Horst Heldt wirkt souverän in diesen Tagen.

Schalke

Manager Heldt sitzt gerade zwischen allen Stühlen

Peter Müller
09. Dezember 2015, 09:21 Uhr
Foto: firo

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Horst Heldt wirkt souverän in diesen Tagen.

Der Manager und Sportvorstand des Bundesligisten FC Schalke 04 erledigt seinen Job in gewohntem Rhythmus, er lässt sich durch Störgeräusche nicht beirren. Dabei ist die Situation, in der er sich befindet, kurios und in der Liga einzigartig. An diesem Mittwoch wird er 46 Jahre alt – vermutlich wird er sich wünschen, dass das nächste Lebensjahr weniger turbulent verlaufen möge.

Ob er sich bereits mit seinem Nachfolger abstimme, wurde er gefragt. Die Antwort fiel eindeutig aus: „Nein, warum? Ich habe einen Vertrag bis zum 30. Juni, ich trage die Verantwortung. Bei der Kaderplanung stimme ich mich eng mit dem Trainer ab. Wir handeln hier professionell und zielstrebig.“

Schalke-Kandidat Heidel ziert sich noch
Dabei sitzt Heldt gerade zwischen allen Stühlen – und auf einem angesägten Managerstuhl. Aufsichtsrats-Chef Clemens Tönnies hat bekanntlich die Angel nach dem Mainzer Christian Heidel ausgeworfen, mit dem Heldt ein angespanntes Verhältnis pflegt. Weil Heidel seinen Herzensverein FSV nur verlassen will, wenn dort alles geregelt ist, ziert er sich mit einer Zusage. Aber auch auf Schalke ist der Fall noch lange nicht durch: Um ein neues Vorstandsmitglied installieren zu können, braucht der Aufsichtsrat eine Zweidrittelmehrheit. Eine Abstimmung darüber hat bisher nicht stattgefunden.

Mit Heldt traf der Aufsichtsrat die Vereinbarung, dass der Manager seinen Job bis zum Vertragsende verrichten solle. Seitdem steht die Frage im Raum, wie denn ein Manager, dem selbst keine Zukunft mehr beim FC Schalke zugebilligt wird, die Zukunft dieses Vereins planen soll. Kann ein solches Konstrukt zielführend sein?

„Es steht mir nicht zu, das öffentlich zu bewerten“, sagt Heldt, der gewissenhaft weiterarbeitet: „Ich treffe immer noch Entscheidungen, die Auswirkungen haben.“ Heldt nennt ein Beispiel. Mitte November hat er einen neuen, unbefristeten Vertrag mit Oliver Ruhnert abgeschlossen, dem Leiter der für hervorragende Nachwuchsarbeit bekannten Knappenschmiede. „Das habe ich so entschieden, weil es für den Verein elementar ist“, erklärt Heldt. Er sei „komplett handlungsfähig“, das habe auch Tönnies betont.

Der Gedanke, dass Heldts Pläne einem Nachfolger aber auch in die Quere kommen könnten, liegt nahe. Heldt führt daher selbst ein zweites Beispiel an, mit dem er dem Wirbel die Windstärke nehmen möchte: „Wenn ich eine Vertragsverlängerung mit Joel Matip hinbekomme, dann wird das doch garantiert auch einem möglichen Nachfolger recht sein.“ Doch genau dieser Fall zeigt auch die vertrackte Lage auf. Denn Abwehrspieler Joel Matip und seine Berater haben die Verhandlungen mit Schalke über eine mögliche Verlängerung des am Saisonende auslaufenden Vertrages auf Eis gelegt, weil sie erst abwarten wollen, wie sich die Vereinsführung künftig aufstellt.

Managerfrage ist auch im Schalke-Team ein Thema

Es ist in vergleichsweise ruhigen Zeiten Unruhe entstanden. Kapitän Benedikt Höwedes sagte in der vergangenen Woche, dass die ungeklärte Managerfrage auch innerhalb der Mannschaft „ein Thema“ sei: „Und es wäre für alle gut, wenn das Thema schnell beiseite gelegt werden kann.“

Heldt meint dazu, das sei „kein Wunschkonzert“. Für ihn selbst ist es ja auch nicht nach Wunsch gelaufen. Vor allem der Zeitpunkt des Vertrauensbruchs muss ihn erstaunt und verärgert haben. Nach der Chaos-Rückrunde der vergangenen Saison wäre eine Trennung verständlich gewesen, aber damals hatte der Aufsichtsrat keinen Nachfolger parat. Stattdessen verkündete Tönnies auf der Jahreshauptversammlung, Heldt werde an seinen Versprechen gemessen.

Gemeinsam mit dem von ihm ausgewählten Trainer André Breitenreiter hat der Manager die Wende hinbekommen. Und dennoch steht er jetzt vor einer ungewissen Zukunft. Es heißt, Hoffenheim sei an ihm interessiert, Heldt sagt: „Mit solchen Spekulationen muss ich leben.“ Bei einer Neuorientierung wird er sich kaum verbessern können. Aber vielleicht kann er künftig woanders ruhiger arbeiten.

Autor: Peter Müller

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