VfL-Fans gegen Rassismus! Beim 24. Hallenzauber der VfL-Fanclubs in der Bochumer Rundsporthalle haben die Anhänger des VfL Position gegen Rassismus und Ausländerfeindlichkeit bezogen.

Bochum

Bulut zeigt beim Hallenzauber Rassismus Rote Karte

Stefan Bunse
24. Januar 2016, 11:17 Uhr
Foto: Stefan Bunse

Foto: Stefan Bunse

VfL-Fans gegen Rassismus! Beim 24. Hallenzauber der VfL-Fanclubs in der Bochumer Rundsporthalle haben die Anhänger des VfL Position gegen Rassismus und Ausländerfeindlichkeit bezogen.

Wie bereits im Vorjahr ihre Vorgänger hatten sich die ausrichtenden Fanclubs „Bochum-Ost“ und „Der Vfl ist einfach Kult“ am Samstag die eindeutige Aussage auf den Rücken ihrer T-Shirts gedruckt. Der erst seit vier Jahren existierende Fanclub „Der VfL ist einfach Kult“ um Oberliga-Kicker Alexander Thamm schnappte sich nach einem 1:0 im Finale gegen „Semper Fidelis“ den Titel des Hallenkönigs unter den VfL-Fans und konnte das Turnier erstmals gewinnen.

Aber die Flüchtlingssituation in Europa hat auch die VfL-Anhänger nachdenklich gemacht. „Es ist wichtig, dass sie sich damit auseinandersetzen“, nickt Ralf Zänger vom Bochumer Fanprojekt. Informationsveranstaltungen, wie sie die Bochumer Faninitiative bereits angeboten hat, können dabei helfen. Auch Profi Onur Bulut, der den Fans nach dem verlorenen Testspiel gegen die Schalker U23 (1:2) mit einigen Mannschaftskameraden einen Besuch abstattete, macht sich seine Gedanken.

„Bei diesem Turnier steht zwar der Spaß im Vordergrund. Aber durch den Zuzug von Flüchtlingen mit all seinen Begleiterscheinungen ist das Thema Rassismus natürlicher aktueller denn je. Wobei Rassismus an sich ja viele Facetten hat“, erklärt Alexander Thamm. Der Spieler des TSV Marl-Hüls ist Vorsitzender des im tiefsten Bochumer Tabellental gegründeten Fanclubs „Der VfL ist einfach Kult“ und arbeitet zudem für Herzensklub in der Finanzbuchhaltung. Politik gehört zwar seiner Meinung nach grundsätzlich nicht in den Sport. Dennoch wollte man in Zeiten wie diesen nicht ohne eine klare politische Stellungnahme in das Traditionsturnier der VfL-Fanclubs gehen.

„Jeder Flüchtling, der als Asylberechtigter anerkannt wird, hat eine Chance verdient. Aber die muss man dann auch nutzen“
Onur Bulut

Bei Onur Bulut stieß er damit auf offene Ohren. Der Hochgeschwindigkeitsfußballer ist selbst Migrant in sogenannter dritter Generation. Seine Großeltern wanderten aus der Türkei vom Schwarzen Meer nach Deutschland ein. Er selbst habe zwar nie persönlich Erfahrungen mit Rassismus gemacht. Dennoch sei es wichtig, darüber zu reden. Und das tat er dann auch. Beide Seiten müssten aufeinander zugehen, nur so könne Integration funktionieren, glaubt Bulut. „Jeder Flüchtling, der als Asylberechtigter anerkannt wird, hat eine Chance verdient. Aber die muss man dann auch nutzen“, ist der 21-Jährige überzeugt.

Er nimmt deshalb auch kein Blatt vor den Mund: „Aber ich muss es so klar sagen: Die Menschen, die nach Deutschland kommen und hier aufgenommen werden, können sehr dankbar sein, dass sie die Chance bekommen, in diesem Land zu leben. Entsprechend sollten sie sich verhalten und an die Lebensbedingungen hier anpassen. Das bedeutet ja nicht, dass man seine eigenen Werte vollkommen aufgibt.“ Er ist überzeugt, dass das die ganz überwiegende Mehrzahl der Flüchtlinge genauso sieht. „Diejenigen, die aus der Reihe tanzen oder Straftaten begehen, sollten dann aber auch entsprechend behandelt werden. Denn darunter leiden alle anderen.“ Grundsätzlich ist er davon überzeugt, dass gerade im Ruhrgebiet mit seiner langen Tradition von Einwanderern eine offene Willkommenskultur herrsche.

Sportlich hat sich der Senkrechtstarter für die Rückrunde einiges vorgenommen. Denn einen Einbruch wie im Herbst möchte er mit seinem Team nicht nochmal erleben. „Wir haben zu Beginn der Hinrunde gesehen, dass wir es können“, ist Bulut überzeugt. „Dann haben wir uns von unserem Weg abbringen lassen.“ In der Rückrunde werde man sehen, ob die Mannschaft reifer geworden sei. „Wenn wir mal ein Spiel verlieren oder es nicht so läuft, dürfen wir nicht mehr so sehr unserer Linie verlieren.“ Man müsse flexibler auf Rückschläge reagieren und immer eine zweite Option im Spiel haben.

„Dann haben wir auch das rewirpowerSTADION wieder voll“, ist er überzeugt. Davon, dass die Fans des VfL weiterhin hinter ihrer Mannschaft stehen, konnte er sich im persönlichen Austausch mit den Anhängern überzeugen. „Aber dafür sind wir verantwortlich“, sagt er. „Wir haben in der Stadt Potenzial für mindestens 20.000 Zuschauer. Und die hatten wir auch zu Beginn der Saison. 12.000 Fans wie zuletzt sind für einen Verein wie den VfL viel zu wenig.“

Autor: Stefan Bunse

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