Die Saison ist noch gar nicht gestartet und schon könnte Dortmunds Marco Dej den ersten Titel einfahren. Es ist keine hübsch funkelnde Trophäe, die ihn womöglich erwartet, sondern vielmehr ein auf den ersten Blick recht unscheinbares Textilstück: die Kapitänsbinde. In den letzten zwei Jahren hatte Dej sie inne, gegen eine Wiederholung hätte der defensive Mittelfeldspieler nichts einzuwenden: „Ich würde mich freuen, wenn ich es erneut werde, aber das entscheidet allein unser Trainer Peter Hyballa.“

Dortmund A-Jugend: Marco Dej bleibt auf dem Boden

Der erste Titel der Saison

gri
07. August 2007, 17:11 Uhr

Die Saison ist noch gar nicht gestartet und schon könnte Dortmunds Marco Dej den ersten Titel einfahren. Es ist keine hübsch funkelnde Trophäe, die ihn womöglich erwartet, sondern vielmehr ein auf den ersten Blick recht unscheinbares Textilstück: die Kapitänsbinde. In den letzten zwei Jahren hatte Dej sie inne, gegen eine Wiederholung hätte der defensive Mittelfeldspieler nichts einzuwenden: „Ich würde mich freuen, wenn ich es erneut werde, aber das entscheidet allein unser Trainer Peter Hyballa.“

Dej ist viel zu bescheiden, die Binde lautstark zu fordern. Und das ist auch ein Grund, warum er sich über das Amt freuen würde: „Ich bin nicht der große Redner auf dem Feld. Die Binde wäre eine Chance, mich da weiterzuentwickeln.“ Sein selbstkritischer Zusatz: „Im letzten Jahr kam da noch etwas zu wenig von mir, ich muss noch mehr Präsenz zeigen.“

Rein fußballerisch gelingt ihm das schon recht ordentlich, der „Sechser“ dürfte eine Konstante in der BVB-Defensive bilden. Gute Voraussetzungen also für seine letzte Saison in der Jugend, die zweifellos eine ganz entscheidende für die weitere Laufbahn sein wird. Zwar enthält Dejs Vertrag bereits eine beidseitige Option auf weitere zwei Jahre in der Regionalliga-Mannschaft, doch der Youngster betont: „Diese Chance muss ich mir verdienen. Wenn ich schwach spiele und abzusehen ist, dass ich bei den Amateuren keine Chance hätte, dann würde eine Verlängerung keinen Sinn machen.“

Die Skepsis des Talents speist sich aus den Erfahrungen der letzten Monate. Lange Zeit stand er im Aufgebot der deutschen U17-Nationalmannschaft, nach einer Leisten-Verletzung fand er nicht mehr zurück. „Ich konnte nicht mehr die Leistungen wie zuvor abrufen, auf meiner Position waren die Bender-Zwillinge von 1860 München einfach stärker als ich“, analysiert der 18-Jährige das zwischenzeitliche Form-Tief. Sein Zusatz: „Jetzt ist es schwer, wieder den Anschluss zu finden. Aber es wäre schön, zumindest im erweiterten 30er-Kader zu stehen. Das Zeug dazu hätte ich.“

Vorrangig ist für ihn aber der Erfolg mit der Borussia. „Prognosen gebe ich lieber nicht ab, das geht meistens nach hinten los“, lächelt Dej, der mit seinem Team trotzdem „oben mitspielen“ möchte. Die Voraussetzungen dafür sind durchaus vorhanden, der Großteil des Kaders stand in den letzten zwei Spielzeiten jeweils im Finale um die Deutsche U17-Meisterschaft. Ein ähnlicher Groß-Angriff auf die Spitze wird beim BVB nur hinter vorgehaltener Hand thematisiert, dennoch ist es kein gänzlich unrealistisches Szenario. Zumal der neue Linien-Chef mächtig frischen Wind hineinbringt, wie Dej bemerkt: „Peter Hyballas Philosophie unterscheidet sich grundlegend von der seiner Vorgänger. Er will schön und attraktiv spielen lassen, aber auch zielstrebig. Daher agieren wir zwar weiter auch über die Außen, aber wir dringen viel häufiger auch in den Strafraum vor.“

Ganz entschieden ab durch die Mitte agiert der Schüler im Gymnasium, im kommenden Sommer will er sein Abitur in der Tasche haben. „Ich kann die Doppelbelastung gut organisieren, das sollte schon machbar sein“, betont der Ex-Kicker von Westfalia Wickede. Er mogelt sich nicht einfach so durch, sondern weiß auch in Sachen Paukerei zu überzeugen. „Ich will mir eine vernünftige Basis schaffen, falls es mit dem Fußball nicht klappen sollte“, erklärt „Jimmy“, der seit drei Jahren mit seiner Freundin Christina zusammen ist. „Sie interessiert sich zwar eigentlich gar nicht für Fußball, kommt aber trotzdem manchmal zu meinen Spielen“, lächelt Dej. Und hofft insgeheim, seine Freundin in Zukunft in größeren Arenen als dem altehrwürdigen Holzwickeder Stadion begrüßen zu dürfen.

Autor: gri

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