Es ging richtig zur Sache in den letzten Tagen. Der Grund: Wer soll von einem neuen TV-Vertrag wie viel Kohle bekommen. Ein Kommentar.

Büchse der Pandora

Kommentar zum Streit um den TV-Vertrag

Ulrich Homann
03. Dezember 2015, 11:38 Uhr
Foto: firo

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Es ging richtig zur Sache in den letzten Tagen. Der Grund: Wer soll von einem neuen TV-Vertrag wie viel Kohle bekommen. Ein Kommentar.

Mal wieder streitet der hiesige Profifußball ums liebe Geld. Der neue TV-Vertrag soll einen möglichst großen Schluck aus der Pulle bringen. Wie er aber neu aufgeteilt wird, darüber ist eine Diskussion entbrannt, die vermeintlich klassenkämpferische Züge trägt, in Wirklichkeit aber wohl nur eine Debatte um Chancengleichheit anheizt.

Ohnehin muss die Milliarde erst einmal vorhanden sein, bevor es an die Aufteilung gehen kann. Denn der neidische Blick auf die britische Insel verhindert ja nur die Einsicht, dass die TV-Landschaft hierzulande eine gänzlich andere ist. Bis dato hat sky herzlich wenig am Fußball verdient. Zwar ist der Glaube an bessere Zeiten wohl ungebrochen, aber die Kickerbranche täte gut daran, ihre Ansprüche auf realistischen Refinanzierungen zu gründen.

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Zumal das Produkt Bundesliga in den kommenden Jahren kaum an Attraktivität gewinnen dürfte, wenn auf nicht absehbare Zeit der Titel quasi ab dem ersten Spieltag schon vergeben ist. Ewig wird man die Zuschauer mit „Hoffenheim gegen Ingolstadt“ als Top-Spiel der Woche nicht veralbern können. Ohne reellen Wettbewerb, ohne Chancengleichheit zwischen den Kontrahenten, wird die Geschäftsidee Bundesliga auf Dauer keine sonderliche Zukunft haben.

Das sollte auch der FC Bayern München im Blick haben, der noch mehr Geld aus der Fernsehvermarktung für sich einfordert und damit die totale Dominanz gegenüber allen anderen Klubs zu zementieren gedenkt. Klar kann man sich im Bayernland täglich an der eigenen Stärke ergötzen. Aber auf Dauer werden diese Dauer-Siege gegen vollständig unterlegene Gegner selbst im eigenen Lager als wertlos erachtet. Wenn für den Rekordmeister die Saison eigentlich erst mit dem Halbfinale der Champions League beginnt, dann ist nicht nur Manuel Neuer im Tor überflüssig, sondern auch die Zuschauer am TV. Jedenfalls dürfte die Anzahl der Fußballfans, die sich nur noch beiläufig für die Ergebnisse der Bayern interessieren, stetig wachsen. Denn es bleibt schon richtig, dass die Faszination des Fußballs ganz wesentlich darauf gründet, dass man nicht weiß, wie es ausgeht.

Von daher hat Kalle Rummenigge den richtigen Vergleich gewählt, als er vollmundig und rotbäckig von der Öffnung der Büchse der Pandora sprach. Der griechischen Mythologie nach entfleuchten ihr Laster und Untugenden. Und vermutlich auch die Langeweile.

Autor: Ulrich Homann

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