Am Sonntag elektrisiert das Derby zwischen Schalke und dem BVB den Pott. Ein Kommentar.

Kommentar zum Derby

Mutter-Tag

Ulrich Homann
07. April 2016, 10:37 Uhr
Foto: firo

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Am Sonntag elektrisiert das Derby zwischen Schalke und dem BVB den Pott. Ein Kommentar.

Es ist knapp neun Jahre her, als sich das Derby aus Schalker Sicht als „schwarzer Tag“ erwies. Damals kostete die 0:2-Niederlage den Schalkern die ersehnte Meisterschaft. Nie wieder war man seither so nahe an der Schale. Während der ewige Rivale danach gleich zweimal den Titel errang, guckt Königsblau weiterhin in die Röhre. Wer zu ergründen versucht, warum auf Schalke so häufig die Ränge meutern, der wird in dieser nahen Vergangenheit fündig. Der strahlende Erfolg der Dortmunder legt einen Schatten auf die gar nicht so schlechte Schalker Bilanz der letzten Jahre. Neid ist ein Faktor, der nicht weg zu diskutieren ist.

Und so findet der sattsam bekannte Begriff von der „Mutter“ aller Derbys noch aus anderem Blickwinkel seine Berechtigung. Wenn die Familien im Revier am Muttertag zusammen kommen, dann blicken manche eben auch ein wenig missgünstig auf die erfolgreicheren Geschwister.

Dabei kann man es auch so sehen, dass beide verdammt erfolgreich sind. Nicht nur im nationalen, sondern durchaus im europäischen Maßstab sind da nicht viele Fußballvereine, die den beiden das Wasser reichen können. Es gibt so viel Verbindendes, beileibe nicht nur über die Gründungsgeschichte als Brüder aus Kohle und Stahl, auf die man gemeinsam stolz sein könnte. Da wirkt der sinnlose chauvinistische Hass aufeinander, den manche Minderbemittelte pflegen, eigentlich nur noch absurd.

Wobei gar nichts spricht gegen eine sportliche Rivalität, die nicht in allen Erscheinungsformen weichgespült sein muss. Auf Rasen und Rängen kann es schon zur Sache gehen, wenn um die Vorherrschaft im Fußball-Revier gefightet wird. Über einen längeren Zeitraum betrachtet, wechselt die stetig. Aber Schalkern fällt aktuell kein Zacken aus der Krone, wenn sie den „Vorteil Borussia“ anerkennen. Nicht nur die Tabelle lügt da nicht. Auch die Spielweise und die Konstanz in Schwarz-Gelb haben derzeit die Nase vorn. Was aber für den kommenden Sonntag nichts heißen muss. Da hat das Derby wirklich seine eigenen Gesetze. Vor neun Jahren war Schalke in der ganzen Spielzeit turmhoch überlegen. Doch im Revierderby – siehe oben – ging alles daneben. Und noch weniger ist die Vorherrschaft der Borussen für die nahe Zukunft festgeschrieben. Schon beim nächsten „Mutter-Tag“ können die Vorzeichen ganz andere sein.

Autor: Ulrich Homann

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