Endlich ist der Knoten geplatzt, endlich, im sechsten Anlauf, durfte Christian Knappmann seinen ersten Dreier als Westfalia-Trainer feiern.

Herne

Westfalia siegt erstmals unter Knappmann

Wolfgang Volmer
06. März 2016, 20:15 Uhr
Foto: Thorsten Tillmann

Foto: Thorsten Tillmann

Endlich ist der Knoten geplatzt, endlich, im sechsten Anlauf, durfte Christian Knappmann seinen ersten Dreier als Westfalia-Trainer feiern.

Doch statt Genugtuung zur Schau zu tragen und sich im Kreise der Schulterklopfer zu sonnen, stellte der 34-Jährige sein Ego weit zurück. Vielmehr zollte er dem Gegner Respekt, dankte seinen Jungs, dass sie so viel Herzblut für Westfalia Herne aufgebracht hätten („in der Kabine sitzen keine Söldner“), lobte besonders die oft kritisierten Marko Onucka und Fatmir Ferati („Fatmir ist in seiner ganzen Karriere nicht so viel gelaufen wie in diesem einzigen Spiel“) und nahm zu guter Letzt auch die Fans mit ins Boot, deren Zuspruch gerade in schwierigen Zeiten ihn sehr gefreut habe. Manche Zuhörer mag diese Reaktion erstaunt haben, aber sie war wohl bedacht und zeigt: Knappmann will den Erfolg und er weiß, dass es nur miteinander geht.

Seine Spieler gehen jedenfalls für ihn durchs Feuer. Zumindest vermittelten sie gegen Hordel diesen Eindruck. 90 Minuten pflügten sie den ohnehin schon tiefen und unebenen Platz um, auf dem manche gut gemeinte Aktion zur Slapstick-Nummer verkam. Auch die Herner leisteten sich etliche Querschläger und grobe Schnitzer, aber läuferisch und kämpferisch gaben sie alles.

Zaskokus Kopfball wird abgeblockt
Und das reichte, um die stark beginnenden Hordeler nach fünf Minuten in den Griff zu bekommen. Fortan hatte der SCW deutlich mehr vom Spiel, ohne jedoch zunächst zu klaren Abschlüssen zu kommen. Den bis dahin schönsten Angriff, eingeleitet durch Feratis Traumpass auf Gumpert, konnte Zaskoku nicht veredeln, sein Kopfball wurde zur Ecke abgefälscht (30.).

Danach gönnte sich Herne eine schöpferische Pause, und sofort war Hordel da. Erst verstolperte Kontny, als Elbers durchsteckte (35.), dann lenkte Carpentier Wilkes Schuss mit den Fingerspitzen noch über die Latte (37.). Kurz darauf aber wäre der SCW-Keeper gewiss machtlos gewesen, als Hordel über die linke Seite widerstandslos durchspazierte, Elbers aber aus bester Schussposition über den Ball säbelte (38.).

Zwei Minuten später toppte der Ex-Sodinger dieses Missgeschick noch, als er zwei Meter vor dem leeren Tor den Ball nicht über die Linie bugsieren konnte. Was aber passiert, wenn man solche Chancen auslässt, das weiß jeder Fußballer: Es klingelt im eigenen Tor. So auch gestern in Herne. Kurz vor der Pause hielt Onucka die Fußspitze in Feratis Freistoßflanke, und Kampschäfer war erstmals geschlagen.

In der zweiten Hälfet aber machte die Knappmann-Elf aus einer glücklichen Pausenführung einen hoch verdienten Sieg. Jetzt drehten vor allem Onucka und Ferati auf, die beiden Edeltechniker. Erst schickte Ferati Gumpert auf die Reise, dessen Schuss wehrte Kampschäfer direkt vor Kayas Füße ab, aber der Herner hatte Rückenlage und schaufelte die Kugel aus fünf Metern über den Balken (51.). Drei Minuten später prüfte Ferati den TuS-Keeper mit einem schlitzohrigen Freistoß aus spitzem Winkel, ehe beim folgenden Angriff dann doch das 2:0 fiel. Enes Kaya war mit Frederik Streits direkt gespielten Steilpass in den Sechzehner eingedrungen und hatte quer auf den freistehenden Onucka abgelegt, der überlegt einschoss.

Noch aber gab sich Hordel nicht geschlagen. Bektas schlug ein Mützel-Geschenk mit einem zu unplatzierten Schuss zwar aus (59.), kurz darauf aber fiel doch der Anschlusstreffer, als der gerade eingewechselte Florian Juka im dritten Anlauf endlich die Lücke fand. Nun wackelet der SCW wieder, aber noch ehe sich das im Ergebnis niederschlagen konnte, stellte Ferati mit einem Freistoß aus 23 Metern den alten Abstand wieder her. Fast war es ein Treffer mit Ansage, in jedem Fall war es der verdiente Lohn für eine starke Leistung des Zauberfußes. Vor allem aber war es: Der Sieg. Der erste unter Trainer Knappmann.

Autor: Wolfgang Volmer

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