Angreifer Stefan Kießling will seine Karriere bei Bayer 04 Leverkusen beenden. In Kürze verlängert er seinen Vertrag. Wir trafen ihn zum Exklusiv-Interview.

Stefan Kießling

„Natürlich hätte ich gerne einen Titel“

01. April 2016, 09:07 Uhr
Foto: Jakob Studnar

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Angreifer Stefan Kießling will seine Karriere bei Bayer 04 Leverkusen beenden. In Kürze verlängert er seinen Vertrag. Wir trafen ihn zum Exklusiv-Interview.

Stefan Kießling hebt die Hand und winkt. Auf dem Rasen der Leverkusener BayArena fährt gerade der Greenkeeper mit seinem Rasenmäher über das Feld. Es ist ein kurzer Gruß, der zeigt, wie verwurzelt der Angreifer des Fußball-Bundesligisten inzwischen in Leverkusen ist. Nach fast zehn Jahren kennt er hier jeden Mitarbeiter persönlich. Kein Wunder, dass der 32-Jährige uns nun im Interview verraten hat, seine Karriere hier beenden zu wollen.

Stefan Kießling, als Sie nach Leverkusen gekommen sind, waren Sie ein Youngster. Jetzt sind Sie der älteste Feldspieler. Gab es einen Moment, in dem Sie bemerkt haben: Mensch, jetzt bist Du einer der Alten?
Man merkt das schon in gewisser Hinsicht. In einer Länderspielpause ist es natürlich besonders extrem. Wir haben noch fünf Profis draußen, der Rest sind A-Jugend-Spieler. Mit 18-Jährigen um dich herum ist es noch einmal ein ganz anderer Unterschied. Ich weiß, dass ich einige Jahre auf dem Buckel habe. Ich habe viele Spiele gemacht und das ist, finde ich, positiv zu sehen. Klar merke ich auch die Knochen, aber das gehört dazu.

Muss man in Ihrem Alter mehr arbeiten, als es jüngere Spieler müssen?
Man muss sich schon öfter pflegen lassen, muss vielleicht auch mal die eine oder andere Übung machen, auch nach dem Training, um auf dem Niveau zu bleiben. Natürlich ist es nicht immer ganz einfach. Dann kommen Dinge dazu, dass die Beine wehtun und der Verschleiß im Spiel extremer ist. Das ist wie bei einem Auto. Aber die eigenen Knochen kann man nun mal nicht austauschen.

Haben Sie in Ihrer Zeit eine Veränderung bei den Spielern ausgemacht? Ist die Mentalität eine andere als zu Anfang Ihrer Karriere?
Das ist schwer zu sagen. Ich habe ja mit unglaublich vielen Spielern zusammengespielt. Im Schnitt würde ich sagen waren es fast zehn Spieler, die jedes Jahr gegangen und gekommen sind. Dann hat man natürlich schon ein paar Trainer in all den Jahren. Da hat sich schon viel verändert. Jede Mannschaft war anders. Ich habe aber immer gerne mit den Jungs zusammengespielt. Ich glaube, die jungen Spieler sind heute schon weiter als früher. Ich war damals definitiv nicht so weit. Die Jungs sind heute reifer, haben schon eine gewisse Erfahrung.

Im Sommer spielen Sie seit mittlerweile zehn Jahren für Bayer Leverkusen. Haben Sie sich das schon bewusst gemacht?
Das Thema kommt in Gesprächen schon mal auf. Es ist eine Hausnummer, denke ich. Das ist nicht selbstverständlich in diesem Job. Da bin ich auch stolz drauf.

Ist Leverkusen so schön, oder warum sind Sie nie weggegangen?
Für mich war immer das Wichtigste, dass ich mich wohlfühle und dass ich spiele. Diese zwei Faktoren haben hier fast immer gepasst. Ich habe meine Frau hier kennengelernt, meine Kinder wurden in Leverkusen geboren. Ich habe einen sehr guten Draht zu den Fans und ein sehr gutes Verhältnis zu den Mitarbeitern. Das spielt natürlich alles eine Rolle für mich. Das ist auch das, was ich brauche.

Interesse anderer Vereine gab es immer wieder, etwa im Winter aus Hannover. Warum sind Sie geblieben?
Die meisten Anfragen hat der Rudi (Völler, Anm. d. Red.) direkt abgeblockt (lacht). Beim einen oder anderen hat er mit mir geredet. Es war ja vor Weihnachten ein bisschen turbulent. Da hätte es noch einmal in die andere Richtung gehen können. Das ist aber nicht passiert. Es war so, dass ich mich gefragt habe: Für was brauche ich eine neue Herausforderung? Für was brauche ich einen neuen Spind, wenn hier alles zusammenpasst?

Spielen Sie nun bis zum Karriere-Ende in Leverkusen?
Ich werde demnächst meinen Vertrag verlängern und dann bin ich auch in einem Alter, wo ich sagen muss: es ist nicht mehr so lang bis zum Karriere-Ende. Die zwei, drei Jahre, die ich noch spielen kann, werde ich hier spielen.

Claudio Pizarro schießt auch mit 37 Jahren noch seine Tore. Nehmen Sie sich ihn zum Vorbild?
Es gibt immer Ausnahmen unter den Fußballern. Claudio ist ein gutes Beispiel, auch Miroslav Klose. Es ist beeindruckend, wie fit sie in ihrem Alter noch sind. Auch Zé Roberto, der würde wahrscheinlich am liebsten immer weiterspielen. Das Entscheidende ist: Man muss wissen, wann der richtige Zeitpunkt ist und sich nicht noch quälen und so vielleicht das Ende versauen. Ich glaube aber, dass es nicht immer ganz einfach ist, den richtigen Moment zu finden.

Wie lange wollen Sie noch Fußball spielen?
Ich will schon noch ein bisschen spielen. Deswegen werde ich ja verlängern, weil ich mir ziemlich sicher bin, dass ich noch weiter spielen kann. Klar war die Rückrunde etwas schwieriger durch meine Probleme mit der Hüfte. Aber es kommt eine Sommerpause, da kann ich mich erholen. Dann geht es wieder von vorne los.

Lesen Sie auf Seite 2, was Stefan Kießling zum Thema Nationalmannschaft sagt.

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