Möglicherweise wird die Bezirksliga 10 den Rest der Saison mit einer Mannschaft weniger bestreiten müssen. Die Spieler von Fortuna Herne wollen nicht mehr antreten: Differenzen mit dem Vorstand.

SV Fortuna Herne

Mannschaft tritt in Spiel- und Trainingsstreik

Wolfgang Volmer
03. März 2016, 16:06 Uhr
Foto: Barbara Zabka

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Möglicherweise wird die Bezirksliga 10 den Rest der Saison mit einer Mannschaft weniger bestreiten müssen. Die Spieler von Fortuna Herne wollen nicht mehr antreten: Differenzen mit dem Vorstand.

Der SV Fortuna Herne schlittert immer tiefer in die Krise. Nachdem es schon bei der Jahreshauptversammlung Missstimmungen gab, der Vorstand nur mit knapper Mehrheit entlastet wurde und seitdem nurmehr kommissarisch die Geschäfte führt, ließ nun die erste Mannschaft die Bombe platzen. Sie will ab sofort den Trainings- und Spielbetrieb einstellen – so lautet ihr Beschluss, den sie direkt nach einer Teambesprechung am Dienstagabend per Facebook und auf der Vereins-Homepage öffentlich machte.

„So lassen wir nicht mit uns umgehen. Das kann der Vorstand knicken, da machen wir nicht mit“, so lässt sich ein „völlig enttäuschter“ Trainer Michele Di Bari in den sozialen Netzwerken zitieren. Aussagen, die er im Gespräch mit der WAZ unterstreicht und auch begründet. „Die Mannschaft hat im Oktober bereits auf einiges verzichtet, weil der Vorstand die getroffenen Vereinbarungen nicht einhalten konnte. Und nun soll auch das, was damals vereinbart wurde, nicht mehr gelten“, erläutert Di Bari.

Dabei bezieht er sich auf ein Telefongespräch, das er am Dienstag mit dem kommissarischen 1. Vorsitzenden Ingo Descher geführt habe. „Eigentlich ging es nur um den Physio, der wissen wollte, wann er sein Geld kriegt.“ Daraufhin habe Descher „rumgeeiert“, habe auf eine E-Mail an ihn, den Trainer, verwiesen, die er nie erhalten oder aber übersehen habe. „Und dann hat er gesagt, dass es gar nichts mehr geben soll.“ Dies habe er, di Bari, der Mannschaft mitgeteilt, die sich daraufhin zusammengesetzt und einhellig beschlossen habe, ab sofort den Trainings- und Spielbetrieb einzustellen. Er selbst habe sich aus der Diskussion komplett herausgehalten. „Im Oktober habe ich noch dafür geworben, zusammen zu bleiben und gemeinsam da durchzugehen. Es gibt immer mal schwere Zeiten.“ Dass aber auch die damals getroffene Absprache nach nur vier Monaten nicht mehr gelten solle, enttäusche ihn maßlos. „Wer sein Wort gibt, sollte es auch halten“, so Di Bari.

Der Vorsitzende zeigte sich von der Entwicklung überrascht und fühlt sich missverstanden. „Die definitive Aussage, dass es nichts mehr gibt, habe ich nicht getätigt“, beteuert Ingo Descher. Der vereinbarte Zahltag sei der zweite Donnerstag im Monat, und bis dahin habe man noch gut eine Woche Zeit. „Es ging lediglich um das Wie. Wir sind ja nur noch kommissarisch im Amt und wissen nicht, wie es nach dem 25. März weiter geht, ob dann ein neuer Vorstand gewählt ist“, so Descher weiter. Dies sei für ihn und seine Vorstandskollegen Manfred Judel und Mucahit Köse eine „neue und blöde“ Situation. „Wir wissen auch nicht, wie man da richtig reagiert. Aber wir wollen uns nach allen Seiten absichern.“

Konkretisieren will der kommissarische Fortunen-Chef diese etwas nebulösen Aussagen nicht. „Ich mache mich doch hier nicht gläsern“, so Descher. Allerdings verhehlt er nicht, dass er den Schritt der Mannschaft für überzogen und voreilig hält. „Wir hatten eigentlich vor, am Donnerstag ein Treffen mit dem Spielerrat zu organisieren und alles in Ruhe zu besprechen.“ Dem aber kam die Mannschaft mit ihrem Schritt an die Öffentlichkeit zuvor.

Offiziell abgesagt ist das Spiel bei der SpVg. Arminia Bochum am Sonntag allerdings noch nicht.

Autor: Wolfgang Volmer

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