Erst hatten sie kein Glück, dann kam auch noch Pech dazu:

RWE

Aufwand und Ertrag im wahnwitzigen Missverhältnis

Ralf Wilhelm
05. Dezember 2015, 17:43 Uhr
Foto: Tim Müller

Foto: Tim Müller

Erst hatten sie kein Glück, dann kam auch noch Pech dazu:

Trotz einer konzentrierten und überzeugenden Vorstellung musste sich Rot-Weiss Essen am Ende bei der U23 des BVB mit einem 1:1 begnügen, was den Druck vor dem abschließenden Spiel des Jahres am kommenden Samstag beim SC Wiedenbrück weiter aufrecht erhält. Am Ende entlud sich der Frust in einer Rudelbildung, die sich schnell wieder beruhigte. Dennoch: Aufwand und Ertrag standen diesmal in einem wahnwitzigen Missverhältnis.

Die schlechte Nachricht gab es schon einen Tag vor der Partie: Bei Leon Binder hatte sich nach dem Training ein golfballgroßer Eiterklumpen an der Narbe gebildet, der Seuchenvogel der Saison muss erneut operiert werden und fällt wieder aus. Dennoch war für Cebio Soukou kein Platz im Kader, und im Vergleich zum Kray-Spiel gab es nur zwei Veränderungen in der Mannschaft: Philipp Zeiger rückte für den zuletzt patzenden Gino Windmöller in die Innenverteidigung und Marwin Studtrucker stand nach langer Verletzungspause gleich im Anfangsteam, für ihn wanderte Amar Cekic auf die Bank.

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Die mitgereisten Fans griffen zu einer fragwürdigen Motivationshilfe: 12 als Nikoläuse verkleidete Rot-Weisse hielten auf der Tartanbahn ein Spruchband hoch: “Der Nikolaus mit Bier & Schnaps, wenn Ihr heute verliert, gibt’s richtig Rabatz.” War es die Drohung der Nikoläuse oder doch der Eigenantrieb und die Worte des Trainers, der Mut sehen wollte? Jedenfalls zeigten die Gäste in der ersten Hälfte im altehrwüdigen Stadion Rote Erde eine beherzte und engagierte Vorstellung. Die Rückkehr von Studtrucker in den Angriff erwies sich gleich als effektiv. Keine Minute war gespielt, als dieser aus 18 Metern einen ersten Warnschuss von halbrechts Richtung Hendrik Bonmann schickte, doch der Ex-Essener Keeper war auf dem Posten.

Etwas enger wurde es schon nach neun Minuten, als wiederum auf der rechten Seite Jeffrey Obst im Strafraum zum Abschluss kam, diesmal hatte Bonmann schon mehr Mühe, um zur Ecke zu klären. Und wiederum drei Minuten später landete ein Kopfball von Moritz Fritz nur auf dem Netz. Der BVB zeigte in der Anfangsviertelstunde mächtig Respekt vor den stürmenden Gästen, die hochgelobten Michael Eberwein und Marvin Duksch kamen auf der Gegenseite kaum zur Geltung und waren beim altbewährten Verteidiger-Pärchen der Vorsaison, Zeiger und Richard Weber, unter liebevoller Betreuung. Auch der Aktionsradius des nach Rotsperre zurück gekehrten Moritz Leitner im Mittelfeld war in den ersten 45 Minuten entscheidend begrenzt, hier leistete der wieder zu alter Form findende Kasim Rabihic ganze Abräumarbeit. Robin Heller im RWE-Tor verbrachte bis kurz vor der Pause einen fast beschäftigungslosen Nachmittag, den er auch für letzte Weihnachts-Einkäufe hätte nutzen können.

Die Partie fand mit zunehmender Spielzeit immer mehr im Mittelfeld statt, bis zur 38. Minute: Benjamin Baier brachte fast von der Mittellinie einen weiten Freistoß in den Strafraum, die Kopfballverlängerung im Spielerpulk flog an der ausgestreckten Faust von Bonmann vorbei und fiel direkt vor die Füße von Marcel Platzek, der keine Mühe hatte, die Kugel ins leere Tor zu schieben. Nach dem verdienten 1:0 herrschte Frustabbau pur: Alle Spieler, die komplette Ersatzbank sowie Betreuer fielen über den Torschützen her, als hätte er gerade das Tor zur Dritten Liga aufgestoßen. Nach den Ereignissen der letzten Wochen aber durchaus verständlich.

Dennoch wäre kurz vor der Pause unverdient fast der Ausgleich gefallen: Marwin Ducksch kam aus 12 Metern völlig frei zum Schuss, doch Keeper Heller drehte den Ball mit einem sensationellen Reflex noch um den Pfosten zur Ecke. Fast im Gegenzug hätte Studtrucker beinahe auf 2:0 erhöht, diesmal hatte Bonmann soeben noch seine Finger im Spiel. Über die gerechte Führung für Rot-Weiss zur Halbzeit gab es keine zwei Meinungen.

Nach dem Wechsel wurden die bis dahin enttäuschenden Gastgeber etwas mutiger, vielleicht waren die Essener auch ein wenig mehr auf Sicherung des Vorsprungs bedacht. Ducksch (55.) konnte aus 18 Metern abziehen, zielte aber knapp drüber. Auf der Gegenseite blieb der Elfmeterpfiff aus, als Studtrucker recht zweifelhaft an der rechten Strafraumlinie von den Beinen geholt wurde. Benjamin Baier feuerte sein Team unmissverständlich an, sich nicht zu sehr hinten reindrängen zu lassen. Zumal sich erstklassige Konterchancen ergaben: Fritz spielte herrlich in den Lauf von Studtrucker (60.), der erneut am herausstürzenden Bonmann scheiterte.

Eine seiner letzten Aktionen, nach 65 Minuten war sein Arbeitstag beendet, der sich für sein Team aber auf jeden Fall gelohnt hatte. So sah er schon von der Ersatzbank, wie der Ball zum zweiten Mal im Netz zappelte: Rabihic hatte einen Freistoß per Kopf verlängert, Fritz eingenetzt. Trainer Siewert schmiss schon seine Kappe einige Meter in die Luft - und bekam den Abseitspfiff gar nicht mit. Kappe wieder auf - weiter gings mit 1:0. Kurze Zeit später erneut Aufregung: Wieder hatte Rabihic im Strafraum geköpft, einem Dortmunder war der Ball an die Hand gesprungen - Ecke statt Elfmeter.

Das kleine BVB-Zwischenhoch war da schon wieder zusammen gesackt, auch die Schlussphase dominierte das Siewert-Team. Ducksch (75.) versuchte es per Freistoß - drüber. Es roch stark nach dem zweiten Auswärtssieg: Bis der letzte Freistoß vor das RWE-Tor segelte und der eingewechselte Ioannidis die Kugel über die Linie wurschtelte. In der 92. Minute. Unfassbar!

Autor: Ralf Wilhelm

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