Das Stadtderby an der Hafenstraße ist für den FC Kray die Möglichkeit, zumindest für einen Abend dem bisher tristen Liga-Altag zu entfliehen.

FC Kray

"Zwischen uns und RWE liegen Welten"

Martin Herms
25. November 2015, 18:58 Uhr
Foto: Ketzer

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Das Stadtderby an der Hafenstraße ist für den FC Kray die Möglichkeit, zumindest für einen Abend dem bisher tristen Liga-Altag zu entfliehen.

Besonders hoch war der Spaßfaktor zuletzt nicht im Lager des FC Kray. Nach einer Bilderbuch-Saison 2014/15 läuft in dieser Spielzeit nicht viel zusammen für den Underdog aus dem Essener Osten. Bei nur einem Sieg aus 16 Spielen sind die Chancen auf den Klassenerhalt erheblich gesunken. Der FC Kray stößt dieser Tage an seine Grenzen - sowohl sportlich als auch strukturell. Für den vor einigen Wochen wiedergewählten FCK-Präsidenten Günther Oberholz ist das aber kein Grund für Schwarzmalerei. Der Funktionär hat offenbar eingesehen, dass sein Verein einen Kampf gegen Windmühlen austragen muss.

Nicht nur auf dem Platz, sondern vor allem auch finanziell ist die bisherige Spielzeit ein reinstes Desaster. Lediglich 271 Zuschauer besuchen im Schnitt die Spiele des Underdogs. Die Ursachen liegen auf der Hand. Neben der sportlichen Misere machen dem Klub von der Buderusstraße weiterhin die Umzüge zum Uhlenkrug-Stadion zu schaffen. Gegen Vereine mit vermeintlich hohem Fan-Potential muss der FC Kray ausweichen und muss aufgrund zumeist falscher Prognosen der Polizei ein dickes Minusgeschäft hinnehmen. „Wir haben in den Spielen gegen Ahlen und Wattenscheid kräftig draufgezahlt. Die Zahlen waren viel geringer, als von der Polizei erwartet. Demnach hätten wir auch bei uns in Kray spielen können“, sagt Oberholz.

Hätte vor vier Jahren jemand gesagt, dass wir in vier Spielen gegen Rot-Weiss Essen zwei Siege und ein Unentschieden holen, wäre er lauthals ausgelacht worden.
Günther Oberholz

Ein weiteres Problem ist das späte Heimspiel gegen RWE. Erst drei Spieltage vor dem Ende hat der FCK im Stadion Essen Heimrecht. Sollte es für beide Klubs nur noch um die goldene Ananas gehen, drohen dem Klub aus dem Essener Osten erhebliche Verluste. „Ich hoffe, dass RWE nach unserem Spiel noch die Kurve kriegt und wir doch noch Spannung reinbekommen. Vielleicht läuft es dieses Jahr mal in der Rückrunde rund. Es wäre toll, denn auf die Einnahmen ist ein kleiner Verein wie wir natürlich angewiesen“, räumt Oberholz ein. Das entstandene Loch durch die fehlenden Einnahmen und den Trainerwechsel soll durch weitere Sponsorengelder kompensiert werden. Für Oberholz und seine ehrenamtlichen Helfer ist deshalb Klinkenputzen angesagt. „Wir sind immer unterwegs und versuchen alle Hebel in Bewegung zu setzen“, betont der 52-Jährige.

Die Voraussetzungen der Krayer und des kommenden Gegners Rot-Weiss Essen könnten somit unterschiedlicher nicht sein. „Zwischen uns und RWE liegen Welten“, unterstreicht Oberholz. Daran haben freilich auch die beiden Siege aus der Vorsaison nichts geändert. Der Krayer Vorsitzende würde sich jedoch wünschen, dass sich die öffentliche Wahrnehmung seines Klubs ändert. "Hätte vor vier Jahren jemand gesagt, dass wir in vier Spielen gegen Rot-Weiss Essen zwei Siege und ein Unentschieden holen, wäre er lauthals ausgelacht worden. Denn damals haben wir noch in der Landesliga auf Asche gespielt. Wenn man uns kritisiert, sollte das nicht vergessen werden", betont Oberholz.

Mit den rauen Gegebenheiten für seinen Verein hat sich der sonst so verbissene Funktionär aber mittlerweile abgefunden. Auch wenn der drohende Abstieg nicht zu vermeiden wäre, ginge laut Oberholz in Essen-Kray nicht die Welt unter. „Wir wollen uns nicht selbst bemitleiden. Stattdessen müssen wir den Tatsachen ins Auge sehen. Ohne ein eigenes Stadion und das nötige Geld reicht es auf Dauer nicht für die Regionalliga. Das sehen wir ein. Dennoch können wir stolz auf das bisher Erreichte sein. Wir waren drei Jahre in dieser Spielklasse und stehen nun zum zweiten Mal in Folge im Halbfinale des Niederrheinpokals. Es gibt aus Krayer Sicht keinen Grund, Frust zu schieben."

Autor: Martin Herms

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