Rot-Weiss Essen hat nach der harten Kritik der letzten Tage eine passende Antwort auf dem Rasen gegeben. Die Erleichterung war deutlich spürbar.

RWE

Siewert ist "stolz auf die Mannschaft"

Martin Herms
24. März 2016, 23:55 Uhr
Foto: Michael Gohl

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Rot-Weiss Essen hat nach der harten Kritik der letzten Tage eine passende Antwort auf dem Rasen gegeben. Die Erleichterung war deutlich spürbar.

Wer nach den Chaostagen im Anschluss an das Abrutschen auf den 16. Tabellenplatz befürchtete hatte, dass die Rot-Weissen dem Druck nicht standhalten können und im Heimspiel gegen den SC Verl erneut scheitern, wurde eines Besseren belehrt. Die Fanproteste sowie die Aufregung um die suspendierten Marwin Studtrucker und Kasim Rabihic spielten nach dem 1:0-Sieg gegen die Ostwestfalen keine Rolle mehr. Trainer, Spieler und Betreuer lagen sich auf dem Rasen des Stadion Essen in den Armen und bedankten sich bei dem Großteil der Zuschauer, die dem Protest-Aufruf nicht gefolgt waren und stattdessen die Mannschaft unterstützten. "Man hat die Erleichterung nach dem Spiel gesehen. Wir haben alles reingeworfen und wollten unbedingt wieder einen Sieg holen", sagte RWE-Kapitän Moritz Fritz.

Der defensive Mittelfeldspieler der Essener, der ein starkes Spiel machte und mit zahlreichen Balleroberungen überzeugte, machte keinen Hehl daraus, dass die Mannschaft auch für ihren Trainer Jan Siewert gespielt hat, dessen Job bei einer weiteren erfolglosen Partie wohl akut gefährdet gewesen wäre: "Es wurde deutlich, dass wir eine Einheit sind. Dazu gehört auch das Trainerteam. Wir haben dieses Spiel zusammen gewonnen", betonte Fritz. Der Ex-Schalker freute sich ferner über die Unterstützung der Zuschauer, die sich den Protesten nicht angeschlossen hatten. "Wir waren im Vorfeld nur auf das Spiel fokussiert. Die Sache mit den Fans haben wir versucht auszublenden. Auf dem Rasen haben wir die Unterstützung gespürt, vor allem in der Schlussphase. Das tat gut." Vor den beiden schweren Spielen in Köln und gegen Lotte hält sich der 22-Jährige mit Ansagen zurück: "Wir müssen nun nicht erzählen, dass es so weiter gehen muss. Es wurde genug geredet. Jetzt müssen Taten folgen. Das war erst der Anfang."

Gefeierter Siegtorschütze war Angreifer Marcel Platzek, der seinen ersten Pflichtspieltreffer im Jahr 2016 erzielte und sein Team wieder über den Strich beförderte. Der RWE-Angreifer fasste zusammen: "Wir haben es super gemacht, Verl hatte kaum eine Chance. Der Sieg war absolut verdient. Vor allem am Ende war das endlich wieder Hafenstraßenfußball. Die Fans haben alles gegeben, genau wie wir. Der Dreier war extrem wichtig, aber darauf dürfen wir uns nicht ausruhen. Wir haben eine Reaktion gezeigt. Wir sind ein geiles Team, in der Mannschaft stimmt es. Das wollen wir nun Woche für Woche beweisen."

Verls Trainer Andreas Golombek haderte während des Spiels und im Nachgang mit dem schwachen Auftritt seiner Mannschaft. Der Ex-Profi sah einen verdienten Sieger: "Aufgrund der ersten Halbzeit geht die Niederlage absolut in Ordnung. Wir haben kein gutes Spiel gemacht und hatten offenbar zu viel Respekt vor dem Gegner, dem Stadion und den Fans. RWE ist natürlich kein normaler Tabellensechzehnter. Zur Pause hätten wir schon mit zwei, drei oder vier Toren hinten liegen können. Nach dem Seitenwechsel standen wir besser, haben dann aber ein sehr dummes Gegentor hinnehmen müssen. Da Essen dieses Mal kein Kacktor in der Schlussphase kassiert hat, müssen wir mit der Niederlage leben. Ich wünsche RWE viel Glück und hoffe, dass wir uns in der nächsten Saison hier wiedersehen."

Alles andere als redselig war sein Kollege Jan Siewert bei der anschließenden Pressekonferenz. Die harsche Kritik der letzten Tage ging nicht spurlos am Essener Linienchef vorbei. "Ich schließe mich den Worten meines Kollegen an. Sie werden mir nachsehen, dass ich in dieser Situation keine Analyse hinzufügen möchte", erklärte Siewert, der doch noch zu Protokoll gab: "Ich bin stolz auf meine Mannschaft. Das war ein wichtiger Schritt. Jetzt wollen wir weitere Schritte folgen lassen. Am Montag geht es in Köln weiter."

Autor: Martin Herms

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