Der SC Westfalia bestritt 17 Testspiele in sechs Wochen, kassierte heftige Klatschen, zeigte aber auch gute Ansätze.

Herne

Knappmann über Testspielklatschen und seine Zukunft

Philipp Ziser
19. Februar 2016, 11:07 Uhr
Foto: Thorsten Tillmann

Foto: Thorsten Tillmann

Der SC Westfalia bestritt 17 Testspiele in sechs Wochen, kassierte heftige Klatschen, zeigte aber auch gute Ansätze.

Der SCW wurde beim Gall-Pokal inoffizieller Stadtmeister, nebenbei wurde der Kader umgekrempelt. Trainer Christian Knappmann erklärt sein Vorgehen im Gespräch mit Philipp Ziser.

Her Knappmann, wie bewerten Sie die Vorbereitung des SC Westfalia? Wer nur auf Ergebnisse blickt, könnte von einer katastrophalen Vorbereitung sprechen. Fatlum Zaskoku und ich haben aber nur ein Mal darauf geachtet – beim Gall-Pokal. Sonst orientieren wir uns an dem, was wir als Ursache für die Ergebnisse der Hinrunde ausgemacht haben.

Und wo lagen die?
Warum steht eine individuell so stark besetzte Mannschaft auf Platz 10 der Westfalenliga? Erster Schluss: Wir hatten große körperliche Defizite. Mit der Uni Münster haben wir das getestet, die Ergebnisse waren exorbitant schlecht. Jetzt hat die Mannschaft 26 Prozent bessere Werte. Zweitens mussten wir uns defensiv verbessern. Taktisch und personell, sowohl sportlich als auch charakterlich. Das haben wir mit unseren Neuzugängen.

Gegentore hagelte es aber nicht nur beim 2:13 gegen Oberhausen oder 1:9 gegen Dröschede.
Da werbe ich um Verständnis. Wir haben anfangs absichtlich, am Ende teils notgedrungen mit ganzen Blöcken junger Spieler gespielt. In Herne wird oft gefordert, man solle Eigengewächse in die erste Mannschaft bringen. Dass Gies oder Mumcu gegen A-Ligisten spielen können, weiß ich. Sie müssen aber auch Erfahrungen gegen Oberhausen oder Uerdingen sammeln, um eine Option zu werden.

„Teils notgedrungen“ – hängt die Misere nicht auch mit den vielen Spielen zusammen?
Nein, viele sind einfach krank. Und die Verletzten sind nicht verletzt, weil sie überlastet sind. Immer diese Zahl von 17 Testspielen ins Feld zu führen, ist unreflektiert. Beim Turnier in Leusberg haben wir zweimal dreißig Minuten gespielt. Ich halte nichts davon, einen Spieler achtmal eine Halbzeit lang spielen zu lassen. In der Meisterschaft spielt er auch länger. Wer genau hinschaut, sieht, dass die meisten tatsächlich acht oder neun Spiele machen mussten, die aber bei voller Belastung. Auf diesem Niveau sollte man Spieler nicht in Watte packen, man muss sie auch körperlich fordern dürfen.

Macht das notorisch nörgelige Westfalia-Umfeld die Aufgabe noch schwieriger?
Ach, Getuschel und Kritik sind doch das Schöne hier. Ich will nicht bei einem Verein arbeiten, der keine Außenwirkung und keine Ambitionen hat. Das macht die Aufgabe schwerer, aber das macht doch den Reiz aus.

Wenn einige Stammspieler ausfielen, war die Mannschaft nicht konkurrenzfähig.
Klar, da müssen wir selbstkritisch sein: Wenn die erste Elf spielt, läuft die Maschine. Wenn nicht, sind wir defensiv nicht stabil. Das zeigt aber auch: Die Gegentorflut in der Hinrunde lag nicht daran, dass das Zentrum mit Knappmann, Onucka, Zaskoku und Ferati zu langsam besetzt ist, wie es auch in der WAZ stand. Gerade als zuletzt die zentralen Spieler gefehlt haben, gab es besonders viele Gegentore.

Fünf Punkte Vorsprung sind es bis zum ersten Abstiegsplatz. Droht der Abstiegskampf?
Eigentlich müssten wir uns damit nicht beschäftigen, dafür ist die Mannschaft individuell zu gut. Aber den Fehler haben auch schon andere gemacht. Wir müssen abliefern und punkten. Fünf Punkte sind schnell verspielt, wenn wir schlampig und überheblich sind.

Was für Ziele gibt es dann noch? Wir müssen uns von den vorherigen Zielen verabschieden. Platz eins und zwei sind in dieser Konstellation einfach unrealistisch. Wir wollen Sport anbieten, der die Leute zufriedenstellt. Und wir wollen mit Kontinuität das Fundament dafür legen, die nächste Saison gezielt anzugehen und nicht wieder in einer Hauruck-Aktion ein Team zusammenzustellen und aufs Eis zu schicken.

Das heißt, Sie wollen über den Sommer Trainer bei Westfalia bleiben? Ich genieße hier das Vertrauen der Verantwortlichen, weil sie meine tägliche Arbeit sehen. Aber ich werde auch an Ergebnissen gemessen. Es ist mein großer Wunsch, hier zu bleiben, als Trainer weiterzuarbeiten. Aber wenn ich nicht liefere, bin ich schneller weg, als ich gucken kann. Dem stelle ich mich mit ganz viel Arbeit und Enthusiasmus.

Autor: Philipp Ziser

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