Kann man sich, bildlich gesprochen, zu Tode siegen? Im Fall der SG Wattenscheid 09 ist dieser Gedanke gar nicht so abstrus, wie er klingt.

Wattenscheid 09

Siegt sich die SGW zu Tode?

Michael Eckardt
09. März 2016, 18:50 Uhr
Foto: Thorsten Tillmann

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Kann man sich, bildlich gesprochen, zu Tode siegen? Im Fall der SG Wattenscheid 09 ist dieser Gedanke gar nicht so abstrus, wie er klingt.

Niemand hat damit gerechnet, dass die aktuelle Mannschaft dermaßen erfolgreich sein könnte. Nun eilt der Regionalligist praktisch seit Saisonbeginn von Sieg zu Sieg, doch beklatscht und besungen wird die Sportgemeinschaft in der Regel inzwischen nur noch von den immer gleichen 400, 500 treuen Anhängern. Das ist auf Dauer zu wenig, um die Gehälter und die inzwischen beachtlichen Punkt- und Siegprämien bezahlen zu können.

„Es ist eine mehr als große Herausforderung, mit solchen Zuschauerzahlen die Regionalliga zu finanzieren.“ Mit diesen Worten wird Gabi Vit, die Vorsitzende der SG 09, auf der Homepage des Vereins zitiert. Der Klub sitzt offenbar fest – in einem Teufelskreis: Gute Leistungen werden im Umfeld nicht wirklich honoriert, weil sich die meisten Fußballfans im Ruhrgebiet und damit natürlich auch die in Wattenscheid längst entschieden haben – für Schalke, Dortmund, den VfL oder eben den bequemen Fernsehsessel. Liefert aber ein Klub wie die SG 09 schwächere Leistungen ab, dann droht ihm alsbald der Total-Absturz.

„Die Leistung der Mannschaft in der englischen Woche war sensationell“, sagte Trainer Farat Toku nach dem 2:1-Erfolg am Dienstag gegen Erndtebrück. Damit hat er sicher recht, denn wie immer ist die Gesamtsituation der SG 09 besonders im Winter problematisch. Es ist „stets schwierig genügend Rücklagen zu erwirtschaften, die zum Beispiel die harte Zeit ohne Zuschauereinnahmen in den Monaten Dezember und Januar abfedern könnten“, heißt es bei Gabi Vit. Im Klartext dürfte das bedeuten, dass der Klub derzeit mit seinen Verpflichtungen gegenüber Spielern und Trainern in Verzug geraten ist; wieder einmal, wie all’ die Jahre zuvor schon. Und dennoch funktioniert das Team, bildet eine kompakte Einheit und will vor allem eins: Erfolg. So etwas kann man nicht hoch genug bewerten.

Aber auch das bislang tadellose Verhalten von Spielern und Trainern wird die Konkurrenz, neben der erkennbaren Qualität, aufmerksam registrieren. Farat Toku und die Spieler wecken mit jedem weiteren Sieg mehr Interesse. Dass es dem Klub gelingen wird, für die kommende Saison eine ähnlich starke Mannschaft auf die Beine zu stellen, darf man angesichts der schwierigen finanziellen Lage getrost bezweifeln.

Viele Hoffnungen ruhen inzwischen auf dem durchaus möglichen Einzug der Wattenscheider in die erste Hauptrunde des DFB-Pokals. Das wäre, wird Gabi Vit zitiert, „sicherlich eine tolle Geschichte“. Allerdings ist die SG 09 ja auch Schuldner. Und kommen die plötzlich zu Geld, dann stehen flott die Gläubiger auf der Matte.

Autor: Michael Eckardt

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