Teil zwei des großen Interviews mit Rot-Weiß-Essen-Boss Michael Welling. Dieser kann die Sehnsucht der Fans verstehen.

RWE

Aufstieg wichtiger als Essener Eigengewächse

Ralf Wilhelm
19. Januar 2016, 22:13 Uhr
Foto: Gohl/FUNKE

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Teil zwei des großen Interviews mit Rot-Weiß-Essen-Boss Michael Welling. Dieser kann die Sehnsucht der Fans verstehen.

Trotz Behrens: War der Abgang von Soukou, der am Ende Szenen einer schlechten Ehe hatte, für Sie nicht noch enttäuschender?

Michael Welling: Zunächst: Ich mag Cebio Soukou sehr gern und schätze ihn als Menschen, er hat in seinem jungen Alter mit seinen Verletzungen, mit seinem Doping-Vergehen schon sehr viel durchgemacht. Ich persönlich glaube, dass es für seine Entwicklung besser gewesen wäre, sich in dieser Saison durch gute und konstante Leistungen bei Rot-Weiss Essen für höhere Aufgaben zu empfehlen. Cebio hat aber allein in den letzten 12 Monaten gefühlte sieben Berater . Ob da jeder immer im Sinne des Jungen agiert hat, wage ich zu bezweifeln. Ich wünsche ihm dennoch auf seinem weiteren Weg nur das Beste.

Die Fans hatten endgültig den Kaffee auf, als der Name Sercan Güvenisik fiel. Das war das Sahnehäubchen, oder?

Welling: Emotional sicherlich der Schlusspunkt.

Zurück in die Gegenwart: Nächste Woche findet vor dem Landgericht Essen die Verhandlung mit dem Ex-Sportvorstand Uwe Harttgen statt. Sind Sie froh, wenn Sie einen Haken unter die Sache setzen können?

Welling: Inhaltlich und emotional haben wir den Haken im April 2015 gesetzt, die sportlichen Konsequenzen werden noch länger dauern. Beim Landgericht geht’s um den juristischen Haken.

Finanziell wurden, wie es sich für gute Kaufleute gehört, bei RWE Rücklagen gebildet. Gesetzt den Fall, die Sache geht für den Verein positiv aus: Werden diese Gelder in die Kaderplanung im kommenden Sommer einfließen, den Etat sogar erhöhen?

Welling: Unabhängig vom Ausgang bereiten wir schon seit November die kommende Saison vor, wo wir nach heutigem Stand unsere Ansprüche etwas offensiver formulieren wollen. Aktuell heißt es aber erst mal von Spiel zu Spiel zu denken und die notwendigen Punkte zu sammeln.

Bevor ich es vergesse, Happo lässt anfragen, wer der neue Nachwuchsleiter wird und nach welchen Kriterien er ausgesucht wird.

Welling: Wer es wird, kann ich noch nicht sagen. Die formalen Kriterien Fußballlehrer werden vom DFB vorgegeben, für uns ist es wichtig, jemanden zu finden, der seine Qualifikation im Sinne unserer Philosophie und vor dem Hintergrund des ganz speziellen Umfeldes an der Seumannstraße umsetzen kann. Die Nachbesetzung dauert aber noch.

Wo wir schon bei der Jugend sind: Dass noch keiner der U19-Spieler den endgültigen Sprung ins Seniorenteam geschafft hat, liegt dies vielleicht auch daran, dass der erfolgreiche Bundesliga-Nachwuchs eher über den Teamgeist kommt und nicht über die individuellen Einzelkönner verfügt?

Welling: Ich glaube, dass eine Rot-Weiss- Mannschaft immer über den Teamgeist und die Einstellung sich definieren muss. Das schließt aber nicht aus, dass sich einzelne Spieler individuell entwickeln. Mit Nico Lucas hat bereits einer unserer U19-Spieler einen Anschlussvertrag, wir sind hoffnungsfroh, dass dem Kader der neuen Saison weitere angehören werden. Wie sie sich dann entwickeln, hängt auch sehr stark von ihnen selbst und ihrer Lernbereitschaft ab.

Die Fans in der Westkurve warten sehnlichst auf einen neuen Timo Brauer.

Welling: Ein Essener, der in der Jugend von Schalke 04 ausgebildet wurde? Ich kann die Sehnsucht nach Essenern im Team verstehen. Nach Identifikationsfiguren wie Erwin Koen – der aber eben nicht aus Essen kam – solche Spieler müssen sich entwickeln. Ich glaube, wenn die Fans wählen müssten, wäre sicherlich ein Aufstieg ohne Essener Jungs schöner als ein weiteres Verbleiben in der Regionalliga nur mit Eigengewächsen. Aber wir träumen natürlich davon, das zu kombinieren.

Autor: Ralf Wilhelm

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