Marco Höger erinnert sich, wie er als Kind Weihnachten gefeiert hat. Heute wünscht sich der verletzte Schalke-Profi: Ich will einfach wieder gesund werden.

Schalke

Högers Wunschzettel auf der Fensterbank

Manfred Hendriock
24. Dezember 2015, 11:49 Uhr
Foto: firo

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Marco Höger erinnert sich, wie er als Kind Weihnachten gefeiert hat. Heute wünscht sich der verletzte Schalke-Profi: Ich will einfach wieder gesund werden.

Es ist ein schöner, großer Weihnachtsbaum, der das Foyer im Medicos auf Schalke in diesen Tagen schmückt. Wer hier in Behandlung ist, der soll sich vor dem Fest wenigstens geborgen fühlen. Marco Höger beugt sich nach vorne und berührt mit den Händen die Zweige – der Fotograf möchte ein schönes Foto machen. So ähnlich muss es bei den Högers früher zu Hause gewesen sein, wenn die Aufnahmen für das Familienalbum geknipst wurden.

Marco Höger, in Köln geboren, aber inzwischen längst zum Schalker geworden, kommt aus einer Familie, in der Weihnachten immer ganz traditionell gefeiert wurde: Mit einem schönen Essen, einer Bescherung und dem Gang in die Kirche. In diesem Jahr erlebt der Mittelfeldspieler von Schalke 04, der seit drei Monaten verletzt ist, Weihnachten fast wieder wie früher. Es waren immer schöne Weihnachten.

Eine Carrerabahn – damals der Traum aller Jungs

„Meine Eltern”, erzählt Marco Höger, „haben mich so erzogen, dass ich lange an das Christkind geglaubt habe.” Als kleiner Junge musste er bei der Bescherung am Heiligabend immer so lange vor der Tür zum Wohnzimmer warten, bis draußen jemand geklingelt hatte – er hat sich viele Jahre die schöne Vorstellung erhalten dürfen, dass dies das Christkind gewesen ist.

Schon in den Tagen vor dem Fest haben ihn die Eltern damals angehalten, einen besonders schönen Wunschzettel zu basteln. „Den habe ich dann auf die Fensterbank gelegt und das Fenster auf Kipp gestellt, damit das Christkind ihn auch abholen kann.” Meistens wurden die Wünsche dann auch erhört: „Ich hatte das Glück, fast jedes Jahr das zu bekommen, was ich mir auch gewünscht habe.” Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm eine Carrerabahn – damals der Traum aller Jungs. Und einmal gab’s ein elektrisches Auto – einen kleinen Jeep, in den er sich reinsetzen und durchs Zimmer fahren konnte. Schöne Weihnachten.

Manchmal hat das Christkind auch daran gedacht, dass Marco Höger immer schon Fußballer werden wollte. Sein Vater Michael Höger war Profi bei Fortuna Köln, sein Opa Herbert Höger spielte einst beim 1. FC Köln. Unterm Tannenbaum lag dann auch mal ein Ball oder ein Trikot vom 1. FC Köln oder vom FC Barcelona. „Mit drei Jahren”, erzählt Marco Höger, „habe ich angefangen, Fußball zu spielen.”

Eingeläutet wurde das Weihnachtsfest bei den Högers in Köln immer mit dem Besuch der Kirche – „da haben meine Eltern großen Wert drauf gelegt”. Heute geht er nicht mehr zur Christmette, aber die Frage, ob Kirche oder Kneipe am heiligen Abend, stellt sich für ihn nicht: „Den Abend verbringen wir ganz traditionell mit einem Essen zu Hause bei der Familie.” Früher gab es oft Raclette, diesmal kommt eine Gans auf den Tisch. An Heiligabend und am ersten Feiertag besucht er seine Eltern, am zweiten Feiertag sind dann die Eltern seiner Freundin Jana an der Reihe, mit der er bereits seit neun Jahren zusammen ist.

Marco Höger freut sich darauf, Weihnachten in diesem Jahr wieder einmal so ursprünglich zu erleben. Ein bisschen hat ihn das Schicksal aber auch dazu gezwungen, weil er sich am 26. September beim Schalker Bundesligaspiel in Hamburg einen Kreuzbandriss im linken Knie zugezogen hat und es besser ist, die Reha im Medicos auf Schalke jetzt nicht länger zu unterbrechen. In den vergangenen Jahren hat er die Feiertage öfter zu einem Kurzurlaub genutzt – vor einem Jahr war er auf den Malediven. Damals wurde er nicht nur von seiner Jana begleitet, sondern auch von Julian Draxler und Sead Kolasinac, die ebenfalls ihre Partnerinnen dabei hatten.

Die Schalker Umgebung schätzt der 2011 von Alemannia Aachen gekommene Mittelfeldspieler, der im Mannschaftskreis nur „Derby-Höger” genannt wird, weil ihm einmal gegen Dortmund ein ganz großartiges Spiel geglückt war. Und was Zusammenhalt ausmacht, hat er 2015 ganz besonders gespürt, obwohl es für ihn kein einfaches Jahr war.

Im Mai war er von Schalke für ein Spiel suspendiert worden. Daraufhin platzte erst einmal die bereits ausgemachte Vertragsverlängerung – Höger musste sich erst wieder eingliedern. Und als er sich dann seinen Platz zurückerkämpft hatte, riss ihm das Kreuzband im Knie – bereits zum zweiten Mal in zwei Jahren erwischte ihn diese schwere Verletzung. Er nennt es „Glück”, dass es nicht das gleiche Knie wie beim ersten Mal war – vor zwei Jahren war es das rechte, diesmal ist es das linke. Doch gut hat es das Schicksal nicht mit ihm gemeint.

Denn es gibt sicher einen besseren Zeitpunkt für eine so schwere Verletzung als in einem Jahr, an dessen Ende der Vertrag ausläuft. „Das war mein erster Gedanke”, gibt Marco Höger zu. Doch noch in der Kabine in Hamburg kam Manager Horst Heldt zu ihm und versicherte, dass er sich keine Sorgen um die Zukunft machen müsse: Heldt sicherte ihm zu, dass der Vertrag trotz der Verletzung verlängert wird.

Eine Geste, die ihm zeigt, was Schalke ausmacht

Für Marco Höger eine Geste seines Vereins, die ihm bewiesen hat, dass er auf Schalke am rechten Platz ist: „Wir haben vor der Saison gesagt, dass wir mit dem neuen Trainerteam hier wieder eine Einheit werden wollen. Dass man meinen Vertrag verlängert hat, zeigt, dass das keine leeren Worte waren, sondern dass wir eine Mannschaft sind, in der es verschiedene Schicksale gibt und in der wir uns gegenseitig den Rücken stärken.” Unmittelbar nach der Verletzung hatten die Mannschaftskollegen auch ein Video aufgenommen, in dem sie ihm alles Gute für die Rückkehr wünschten. „Das hilft ungemein”, versichert er: Ein mentales Tief, wie es bei einer so langen Verletzungspause üblich ist, hat er diesmal bisher noch nicht gespürt.

Marco Höger weiß, dass er als Fußballprofi einen sehr privilegierten Beruf hat. Dass es ihm gut geht und er eigentlich keine Sorgen hat, solange er nur Fußballspielen kann. Wenn er heute überlegt, was er sich zu Weihnachten wünscht, dann sind Dinge wie die Carrerabahn oder der Elektro-Jeep nur eine schöne Erinnerung an wunderbare Weihnachten im Kindesalter. Marco Höger sagt, dass man ihm mit einer hübschen Dekoration für die Wohnung eine Freude machen kann, denn dafür hat er kein Händchen. Aber den eigentlichen Wunsch, den kann man nicht bezahlen und auch nicht kaufen: „Einfach nur Gesundheit. Ich möchte bald wieder spielen können.”

Autor: Manfred Hendriock

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