Moskitos Essen

Neun Stiche ins Füchse-Herz

29. November 2015, 22:53 Uhr
Foto: ESC Moskitos Essen

Foto: ESC Moskitos Essen

"Immerhin, er traut sich" - mit diesem Satz empfing ein Gast der ESC Wohnbau Moskitos Duisburgs Coach Tomas Martinec im VIP-Raum zur Pressekonferenz.

Der langjährige DEL-Profi fasste sich im Anschluss des so wohl nie für möglich gehaltenen 2:9-Debakels der Füchse am Westbahnhof so kurz, wie noch bei keiner Pressekonferenz in dieser Saison zuvor. "Das Ergebnis hat alles ausgesagt, mehr brauche ich nicht sagen" - mit diesen Worten überreichte Martinec das Mikro direkt wieder an Essens 1. Vorsitzenden Torsten Schumacher, der ersatzweise die PK leitete.

Wobei Schumacher sicher nicht nur aufgrund der für ihn ungewohnten Position vor der Kamera sichtlich um Worte rang. Denn was das blutjunge Team in den violetten Trikots in den 60 Minuten zuvor aufs Eis brachte, dürfte wohl das Beeindruckendste gewesen sein, was die Moskitos-Fans in vielen Jahren am Westbahnhof begutachten durften.
Dabei begann der Tabellenführer druckvoll und kam zunächst zu vielen guten Gelegenheiten, ließ diese aber allesamt ungenutzt. Ganz anders die Moskitos. Andrej Bires und Kapitän Jan Barta trafen innerhalb von nur 86 Sekunden zu einer 2:0-Führung (14./15.). Ein dicker Fehler von EVD-Goalie Sebastian Stefaniszin, der die Scheibe bei eigener Überzahl hinter seinem Tor vertendelte, ermöglichte Bires wiederum nur zwei Minuten später das 3:0.

Moskitos wie im Rausch

Wer nun dachte, das erste Drittel glich einem seltenen Betriebsunfall, den der Spitzenreiter noch zu korrigieren vermag, sah sich getäuscht. Vor 1007 Zuschauern - darunter der neue Essener Oberbürgermeister Thomas Kufen - stellten erneut Bires und Barta das Resultat innerhalb von nur neun Sekunden auf 5:0.
Stefaniszin machte daraufhin Platz für Etienne Renkewitz. Doch damit nicht genug: Lila-Grün spielte sich in einen Rausch, Barta mit seinem dritten Tor und Niklas Hildebrand (wieder in Unterzahl) erhöhten sogar auf 7:0. Nun war der Frust auf Duisburger Seite groß, dieser entlud sich zum Teil in einer deftigen Massenkeilerei hinter dem EVD-Tor. 38 Strafminuten sammelten die Füchse-Akteure, derer 36 die Moskitos. Die nun folgende Überzahl nutzte der überragende Andrej Bires zum 8:0. Duisburgs Raphael Joly konnte vor der Pause immerhin noch das erste Gäste-Tor markieren.

Für jede Menge Spott seitens der Heimfans sorgte dann der erneute Torwartwechsel auf Duisburger Seite. Genau acht Minuten dauerte es, bis der wieder eingewechselte Stefaniszin einen Kullerpuck von Alexander Schneider passieren ließ. Der Wunsch nach einem zweistelligen Derbyerfolg sollte sich aber nicht erfüllen. Den Schlusspunkt setzte Viktor Beck für die Füchse in Minute 49.

Ich glaube, dass Duisburg am Ende ganz oben steht
Moskitos-Trainer Frank Gentges

Während in den letzten zehn Minuten keine Tore mehr fielen, kamen die Freunde von Prügel-Action hingegen noch einmal kräftig auf ihre Kosten. Nach einem versteckten Foul von Joly hinter dem Rücken des Schiedsrichters Andre Schrader entstand eine weitere deftige Keilerei, Punktsieger Joly und sein Gegner Jakob Weber kassierten für ihre Rauferei jeweils eine 5+Spieldauer-Strafe und stehen ihren Mannschaften im kommenden Spiel somit nicht zur Verfügung. Die Krönung für die Moskitos-Fans folgte aber kurz darauf, als sogar eine zweiminütige doppelte Unterzahl erfolgreich überstanden wurde.

Nur einer wollte - mal wieder - entschieden auf die Euphoriebremse treten: Moskitos-Coach Frank Gentges ließ die randvollen Bierkrüge, die der Mannschaft nach dem Sensationserfolg in die Kabine gereicht wurden, direkt wieder zurückbringen. „Wir sind mitten in der Saison, da gibt es sowas bei mir nicht. Euphorie machen andere schon genug. Natürlich haben wir aber ein hervorragendes Eishockeyspiel gesehen. Das macht uns stolz und ich hoffe, die Jungs nehmen das mit, was sie in den letzten Spielen geleistet haben.“ Wohlwissend, dass es Freitag schon zum nächsten heißen Derby kommt, wenn der zuletzt ebenfalls ganz starke Herner EV die Stechmücken am Gysenberg empfängt. Duisburg hat dann gegen Kellerkind Preussen Berlin die erste Chance zur Wiedergutmachung. Warme Worte hatte Gentges dann aber noch für die Wedaustädter übrig: „Solche Tage gibt es halt. Am Ende wird abgerechnet und ich glaube, dass Duisburg dann ganz oben steht.“

In Essen darf unterdessen langsam, aber sicher von den Playoffs geträumt werden. Den dafür erforderlichen achten Tabellenrang schnappten sich die Moskitos durch den Kantersieg, der Vorsprung auf den ersten Abstiegs-Relegationsplatz beträgt nun schon 20 Punkte. Mal sehen, wie lange sich der Trainer der Euphorie im Umfeld noch entziehen kann...

Statistik:
Tore:

1:0 13:18 Bires (Hildebrand, Tobias Brazda)
2:0 14:44 Barta (Velecky)
3:0 16:55 Bires SH1
4:0 23:47 Bires (Hildebrand, Krämer) PP1
5:0 23:56 Barta
6:0 31:24 Barta (Hildebrand, Airich)
7:0 33:11 Hildebrand (Bires, Zink) SH1
8:0 35:53 Bires (Krämer, Gejerhos) PP1
8:1 37:28 Joly (Beck, Huebscher)
9:1 48:00 Schneider (Saccomani, Schüpping)
9:2 48:33 Beck (Ziolkowski, Neumüller)

Zuschauer: 1007

Strafminuten: Essen 41 + Spieldauer Weber + 10 Airich + 10 Tim Brazda
Duisburg: 26 + Spieldauer Joly + 10 Bettahar + 10 Pietsch

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