Mit 1:2 verlor der BVB beim 1. FC Köln nach zwei Gegentoren in den Schlussminuten. Die Defensivspieler haderten später auch mit ihren Vorderleuten.

Borussia Dortmund

In Köln fehlte die taktische Cleverness

Sebastian Weßling
20. Dezember 2015, 10:28 Uhr
Foto: firo

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Mit 1:2 verlor der BVB beim 1. FC Köln nach zwei Gegentoren in den Schlussminuten. Die Defensivspieler haderten später auch mit ihren Vorderleuten.

Sven Bender war bedient. „Das ist komplett unsere eigene Schuld, dass wir hier noch verlieren“, schimpfte der Defensivspieler von Borussia Dortmund nach der 1:2-Niederlage beim 1. FC Köln. Als Bender zu Beginn der zweiten Halbzeit eingewechselt wurde, stand es noch 1:0 für den BVB, Sokratis hatte getroffen (18.). Sieben Minuten vor Schluss aber machten die Kölner den Ausgleich und kurz darauf noch den Siegtreffer – zwei Tore, die alles andere als überraschend kamen.

„Nach dem 1:0, als die Kölner aggressiver wurden, haben wir etwas mehr Probleme gehabt“, erklärte BVB-Kapitän Mats Hummels. Deutlich weniger diplomatisch war Bender, der für den angeschlagenen Kapitän gekommen war: „Wo wäre das Problem gewesen, ein dreckiges 1:0 mitzunehmen?“, haderte er. „Wir haben das einfach nicht mehr gut gemacht, wir haben uns zu wenig gewehrt.“

Dabei hatten die Dortmunder die Anfangsphase der Partie komplett kontrolliert, Ball und Raum dominiert und die Kölner weit in deren Hälfte hineingedrängt. Meist aber brachten die Hausherren noch eines ihrer vielen Abwehrbeine dazwischen, bevor es richtig gefährlich wurde. Dann aber köpfte Sokratis einen Eckball von Henrikh Mkhitaryan ein (18.) – und es sprach endgültig alles für den BVB: Köln würde seine ultradefensive Taktik nun aufgeben müssen und so den schnellen Dortmunder Offensivspielern so die Räume für Konter öffnen.

Stattdessen kippte das Spiel komplett, Köln erarbeitete sich hochkarätige Chancen: BVB-Torwart Roman Bürki entschärfte einen Kopfball von Frederik Sörensen mit starkem Reflex (33.), Linksverteidiger Joo-Ho Park brachte den Kölner Pawel Olkowski im Strafraum zu Fall – der eigentlich fällige Elfmeterpfiff blieb aber aus (37.). Das 1:1 fiel dann zwar spät und es fiel aufgrund eines misslungenen Abschlags von Torhüter Roman Bürki genau in die Füße des Kölner Stürmers Simon Zoller – aber es hatte sich lange abgezeichnet.

Auf der Suche nach Erklärungen

Auf der Suche nach Erklärungen für den plötzlichen Leistungsabriss taten sich die BVB-Akteure später schwer. „Wir haben versucht zu spielen, gegen einen aggressiven Gegner auf einem schwierigen Platz“, meinte Hummels. „Das führt dann halt zu Fehlern, aber wir haben uns auch gelegentlich durchkombinieren können.“ Und Bender mutmaßte: „Vielleicht haben sich die Kölner nach unserem Tor ein bisschen freier gefühlt und haben gedacht, sie hätten nichts zu verlieren. Das hat man dann auch gemerkt.“

Es war ein Ansatz, der den 26-Jährigen aber nicht einmal selbst zufrieden stellte: „Wir haben ja für jede Spielsituation Waffen, die wir dann entgegenzusetzen haben“, sagte er. „Das haben wir soweit ganz gut gemacht - aber hintenraus müssen wir es dann cleverer machen.“ Ein Vorwurf, den die beiden Defensivspieler Hummels und Bender zwar nicht direkt aussprachen, aber doch durchklingen ließen – und der für jeden im Stadion sichtbar war: Die Vorderleute ließen es zu, dass die BVB-Viererkette immer stärker unter Druck geriet und irgendwann kaum noch Entlastung bekam. „Im Ganzen waren wir viel zu weit auseinander, dann kommen die Bälle auch postwendend zurück, wenn du sie wegverteidigst“, so Bender. „Sie kamen sofort wieder, es wurde immer gefährlicher – irgendwann wird es dann so gefährlich, dann hauen sie ihn dir auch rein.“

Wir haben ja für jede Spielsituation Waffen, die wir dann entgegenzusetzen haben
Mats Hummels

In der Schlussphase war es schon fast naiv zu nennen, wie offen die Dortmunder standen. Wie sie mehr auf die Gelegenheit zum schnellen Gegenangriff lauerten, als sich erst einmal darauf zu konzentrieren, die gegnerischen Versuche zu unterbinden. „Dadurch haben wir den Kölnern bei jedem Ballverlust von uns große Räume geboten“, haderte Hummels. „Auswärts beim Stand von 1:0 hätten wir das ein bisschen anders handhaben müssen.“ Wie das hätte aussehen müssen, erklärte Bender: „Dann ist es nicht mehr so wichtig, dass wir extrem breit stehen und uns schön durchkombinieren wollen“, monierte er. „Dann heißt es irgendwann verteidigen und uns wehren und irgendwie das Spiel gewinnen.“

Weil das misslang, ist der Rückstand auf Tabellenführer Bayern München wieder auf acht Punkte angewachsen, die Meisterschaft wieder ein Stück unwahrscheinlicher geworden. Wenigstens dafür wussten die Dortmunder an diesem Abend eine Lösung – sie schufen sich einfach ihren eigenen Titel: „Platz zwei ist für uns wie eine Meisterschaft“, erklärte Jonas Hofmann. „Deswegen ist die Tabellenkonstellation so, wie sie ist, genau richtig.“

Autor: Sebastian Weßling

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