Zum Schluss versuchten sie es noch vom Bierglas, so wie einst Kaiser Franz. Pilstulpe statt Weißbierglas.

Revier-Derby

Klaus Fischer rettet Schalkes Ehre

06. April 2016, 08:33 Uhr
Foto: Deutsches Fußballmuseum

Foto: Deutsches Fußballmuseum

Zum Schluss versuchten sie es noch vom Bierglas, so wie einst Kaiser Franz. Pilstulpe statt Weißbierglas.

Doch es blieb beim Versuch – und beim 5:3-Erfolg im Torwandschießen für Schalke 04 gegen Borussia Dortmund. Balsam für die zuletzt so geschundene Seele der Königsblauen. Zu verdanken hatten sie es Klaus Fischer, der am Montagabend gegen Willi Lippens vorgelegt hatte.

Auf dem Podium der ersten Veranstaltung der Anstoß-Reihe im Deutschen Fußballmuseum feierte aber die „berühmteste Fußball-Ente“ (Moderator Hermann Beckfeld) den erwarteten Punktsieg.

Fischer legte wunderbar vor, sein erster Satz traf gleich ins Schwarze: „Lange Zeit war Dortmund kein Problem“, sagte die S04-Legende, „in den 1970er-Jahren hatten wir die klar bessere Mannschaft.“ Die Schalker unter den rund 200 Zuhörern waren aus dem Häuschen.

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Lippens nahm den Schwung mit und um die oft erzählten Anekdoten („Ich danke Sie!“ und die Durchfall-Attacken bei Berti Vogts) kam er auch nicht drumherum. Der Linksaußen wurde an der Essener Hafenstraße zur Legende, von 1976 bis 1979 dribbelte Lippens aber für den BVB. Ein Wechsel von Rot-Weiss zu Schalke kam für ihn damals nicht in Frage. „Das wäre Hochverrat gewesen“, erzählte Lippens, „den Essener Fans hätte ich das niemals antun können.“

Erinnerungen an Siebert

Es war jedoch nicht so, als wenn sich Schalke und der damalige Präsident nicht um Lippens bemüht hätten. „Oskar Siebert stand damals ja bei so ziemlich jedem interessanten Spieler auf der Matte. Auch bei mir ist er ein paar Mal gewesen.“ Doch selbst mit Bier hätte er sich nicht gefügig machen lassen – die Ente blieb standhaft. „Die Anhänger sind den Spielern gegenüber so hingebungsvoll, da kann man nicht das Trikot des ärgsten Rivalen anziehen. Da muss man auch mal sein Gehirn einschalten“, sagte Lippens unter dem Applaus der Borussen – und Christoph Metzelder klingelten die Ohren.

„Metze“ vertrat die Derby-Neuzeit. Eine gewisse Abenteuerlust habe dahinter gesteckt, als er 2010 dem Lockruf von Schalkes-Trainermanager Felix Magath gefolgt ist. Nach Wolfsburg wollte er nicht gehen, zum FC Schalke jedoch schon – auch als ehemaliger BVB-Spieler. „Ich bin nie den einfachen Weg gegangen“, untermauerte der ehemalige Vizeweltmeister.

Umso schwerer war sein Weg, um auf Schalke anerkannt zu werden. „In meinem ersten Derby nach dem Wechsel zu Schalke war ich ja sogar den eigenen Fans noch ein Dorn im Auge“, erinnert sich der Ex-Verteidiger am Montagabend.

Kurz vorher waren die Bilder vom 12. Mai 2007 über die Leinwand geflackert, die zeigten, wie Metzelder den Ball eroberte, eine maßgeschneiderte Flanke auf Alex Frei schlug, der zur Dortmunder Führung verwandelte. Der BVB gewann das Derby mit 2:0, die Schalker Meisterträume waren geplatzt.

Am Sonntag soll es anders ausgehen, so hofft Metzelder – und tippt auf einen 2:1-Heimsieg. „5:3 wäre doch ein super Ergebnis“, sagte Fischer schließlich. Zu dumm, dass er nicht mehr auflaufen kann, dachten da die Schalker.

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