Rot-Weiss Essen ist wieder mal der Verlierer des Spieltags.

RWE

Heimpleite, Abstiegsplatz und Rot - Sorgen immer größer

Ralf Wilhelm
02. April 2016, 15:59 Uhr
Foto: Tillmann

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Rot-Weiss Essen ist wieder mal der Verlierer des Spieltags.

Während das Team von Trainer Jan Siewert das wichtige Heimspiel gegen den neuen Tabellenführer Sportfreunde Lotte mit 0:2 und darüber hinaus auch noch Richard Weber frühzeitig durch eine Rote Karte verlor, punktete die Konkurrenz im Tabellenkeller fleißig und multipliziert die Sorgen an der Hafenstraße, wo die Verantwortlichen sicherlich ein arbeitsintensives und grüblerisches Wochenende verbringen werden. Vor den Abstiegsspielen in Ahlen und Erndtebrück ist guter Rat teuer.

Feinstes Fußballwetter empfing die Fans an der Hafenstraße und zwei topmotivierte Mannschaften trafen aufeinander. Rot-Weiss begann mit einigen mutigen Aktionen nach vorne - da konnte der erste Nackenschlag nicht weit sein. Nach vier Minuten war es soweit: Die Abseitsfalle schnappte das erste Mal nicht zu, Andre Dej lief von rechts in den Strafraum, wurde nicht mehr attackiert und schob Robin Heller die Kugel durch die Beine. Die Höchststrafe für den RWE-Keeper, der eine schlechte Figur abgab. Da hatten die Gastgeber gleich wieder etwas zu verdauen. Die Schockzeit dauerte nur kurz, dann war RWE wieder am Drücker. Nach einem tödlichen Pass in den Strafraum von Marwin Stuctrucker, der wieder in die Startelf gerückt war, umkurvte Andreas Ivan Torhüter Fernandez, aber der Winkel zur Vollendung war zu spitz geworden (14.).

Und es folgte die 16. Minute, in der den Essener Anhängern das Herz in die Hose rutschte: Richard Weber hatte im Zweikampf mit Kevin Freiberger eigentlich schon die Nase vorn, aber der quirlige Ex-Essener kam doch noch am langen Abwehrmann vorbei, der sich nur durch ein Foul zu helfen wusste. Als Schiedsrichter Mitja Stegemann mit der Hand an der hinteren Hosentasche im Vollsprint ankam, wussten alle, was die Stunde geschlagen hatte: Glatt Rot! Und das, obwohl Philipp Zeiger eigentlich als letzter Mann in die Mitte gelaufen war, eine sehr harte Entscheidung. RWE musste umstellen, Moritz Fritz, der bis dahin sehr offensiv hinter der Spitze unterwegs war, rückte in die Abwehrkette.

Aber der Angriffsschwung war dahin, die Pässe im Mittelfeld kamen nicht mehr an, höchste Ansteckungsgefahr bei Fehlpässen machte sich breit, und in der Abwehr griff die Verunsicherung auch um sich. Lotte spielte das kühl im Stile eines Spitzenteams weiter, legte sich den Gegner in aller Ruhe zurecht und wartete auf weitere Gelegenheiten. In der 37. Minute kam das Unvermeidliche. Freiberger, der an alter Wirkungsstätte so richtig Lust verspürte, erlief einen weite Vorlage, legte den Ball mit der Fußspitze am herausstürzenden Heller vorbei und wartete in aller Seelenruhe, bis Dej vor dem Tor in Position gelaufen war: 0:2 - das roch nach früher Entscheidung.

Die Fans, die ihre Mannschaft bis dahin vorbildlich unterstützt hatten, schwenkten nun auch ins andere Lager um, hatten mal wieder “die Schnauze voll”, forderten den Rauswurf des Trainers und griffen tief in die Kiste der Beleidigungen. Der stand konsterniert am Spielfeldrand und versuchte den verhagelten Nachmittag zu begreifen.

Nach dem Wechsel kam Jeffrey Obst für Studtrucker, der im Angriff auch nicht für den großen Umschwung gesorgt hatte. Ein schnelles Tor musste her, das war allen klar, aber Lotte ließ sich nicht locken, stand lieber hinten gewohnt sicher, als aufs dritte Tor zu gehen. Einen Spalt breit ging die Tür noch einmal auf, als Philipp Zeiger per Kopf auf Moritz Fritz verlängerte, doch sein Kopfball fand genau die Arme von Fernandez (61.).

Es war für einige Zeit die letzte Fußballaktion, denn danach machten sich wieder hässliche Szenen an der Hafenstraße breit. Rudelbildung im Mittelfeld, und in der Westkurve schmissen ein paar frustrierte Verstörte eine Fahnenstange Richtung Lotter Ersatzspieler, worauf ein Akteur, an der Schulter getroffen, erst einmal zu Boden ging. Alles keine Aktionen, die der Mannschaft den Weg aus dem tiefen Tal zeigten.

In den letzten 20 Minuten war zumindest der personelle Gleichstand wieder hergestellt. Der lange Jeron Al-Hazaimeh ließ sich zu einem ausgesprochen dämlichen Wiederholungsfoul im Mittelfeld gegen Ivan hinreißen und sah Gelb-Rot. RWE bekam die zweite Luft: Obst ging auf rechts davon, doch in der Mitte scheiterte Ivan am Lotter Keeper. Gewollt haben sie bis zum Schluss - gefehlt hat wieder mal das Können.
Als Fritz nach 93 Minuten im Strafraum zu Boden ging und Platzek vom Punkt aus nur den Innenpfosten traf, war das i-Tüpfelchen aufs Spiel gesetzt.

Autor: Ralf Wilhelm

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