Kennen Sie Thies Kambach? Wenn Sie jetzt mit ja antworten, dann kommen sie wahrscheinlich aus dem Raum Bielefeld.

Thies Kambach

Ihn bringt Fußball nicht zum Schwitzen

01. März 2016, 07:57 Uhr
Foto: Jakob Studnar

Foto: Jakob Studnar

Kennen Sie Thies Kambach? Wenn Sie jetzt mit ja antworten, dann kommen sie wahrscheinlich aus dem Raum Bielefeld.

Deutschlandweit ist der Stürmer des Westfalenligisten VfL Theesen aber ebenso unbekannt wie die Krankheit, mit der er nun seit 33 Jahren lebt und die es ihm eigentlich schwer bis unmöglich machen müsste, auf hohem Niveau Fußball zu spielen. Denn Kambach kann nicht schwitzen.

Gerade einmal ein Jahr war Thies Kambach alt, als sein Leben in Gefahr geriet. Seine Eltern fuhren mit ihrem kleinen Sohn im Auto, die Sonne schien aufs Dach. Auf dem Rücksitz wurde der junge Thies bewusstlos, sein Körper hitzte sich stark auf. Die Ärzte diagnostizierten bei Kambach eine Form der ektodermalen Dysplasie. Eine sehr seltene Krankheit, die sich auf verschiedene Art und Weise äußern kann. Bei Kambach äußert sie sich in erster Linie im Fehlen von Schweißdrüsen.

Heute, 32 Jahre später, erzählt Kambach, dass dieser Tag im Auto der einzige in seinem Leben war, an dem die Krankheit für ihn gefährlich wurde. „Ich habe für mich festgestellt, wieviel ich meinem Körper zumuten kann“, sagt er. Und das ist überraschend viel. Kambach entdeckte früh seine Liebe zum Fußball. Er fing an in Dornberg in der Kreisliga, wechselte erst nach Theesen und dann nach Verl in die Oberliga, stieg sogar in die Regionalliga auf. Überall war er der Torjäger. Es brauchte einen Schien- und Wadenbeinbruch, um ihn aufzuhalten. Die Krankheit hat es nicht getan.

Es wird nicht besser, es wird auch nicht schlechter. Ich muss keine Medikamente nehmen
Thies Kambach

Natürlich ist sie ein Handicap. Im Sommer, wenn die Temperaturen 22, 23 Grad erreichen, muss Kambach passen. Die Vorbereitung auf jede neue Saison verpasst er üblicherweise. Wenn er dann spielt, muss Kambach sich externe Abkühlung holen. Etwa alle zehn Minuten rennt er zum Rand, taucht sein Trikot in kaltes Wasser und zieht es sich wieder an. Bei den Hallenstadtmeisterschaften geht er nach jedem Spiel duschen.

Der Essener Sportmediziner Dr. Jochen Marks konnte sich zunächst kaum vorstellen, dass Kambachs Geschichte wahr ist. „Es ist eine erhebliche Anforderung an den Körper, mit dieser Krankheit Fußball zu spielen“, sagte der Arzt, mit dem wir über den Fall des Bielefelder Torjägers sprachen. Er musste zugeben: „Ich bin beeindruckt. Er hat meine sportliche Anerkennung.“ Kambachs Krankheit – er selbst nennt sie nur eine „Beeinträchtigung“ – hat für ihn über das Fehlen von Schweißdrüsen und einen unregelmäßigen Haarwuchs hinaus keine weiteren negativen Folgen. „Es wird nicht besser, es wird auch nicht schlechter. Ich muss keine Medikamente nehmen“, erklärt er.

Kambach hat sich mit seinem Handicap schon lange arrangiert und sieht es positiv: Er ist ein echtes Unikat. Es gibt nur eine kleine Gruppe von Menschen, die unter der gleichen Erkrankung leiden. Statistisch gesehen tritt eine Form der Ektodermalen Dysplasie bei sieben von 10 000 Neugeburten auf. Fußball auf hohem Niveau spielt nur einer – allerdings nicht mehr lange. Am Ende der Saison beendet Kambach seine aktive Karriere. Danach macht er direkt als Trainer weiter und übernimmt den Bezirksligisten TuS Dornberg, bei dem er einst seine ersten Schritte als Fußballer machte. Für Kambach ist klar: „Ohne Fußball geht es nicht.“

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