Was für ein Bild im Iserlohner Willi-Vieler-Stadion nach Abpfiff des Westfalenliga-Spiels zwischen dem heimischen FCI und Westfalia Herne:

Herne

Last-Minute-Schock für die Westfalia

Philipp Ziser
13. März 2016, 23:07 Uhr
Foto: Thorsten Tillmann

Foto: Thorsten Tillmann

Was für ein Bild im Iserlohner Willi-Vieler-Stadion nach Abpfiff des Westfalenliga-Spiels zwischen dem heimischen FCI und Westfalia Herne:

Auf dem Kunstrasen musste sich SCW-Trainer Christian Knappmann erst einmal sortieren, um dann beiden Mannschaft ein großes Lob auszusprechen. Zwanzig Meter weiter feierte der Tabellendritte das 2:2 gegen den Neunten im Mannschaftskreis, auf der Tribüne fluchte der Herner Frederik Streit über den späten Ausgleich, den seine Mannschaft hinnehmen musste.

Denn der SCW hätte auch drei Punkte statt nur einem holen können. Gute 70 Minuten lang hatte Westfalia es geschafft, dem Topteam aus dem Sauerland das Spiel kaputt zu machen und ihren Herner Fußball aufzudrücken. Wille, Kampfgeist, Härte zeichneten den SCW von der ersten Minute an aus, der FC wirkte erschrocken, wie die Gäste es wagten, ihm so deftig auf die Füße zu treten. Denn genau das taten die Herner: Es knallte und rappelte an allen Ecken und Enden des Spielfelds, es war nickelig, hitzig und hochemotional -- spätestens als der FCI Mitte der ersten Halbzeit begann, sich ebenso hart zu wehren. Neun Gelbe Karten zeigte der teils überforderte, aber sicher auch nicht beneidenswerte Unparteiische in den 90 Minuten.

Dem SCW lag dieses Spiel sichtlich besser als den Gastgebern, denen offensiv nur wenig gelang. Die langen Kerls Rieker und Klaas hielten den Luftraum des SCW sauber, davor räumte Frederik Streit ab. Knallhart, kompromisslos, oft an der Grenze der Legalität, aber vor allem wirkungsvoll beendete er einen FCI-Angriff nach dem anderen und kurbelte das SCW-Spiel an. Dass er auf der Tribüne als „Asi ohnegleichen“ tituliert wurde, darf der Herner Sechser wohl als bewundernde Anerkennung für diese Leistung verstehen.

Onucka profitiert von Torwartfehler

Kurz gesagt: Westfalia zeigte genau die Art Fußball, die Trainer Christian Knappmann sehen wollte: „Wir haben ein überragendes Spiel gemacht, haben viel gearbeitet, sind marschiert, haben hoch gepresst.“ Und sich so einen 2:0-Vorsprung verdient: Schon nach zehn Minuten schloss Marco Onucka sehenswert zur Führung ab, beim zweiten Tor kurz nach der Pause profitierte er von einem kapitalen Bock des Iserlohner Schlussmanns. Der FCI dagegen bot Hauruck-Fußball, wurde lange nur durch Einzelaktionen von Toptorjäger Lukas Lenz gefährlich – der fand aber in Benjamin Carpentier seinen Meister.

Doch Knappmann konnte nachher nicht umhin, auch den Gegner zu loben: „Hut ab vor Iserlohn, hier noch zurückzukommen, das Remis war hinten raus verdient.“ Denn der SCW konnte sein hohes Tempo nicht mehr konstant hochhalten und der FCI zeigte endlich, warum er sich noch Hoffnungen auf den Oberliga-Aufstieg machen darf: Grässer haute den Ball nach einer Direktkombination zum Anschluss in den Knick. Es folgte eine Viertelstunde Iserlohner Sturmlauf, die Herne fast heil überstanden hätte: Erst in der Schlussminute zeigte Lukas Lenz, warum er die Torjägerliste der Westfalenliga anführt – indem er eine lange Flanke zum 2:2 eiskalt einnickte.

Das war aber nicht der Paukenschlag zum Schluss, sondern erst der Auftakt einer packenden Nachspielzeit: Beide wollten den Dreier, lieferten sich einen wilden Schlagabtausch. Schwer erklärbare Fehlschüsse von Klaas, der aus drei Metern den Torwart anschoss, und FCI-Joker Schattling, der mutterseelenallein vor Carpentier neben den Ball säbelte, verhinderten aber das ganz große Finale.

Spiel wäre fast abgesagt worden

„Das war Werbung für Westfalenliga-Fußball“, fand Christian Knappmann. Zur Randnotiz verkam durch den spektakulären Schlagabtausch, dass die Partie fast abgesagt worden wäre. Aufgrund einiger gefährlicher Löcher im Kunstrasen wollte der Schiedsrichter nicht anpfeifen. Erst nachdem der Gastgeber mit etwas Klebeband die schlimmsten Stellen geflickt hatte, durfte der Ball mit leichter Verspätung dann rollen – zum Glück.

Autor: Philipp Ziser

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