Seit einigen Jahren investiert Franz-Josef Wernze viel Geld in Viktoria Köln. Bislang konnten die Höhenberger aber

Viktoria Kölns Wernze

"Mitte April fallen Entscheidungen"

Krystian Wozniak
23. März 2016, 13:46 Uhr
Foto: Thorsten Tillmann

Foto: Thorsten Tillmann

Seit einigen Jahren investiert Franz-Josef Wernze viel Geld in Viktoria Köln. Bislang konnten die Höhenberger aber "nur" den Regionalliga-Aufstieg und eine DFB-Pokalteilnahme feiern.

Zu wenig für Unternehmer Wernze. Der 68-Jährige will die Rot-Weißen in den Profifußball führen. Die 3. Liga ist da das Minimum der ambitionierten Ziele. In dieser Saison muss die Viktoria bereits im dritten Anlauf frühzeitig den Traum von der Drittklassigkeit aufgeben. Dass das Ziel schon Mitte März verpasst wurde, ärgert die Verantwortlichen um die Sportliche Leitung Franz Wunderlich und Stefan Küsters sowie Boss Wernze gewaltig. RS sprach mit Wernze über die laufende Saison, die heiß diskutierte Zukunft von Trainer Tomasz Kaczmarek und darüber, warum die Spielzeit 15/16 vielleicht doch noch ein gutes Ende für den Gesamtverein FC Viktoria Köln findet.

Franz-Josef Wernze, die Niederlage in Wattenscheid und der damit geplatzte Titeltraum ist schon einige Tage her. Wie tief sitzt der Frust bei Ihnen?
Natürlich waren wir alle enttäuscht. Aber ich muss sagen, dass sich das bei mir alles in Grenzen hält. Wir haben im Sommer einen hoch talentierten und jungen Trainer Tomek Kaczmarek verpflichtet und einen Teil-Umbruch des Kaders vollzogen. Mir war von Beginn an bewusst, dass das Projekt länger als ein Jahr dauern kann. Ich habe so ein Abschneiden, wie es jetzt der Fall ist, einkalkuliert. Dass wir trotzdem enttäuscht sind, ist doch klar. Trotzdem gibt es sogar etwas Positives an dem frühzeitigen Verfehlen des Ziels.

Wir müssen ehrlich sein und sagen, dass wir nicht den Fatih zurückbekommen haben, der von der Viktoria in die Türkei gewechselt ist. Fatih ist nicht zu 100 Prozent fit. Er hat in der Türkei wenig gespielt und das Leben dort etwas genossen.
Wernze über Candan

Was denn?
Wir haben nach Wattenscheid umgehend mit den Planungen für die kommende Saison begonnen. Mit David Jansen und Fatih Candan haben wir schon im Winter nachgelegt. Ich denke, dass wir im Angriff sehr gut besetzt sind - auch für die Zukunft. Neun Verträge laufen aus und da werden wir genau hinschauen, wer sich für die Viktoria zerreißt. Aber auch die anderen Spieler, deren Verträge über die Saison hinaus gültig sind, dürfen sich nicht sicher fühlen. Wir haben auch in der Vergangenheit schon Kontrakte aufgelöst. Am Ende wird der Trainer entscheiden, mit wem er zusammen arbeiten will.

Wird denn Kaczmarek am 1. Juli noch Trainer der Viktoria sein?
Stand heute kann ich diese Frage mit einem klaren Ja beantworten. Tomek ist 31 Jahre jung, sehr talentiert und kann auf eine beeindruckende Vita verweisen. Er ist ein begehrter Fußball-Trainer. Das wissen wir auch. Falls er ein Angebot erhalten sollte, dann wird er dieses wahrscheinlich prüfen. Das wissen wir ebenfalls. Wir haben uns darauf verständigt, dass wir Mitte April gegenseitig Klarheit über die Zukunft haben. Dann fallen die Entscheidungen.

Zuletzt wurden die Namen von Andreas Zimmermann und Marco Antwerpen mit Viktoria Köln in Verbindung gebracht. Haben Sie einen Plan B in der Tasche?
Nein! Wir unterhalten uns zurzeit mit keinem anderen Coach. Wir haben einen Trainer. Wie gesagt: Mitte April werden wir mehr wissen. Wir sind da entspannt. Falls es mit Tomek nicht weitergehen sollte, dann werden gleich 50 Trainer vor der Tür stehen. Da machen wir uns keine Sorgen.

Sie haben eben Fatih Candan angesprochen: Er wurde als großer Hoffnungsträger zurückgeholt. Warum spielt er so wenig?
Wir müssen ehrlich sein und sagen, dass wir nicht den Fatih zurückbekommen haben, der von der Viktoria in die Türkei gewechselt ist. Fatih ist nicht zu 100 Prozent fit. Er hat in der Türkei wenig gespielt und das Leben dort etwas genossen. Ich bin mir aber sicher, dass Fatih noch zum Ende der Saison hin einige Tore erzielen wird und zur Topform zurückfindet. Spätestens in der neuen Serie wird er ein ganz wichtiger Bestandteil der Mannschaft sein.

Falls wir am Ende in den DFB-Pokal einziehen und der Unterbau seine Ziele erreicht, dann können wir von einem wirklich guten Jahr sprechen
Franz-Josef Wernze

Kann diese Saison in irgendeiner Form noch gerettet werden?
Natürlich. Wir werden kein Spiel abschenken und auch der Trainer wird alles versuchen um erfolgreich zu sein. An Ostermontag spielen wir zum Beispiel gegen Rot-Weiss Essen. Das ist immer ein Prestige-Duell, auf das sich beide Seiten freuen. Da haben wir nichts zu verschenken. In diesem Jahr hat nicht nur die Viktoria enttäuscht. Auch Essen, Oberhausen oder Aachen - alles Zuschauermagneten der Liga - haben ihr Ziel nicht erreicht. Wir wollten alle oben mitspielen. Das ist in dieser Liga nicht einfach. Bis auf Mönchengladbachs U23 und Lotte hat niemand der gehandelten Titelaspiranten sein Ziel erreicht. Wir stehen noch im Pokal-Halbfinale und wollen Freialdenhoven schlagen und ins Finale einziehen. Dort würde wahrscheinlich Fortuna Köln warten. Dieses Duell würde die Stadt elektrisieren. Unser Ziel ist jetzt der Pokalsieg. Zudem sind unsere U17 und U19 auf einem guten Weg in die Junioren-Bundesliga. Die Reserve spielt um den Bezirksliga-Aufstieg. Falls wir am Ende in den DFB-Pokal einziehen und der Unterbau seine Ziele erreicht, dann können wir von einem wirklich guten Jahr sprechen.

Die Viktoria wollte in die Infrastruktur investieren. Wie ist da der Stand der Dinge?
Wir haben alle Grundlagen dafür geschaffen, dass unser Nachwuchsleistungszentrum vom DFB anerkannt wird. Das sollte im Sommer der Fall sein. Das wäre ein erster Schritt. Jetzt hoffen wir, dass wir im Frühjahr grünes Licht von der Stadt erhalten, um eine Grünfläche nahe des Stadions für uns zu gewinnen. Da würden wir einen zweiten Kunstrasenplatz bauen. Dann hätten wir das Stadion und zwei Kunstrasenplätze. Da ergeben sich gleich andere Möglichkeiten. Stand jetzt muss nämlich die erste Mannschaft oft in der Fremde, wie in Hennef, trainieren. Das kann kein Dauerzustand sein.

Und das Stadion?
Das ist eine komplizierte Sache. In Köln gab es zuletzt ein politisches Vakuum. Jetzt haben wir eine grün-schwarze Stadtregierung und ich habe das Gefühl, dass da mehr Interesse für den Sport vorhanden ist. Aber wir müssen realistisch sein: Der Sportpark Höhenberg liegt in einem Naturschutzgebiet. Da ist es sehr schwer Modernisierungen vorzunehmen. Wenn überhaupt, dann werden wir darüber erst nach einem Aufstieg in die 3. Liga nachdenken. Ähnlich wird die Stadt denken. Wir müssen erst unsere Hausaufgaben machen und dann Wünsche äußern.

Autor: Krystian Wozniak

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