte. Ohne ihn wäre er nicht, was er heute ist: ein weltweit angesehener Verteidiger. Doch Zuneigung und das Vertrauen hatten über die Jahre auch bei ihm etwas gelitten.

Tuchel kam gerade recht und kümmerte sich in besonderer Weise um die beiden, die mit dem System haderten. Er sprach mit beiden früh und intensiv, überzeugte sie, an eine erfolgreiche Zukunft des BVB zu glauben. Beiden besorgte er Lektüre: Hummels las ein Buch über einen Basketball-Trainer und dessen Blick auf sein Team, Mkhitaryan studierte „The inner game of Tennis – die Kunst der entspannten Konzentration“.

Mkhitaryans Melancholie, seine steten Zweifel, die ein unabänderlicher Makel zu sein schienen, begeisterten den esoterisch anmutenden Tuchel vom ersten Tag an.

Mkhitaryans Draht zu BVB-Trainer Tuchel

„Seine Art spricht mich an. Ich mochte schon immer seine Ausstrahlung, er hat etwas sehr Sensibles“, sagte der Trainer vor Beginn der Bundesliga-Saison. „Wir haben schnell einen Draht zueinander gefunden.“ Offenbar schneller als Klopp. Das Ergebnis: Ein selbstbewusster Spieler, der nicht mehr an die fast 30 Millionen Euro denkt, die er mal gekostet hat, sondern der wieder Spaß am Fußball hat. Mit 21 Torvorlagen in den Pflichtspielen dieser Saison ist Mkhitaryan einer der besten Servicemitarbeiter in Europa. Ein weiterer Beleg seiner neuen Spiellust.

Autor: Daniel Berg

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