Hölle, Hölle, Hölle! Dem von Schlagerbarde Wolfgang Petry besungenen „Wahnsinn“ dürften sie bei der städtischen Grundstücksverwaltung Essen (GVE) inzwischen sehr nahe sein.

Stadion Essen

Nie wieder Konzerte an der Hafenstraße?

Markus Schymiczek
11. März 2016, 16:13 Uhr
Foto: Tillmann

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Hölle, Hölle, Hölle! Dem von Schlagerbarde Wolfgang Petry besungenen „Wahnsinn“ dürften sie bei der städtischen Grundstücksverwaltung Essen (GVE) inzwischen sehr nahe sein.

Immer dann, wenn es um Konzerte im Stadion Essen geht. Denn die Hoffnung des Betreibers, die finanziell tiefrote Bilanz der Arena durch Auftritte nationaler und internationaler Stars aufzuhübschen, ist zerstoben wie ein Sternchen am Schlagerfirmament. Wie GVE-Geschäftsführer Dirk Miklikowski im Gespräch mit der Redaktion erklärte, wird in diesem Jahr kein einziges Konzert an der Hafenstraße über die Bühne gehen. Der einzige Schlager, der im Stadion Essen gespielt wird, ist also Siw Malmkvists „Adiole“, das sie bei den Heimspielen von RWE anstimmen. Vorausgesetzt, die Roten treffen ins Tor, was zuletzt ja eher selten der Fall war.

Dabei lief das Konzertgeschäft aus der Ferne betrachtet zunächst gar nicht schlecht an mit Gastauftritten von Xavier Naidoo, Black Sabbath oder Unheilig. Auch bei der Schlagernacht im Juli 2014 mit Heino, dem Wendler und anderen Szene-Größen hatten die Leute jedenfalls ihren Spaß.

Das Problem aus Sicht der GVE: Unterm Strich zahlte der Stadionbetreiber drauf – dem Vernehmen nach mindestens 200.000 Euro. Mit der Konzertagentur 2 M Events GmbH von Veranstalter Rüdiger Mengede hat sich die städtische Tochtergesellschaft deshalb überworfen. Ein Streit über vermeintlich offene Zahlungen dürfte nun vor Gericht ausgetragen werden. „Wir haben Klage eingereicht“, sagt Miklikowski.

Der Aufwand lohnt sich nicht
Rüdiger Mengede will sich auf Anfrage der Redaktion zu dem Streit nicht äußern. Dass in diesem Jahr kein Konzert stattfinden, bestätigt er – „was uns betrifft“.

Ob das Stadion Essen überhaupt noch einmal auf einem Tourneeplan auftauchen wird, steht für GVE-Chef Miklikowski in den Sternen. Sein Haus habe eine Konzertagentur hinzugezogen. Das Ergebnis: Für den Stadionbetreiber wäre es auf ein Nullsummenspiel hinaus gelaufen. Dafür lohne sich der Aufwand nicht. Im Gegenteil: So spart die GVE es sich, den teuren Rasen allzuschnell erneut austauschen zu müssen.

Im hart umkämpften Veranstaltungsgeschäft könne das Stadion Essen allenfalls eine Nische besetzen, heißt es. Die Rahmenbedingungen sind nicht optimal. Welcher namhafte Künstler richtet sich schon am Spielplan eines Viertligisten aus? Konzerte müsse man immer „irgendwie dazwischen quetschen“ , sagt Miklikowski. Ob allein die Reputation als Veranstaltungsort Grund genug wäre, das Konzertgeschäft noch einmal zu beleben, müsste im Zweifel der Aufsichtsrat entscheiden, also der verlängerte Arm der Politik. Eines steht für Miklikowski fest. Sollte auch im nächsten Jahr nichts passieren an der Hafenstraße, sähe es für das Stadion Essen als Ort für Konzertveranstaltungen zappenduster aus.

Autor: Markus Schymiczek

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