Ein wenig kurios ist die Situation für Ilia Gruev schon.

MSV

Gruev fährt mit einem guten Gefühl zum Betzenberg

Michael Ryberg
11. Dezember 2015, 11:37 Uhr
Foto: firo

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Ein wenig kurios ist die Situation für Ilia Gruev schon.

Ende Juli, beim Gastspiel des 1. FC Kaiserslautern zum Fußball-Zweitliga-Start an der Wedau, saß der aktuelle Trainer des MSV Duisburg noch beim Gegner auf der Bank. Freute sich als Assistent von Ex-Zebra-Chef Kosta Runjaic über einen locker herausgespielten 3:1-Erfolg der „Roten Teufel“. Am kommenden Sonntag um 13.30 Uhr wird es auf dem Betzenberg genau umgekehrt sein. Lautern ist Gastgeber, Gruev hockt auf der Gäste-Bank. Diesmal sogar als Chef.

„Ich fahre mit einem guten Gefühl hin. Der Abschied in Kaiserslautern war freundlich“, sagt Gruev vor seiner Rückkehr an die alte Wirkungsstätte. Und ist meilenweit davon entfernt, ein Klagelied anzustimmen oder gar schmutzige Wäsche hervorzukramen. Nein, die fast genau zwei Arbeitsjahre gemeinsam mit Kosta Runjaic bis zum Rücktritt in der Pfalz Mitte September stehen für positive Erinnerungen. Zweimal schloss der FCK auf einem guten vierten Platz ab, im DFB-Pokal ging es einmal bis ins Achtelfinale, einmal sogar in die Runde der besten vier Teams. Nur die ersehnte Bundesliga-Rückkehr hat nicht geklappt. Seit 2012, also in der vierten Saison mittlerweile, startet der viermalige Deutsche Meister im Unterhaus.

Genau dort möchte der MSV Duisburg liebend gern verweilen. Allein, um gut fünf Millionen Euro an Fernsehgeldern auch in der neuen Saison zur Verfügung zu haben. Punkte in Kaiserslautern und am nächsten Sonntag (13.30 Uhr, MSV-Arena) im Heimspiel gegen den VfL Bochum würden dem Schlusslicht zumindest dabei helfen, die Winter-Position im Rettungsrennen aussichtsreicher zu gestalten.

Mit dem Trainerwechsel von Gino Lettieri zu Ilia Gruev Anfang November ist der Meidericher Hoffnungsschimmer zumindest mal heller geworden. Vier ordentliche Partien hätten in Leipzig fast in einem dicken Ausrufezeichen gegipfelt. Doch die 2:1-Führung pulverisierte der Aufstiegsfavorit noch in den letzten fünf Spielminuten.

„Wir haben wieder gezeigt, dass wir mit jeder Mannschaft der zweiten Liga mithalten können“, hob Linksverteidiger Kevin Wolze hervor, „gegen Freiburg haben wir ja auch ein gutes Spiel gemacht.“ Dass Standardsituationen dem MSV in der Leipziger WM-Arena von 2006 zum Verhängnis wurden, ärgerte nicht nur den gebürtigen Wolfsburger Wolze. „Standards sind eigentlich leicht zu verteidigen“, hob Coach Gruev hervor, „vielleicht haben sich einige Spieler in der Endphase in Leipzig zu sicher gefühlt.“

Die Fünfer-Abwehrkette, die Gruev in der zweiten Halbzeit beim Stand von 1:1 aufgereiht hatte, erwies sich lange als das richtige Rezept. „Wir haben kaum Chancen aus dem Spiel zugelassen. Die Taktik war in dieser Situation legitim. Ich bin allerdings kein Fan der Fünferkette“, betont der Trainer. Könnte sein, dass bei den Lauterern mit zwei Außen- und zwei Innenverteidiger operiert werden wird. Also klassisch.
Ersatzmann für den 36-jährigen Routinier und Abwehrchef Branimir Bajic wird auf jeden Fall Thomas Meißner sein. „Er hat nach seiner Einwechslung in Leipzig gut gespielt und sich eine Chance verdient“, so Gruev.

Ob der Georgier Giorgi Chanturia wieder in der Startelf stehen wird, ist offen. Der technisch starke Offensivkicker ließ zuletzt Schwächen im Defensivverhalten erkennen. Coach Gruev wollte deshalb über seinen Sommer-Neuzugang nicht den Stab brechen: „Er hat nach hinten mitgearbeitet, aber Leipzig hatte auch eine ganz schöne Angriffswucht. Giorgi ist ein junger Spieler und muss noch lernen.“

Autor: Michael Ryberg

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