Die TSG Sprockhövel erlebt derzeit ein kleines Fußball-Wunder. Der Abstiegskandidat kämpft um den Aufstieg. Das liegt auch an einer Familie.

Sprockhövel

Das sind die Meister-Macher der TSG

Marian Laske
27. November 2015, 09:27 Uhr
Foto: Mustafa Balci

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Die TSG Sprockhövel erlebt derzeit ein kleines Fußball-Wunder. Der Abstiegskandidat kämpft um den Aufstieg. Das liegt auch an einer Familie.

Drei Minuten. So lange läuft [person=6079]Raoul Meister[/person] von seinem Sprockhöveler Zuhause, dann steht er auf dem Fußballplatz der TSG. Hier kennt er die Betreuer, die Jugendspieler, die Eltern, die Zuschauer, hier hat er große Teile seiner Jugend verbracht, erste Erfolge gefeiert und vom Profifußball geträumt. Nur deswegen hat er vor vielen Jahren seinen Heimatverein verlassen, um beim VfL Bochum den entscheidenden Schritt für eine erfolgreiche Karriere zu gehen. Schon nach einem Jahr kehrte er zurück. Das war 2007. Und nun?

Nun befindet sich der 27-Jährige mitten im nicht für möglich gehaltenen Sprockhöveler Aufstiegs-Traum. Woche für Woche sammelt die TSG Punkte, begeistert mit ihrem Fußball, so dass es nicht so scheint, als würde der Verein demnächst aufwachen. 14 Spiele, elf Siege, zwei Unentschieden und eine Niederlage lautet die bisherige Bilanz. Schon jetzt beträgt der Vorsprung von Sprockhövel auf den Zweiten SF Siegen 13 Punkte, allerdings haben die Sportfreunde noch zwei Nachholspiele.

"Natürlich kommt das unerwartet, wir waren ja vor der Saison eher ein Abstiegskandidat", erklärt Meister, der die Überraschungsmannschaft der Oberliga als spielender Co-Trainer und natürlich als Kapitän auf den Platz führt. Wer sonst sollte das auch übernehmen außer der Innenverteidiger, dessen Familie tief in der TSG verwurzelt ist. Während Raoul als Innenverteidiger auf dem Kunstrasen Tore verhindert, kümmert sich sein Cousin André um die Geschäfte, sein Onkel Ulrich leitet die Fußballabteilung und sein Vater Jürgen kassiert. Als Meister wird man in die TSG Sprockhövel hineingeboren - und vielleicht kann die Meister-Familie auch bald die Oberliga Meisterschaft feiern. Der Verein aus der 25.000-Einwohner-Stadt wäre plötzlich in der Regionalliga.

"Auch dann bleiben wir auf dem Boden", sagt André Meister. Der Geschäftsführer der Fußballabteilung kämpft nicht wie sein Cousin Raoul auf dem Platz, er versucht, am Schreibtisch die Basis für hochklassigen Fußball zu schaffen. "Wir gehen da einen anderen Weg. Wir haben lieber 100 kleine Sponsoren als einen großen", erklärt er, "denn wenn der große Sponsor abspringt, geht es runter."

Der 39-Jährige muss es wissen. Er arbeitet schon seit mehr als 17 Jahren bei der TSG, seit über zehn Jahren ist er Geschäftsführer. "Was blieb mir anderes übrig?", fragt er. Der Name Meister verpflichtet schließlich. Und natürlich kennt auch André Meister die meisten Menschen des Vereins, die ihm nun auf die Schulter klopfen. "Man spürt schon eine gewisse Euphorie. Die Leute sind begeistert von dem Erfolg", erklärt der Geschäftsführer.

Die Anforderungen wandeln sich

Die Euphorie bemerkt auch Raoul Meister: "Es kommen wieder mehr Leute. 400 bis 500 sind bei unseren Spielen am Platz." Auch sie bekommen mit, wie sich die Anforderung für die junge Mannschaft wandeln. "Zu Beginn konnten wir noch auf unsere starken Konter setzen", erklärt Meister: "Mittlerweile stehen die Gegner tiefer, wir müssen das Spiel machen." Die Qualität der TSG hat sich rumgesprochen - unterschätzt wird das Team nicht mehr. Trotzdem schafft es bislang kein Gegner, den Lauf des Spitzenreiters zu stoppen. Der Aufstieg ist möglich, das weiß auch der 27-Jährige: "Aber die Saison ist lang, es kann viel passieren."

Drei Spiele hat die TSG Sprockhövel noch bis zur Winterpause. Die Spielvereinigung Erkenschwick, Westfalia Rhynern und SuS Neuenkirchen wollen den Tabellenführer stürzen. Raoul Meister sieht das gelassen: "Wir haben schon jetzt mehr Punkte als in der ganzen letzten Saison." Das stimmt, den Abstieg hat die Mannschaft schon verhindert.

Autor: Marian Laske

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