Der 31. Mai 2008 gehört mit Sicherheit zu den schwärzesten Tagen in der Vereinshistorie von Rot-Weiss Essen.

RWE

Güvenisik wehrt sich gegen Anfeindungen

Krystian Wozniak
20. Januar 2016, 15:21 Uhr
Foto: firo

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Der 31. Mai 2008 gehört mit Sicherheit zu den schwärzesten Tagen in der Vereinshistorie von Rot-Weiss Essen.

RWE musste "nur" drei Punkte im letzten Saisonspiel gegen den bereits abgestiegenen VfB Lübeck holen, um in der darauffolgenden Serie in der eingleisigen 3. Liga zu spielen. Die Mannschaft versagte und verlor mit 0:1. Es dauerte nicht lange, bis das vermeintlich "schwarze Schaf" gefunden wurde. Essens Stürmer Sercan Güvenisik erwischte vor 18.027 Zuschauern im altehrwürdigen Georg-Melches-Stadion einen schlechten Tag und vergab gute Einschussmöglichkeiten. Unter den Fans wurde das Gerücht gestreut, dass es "Güve" in die Karten gepasst haben soll, dass RWE sich nicht für die 3. Liga qualifizierte.

Rund sechseinhalb Jahre danach holt die alte Geschichte Güvenisik wieder ein. Seit acht Monaten ist der Ex-Profi als Spielerberater tätig und vertritt unter anderem die Interessen von Cebio Soukou, der bekanntlich den Regionalligisten in der Winterpause in Richtung Erzgebirge Aue verließ. Der Aufschrei unter den RWE-Fans war groß, als sie erfuhren, dass Güvenisik und Soukou zusammenarbeiten. Güvenisik schaut im anschließenden RS-Interview auf die Vergangenheit zurück und stellt einige Dinge aus seiner Sicht klar.

Sercan Güvenisik, können Sie die Antipathie vieler RWE-Fans gegen Ihre Person nachvollziehen?
Viele Menschen im Umfeld von Rot-Weiss Essen denken, dass ich gegen Lübeck bewusst schlecht gespielt haben soll. Das ist aber nicht die Wahrheit und komplett an den Haaren herbeigezogen. Ich habe mich genauso geärgert, dass wir die Qualifikation zur 3. Liga nicht geschafft haben.

Wie meinen Sie das?
Mit einem Sieg gegen Lübeck hätte ich noch eine gute Sonderprämie für die Drittliga-Qualifikation ausgezahlt bekommen. So eine Summe nimmt doch jeder gerne mit. Profis spielen, um Geld zu verdienen. Das sollte jedem Fan bewusst sein. Deshalb hat man nichts davon, wenn man solche wichtigen Spiele verliert.

Nichtsdestotrotz war es etwas unglücklich, als kurz nach dem Lübeck-Spiel Ihr Wechsel nach Paderborn verkündet wurde, oder?Sech
Ich habe zehn Tage vor dem Lübeck-Spiel beim SC Paderborn unterschrieben, weil mein Vertrag in Essen zum 30. Juni 2008 ausgelaufen ist. Und ich unterstreiche an dieser Stelle, dass der Vertrag so oder so ausgelaufen wäre. Also ganz egal vom sportlichen Ausgang des Lübeck-Spiels. Nach der Partie wurden wir in der Kabine versammelt und viele Fans haben 'außer Güve könnt Ihr alle geh'n' angestimmt. Kurz danach wurde ein Sündenbock gesucht und in mir gefunden. Es ist natürlich sehr unglücklich gelaufen, dass der SC Paderborn ein oder zwei Stunden nach der Niederlage den Wechsel verkündet hat. Da hat sich kurz nach der Pleite gegen den VfB vieles angestaut. Das hat mich sehr traurig gemacht und beim Soukou-Transfer ist einiges wieder hochgekommen.

Können Sie die Fans nicht ein wenig verstehen? Sie sind emotional sehr mit Ihrem Verein verbunden...
Natürlich kann ich die Leute verstehen. Aber sie sollten auch das Geschäft kennen. Cebio war und ist RWE dankbar. Aber als ich im Oktober sein Berater wurde und wir die ersten Gespräche mit RWE geführt haben, da wurde mir schnell klar, dass das Verhältnis zwischen Cebio und Rot-Weiss Essen sehr angeknackst ist. Er spielte letztendlich sportlich auch nur noch eine untergeordnete Rolle. Am Ende war es doch für alle eine Win-Win-Situation. RWE hat noch etwas Geld erhalten. Die Antipathie gegenüber Cebio und meiner Person von einigen Leuten in der Kurve ändert nichts an unserer Meinung, dass wir sagen, und da spreche ich auch in Cebios Namen, dass Rot-Weiss Essen ein toller Verein ist, dem wir so schnell wie möglich den Aufstieg wünschen.

Autor: Krystian Wozniak

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