Der Ort, an dem Lukasz Piszczek da sitzt, ist ein ungewöhnlicher.

BVB

Piszczek hofft auf Einsatzzeiten in Krasnodar

Daniel Berg
25. November 2015, 19:53 Uhr
Foto: firo

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Der Ort, an dem Lukasz Piszczek da sitzt, ist ein ungewöhnlicher.

In eine karge Turnhalle mit grünem Boden hat jemand ein paar Stuhlreihen gestellt. Über ihm an der Wand hängt noch das Fangnetz für verirrte Schüsse und Würfe. Für jemanden, der es in die höchsten Höhen des europäischen Fußballs geschafft hat, versprüht dieser Raum im Kellergeschoss des Kuban-Stadions im russischen Krasnodar einen eher gewöhnungsbedürftigen Charme. Aber das sind nunmal die Ausläufer der vergangenen Saison: In der Europa League geht es für Borussia Dortmund, dessen Spieler Piszczek ist, am Donnerstag (17 Uhr MEZ) um den vorzeitigen Einzug in die Runde der letzten 32. Ein Remis beim FK Krasnodar nahe der Schwarzmeerküste genügt dazu.

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Für Piszczek könnte es in diesem Spiel mal wieder um noch mehr gehen. Zumindest dann, wenn er spielen darf. Das ist in der jüngeren Vergangenheit eher selten der Fall gewesen. Immer mal wieder warfen ihn auch langwierige Verletzungen zurück, zuletzt zu Beginn dieser Saison, als die Hüfte mal wieder Schmerzen bereitete. Es ist die Zeit, in der Trainer Thomas Tuchel Matthias Ginter als Rechtsverteidiger erprobt hat - und dieser seither überzeugt. Mit Toren, Vorlagen und guten Leistungen hat Ginter den polnischen Nationalspieler auf die Bank verdrängt. Vor zwei, drei Jahren wäre das noch undenkbar gewesen.

Piszczek geht es wie [person=1630]Sven Bender[/person] und [person=1423]Neven Subotic[/person]. Die drei waren unverzichtbare Männer in der Mannschaft von Jürgen Klopp, die es 2013 beinahe auf den Thron des europäischen Fußballs geschafft hätte. Im Wembley-Stadion von London triumphierten am Ende die Bayern aus München. Mittlerweile aber ist Thomas Tuchel der Trainer beim BVB und der wiederholt seine Wertschätzung für die Reservisten immer wieder glaubhaft, doch weil er seinem eingespielten Ensemble immer wieder das Vertrauen schenkt, sitzen die verdienten Männer sehr häufig auf der Bank. Auch Piszczek, der damals als bester Rechtsverteidiger der Welt neben Barcelonas Dani Alves galt. Am Donnerstag könnte Ginter mal eine Pause erhalten und Piszczek die Chance, sich zu zeigen.

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"Ich freue über jede Minute, die ich spielen darf", sagt er also 24 Stunden vor der Partie gegen Krasnodar. Er lächelt. Es ist kein aufgesetztes Lächeln. Seine neue Rolle nimmt er an. "Man hat mir hier nie garantiert, dass ich immer Stammspieler sein werde", sagt Piszczek, "ich nehme die Situation an, wie sie ist. Der Trainer hat vor jedem Spiel die Wahl zwischen mehreren guten Spielern. Und ich nehme diesen Kampf um eine Position im Team an." Heißt: trainieren, auf die Chance warten, sie nutzen. Bestenfalls.

Ob Krasnodar eine Chance für ihn ist, steht am Donnerstag fest. Und klar ist auch, dass für den 30-Jährigen, der 2010 von Hertha BSC zum BVB wechselte, viel auf dem Spiel steht. Im kommenden Sommer findet in Frankreich die Europameisterschaft statt. Dort will Piszczek mit der Nationalmannschaft erfolgreich sein. Auch dort genoss er in den vergangenen Jahren einen hohen Stellenwert. Damit das so bleibt, wäre mehr Spielpraxis sicher wünschenswert. Fraglich, ob sich das beim BVB machen lässt.

Aber Piszczek ist keiner, der nicht auch einfachere Dinge wertschätzen kann. Das tägliche Training ohne Schmerzen zum Beispiel. "Am wichtigsten", sagt er, "am wichtigsten ist es, gesund zu bleiben." Das hat ihn die Vergangenheit gelehrt. Dass er das in einer kargen Turnhalle in der russischen Fußball-Provinz sagt: ihm vollkommen egal. Er will nur spielen.

Autor: Daniel Berg

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